Politik

Israel treibt Siedlungsausbau im Westjordanland voran

Trotz Drucks aus den USA will Israel im Westjordanland Tausende Baugenehmigungen erteilen, um den Siedlungsausbau dort voranzutreiben. Die Palästinenser wollen sich mit allen Mitteln wehren.
18.06.2023 14:39
Aktualisiert: 18.06.2023 14:39
Lesezeit: 2 min

Trotz Warnungen aus den USA hat die israelische Regierung neue Pläne für den Siedlungsbau im besetzten Westjordanland vorgelegt. Die Pläne für die Genehmigung von 4560 Wohneinheiten in verschiedenen Gebieten des Westjordanlandes wurden am Sonntag auf die Tagesordnung des Obersten Planungsrates gesetzt. Dieser tritt in der neuen Woche wieder zusammen. 1332 Wohnungen stehen zur endgültigen Genehmigung an, während der Rest noch das vorläufige Verfahren durchläuft. "Wir werden die Siedlungen weiter ausbauen und den israelischen Einfluss auf das Gebiet stärken", sagte Finanzminister Bezalel Smotrich, der auch ein Verteidigungsressort innehat.

Die USA haben zuvor Druck ausgeübt, um den Siedlungsausbau zu stoppen. Die Regierung in Washington sieht in ihm ein Hindernis für einen Frieden mit den Palästinensern. Die meisten Länder betrachten die Siedlungen, die auf dem von Israel im Nahostkrieg 1967 eroberten Land errichtet wurden, als illegal. Ihre Anwesenheit ist einer der Hauptstreitpunkte im israelisch-palästinensischen Konflikt. Die Palästinenser streben die Gründung eines unabhängigen Staates im Westjordanland und im Gazastreifen mit Ostjerusalem als Hauptstadt an. Die von den Vereinigten Staaten vermittelten Friedensgespräche sind seit 2014 eingefroren.

Seit ihrem Amtsantritt im Januar hat die Koalition von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die Förderung von mehr als 7000 neuen Wohneinheiten genehmigt, die meisten davon tief im Westjordanland. Außerdem hat sie ein Gesetz geändert, um den Weg für die Rückkehr von Siedlern in vier zuvor geräumte Siedlungen frei zu machen.

Als Reaktion auf die Entscheidung vom Sonntag erklärte die Palästinensische Autonomiebehörde, dass sie eine für Montag angesetzte Sitzung des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses mit Israel boykottieren werde. Die islamistische Palästinensergruppe Hamas, die den Gazastreifen seit 2007 regiert, verurteilte den Schritt mit den Worten: "Wir werden (Israel) keine Legitimität über unser Land geben. Unser Volk wird sich mit allen Mitteln dagegen wehren."

Jüdische Siedlergruppen begrüßten die Ankündigung hingegen. "Die Menschen haben sich entschieden, in Judäa und Samaria und im Jordantal weiter zu bauen, und das ist auch gut so", sagte Shlomo Ne'eman, Bürgermeister des Regionalrats von Gush Etzion. Er verwendete dabei Israels biblische Bezeichnung für das Westjordanland.

Israel gibt grünes Licht für Erschließung von Gasvorkommen vor Gaza

Israel hat eine vorläufige Genehmigung für das Erschließen eines Gasfeldes vor dem palästinensischen Gazastreifen erteilt. Das Büro von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Sonntag, dass der Fortschritt von der "Wahrung der Sicherheits- und diplomatischen Bedürfnisse des Staates Israel" abhängen werde. Eine Abstimmung mit der Palästinensischen Autonomiebehörde und dem benachbarten Ägypten sei erforderlich. Sollte das Abkommen zustande kommen, würde es die klamme palästinensische Wirtschaft ankurbeln.

Ägypten und Israel fördern seit Jahren Erdgas im östlichen Mittelmeer. Das Gaza-Marine-Feld, das etwa 30 Kilometer vor der Küste des Gazastreifens liegt, blieb bislang aber aufgrund politischer Streitigkeiten unerschlossen. Ein Teil des Gases könnte sogar exportiert werden.

Die Palästinensische Autonomiebehörde reagierte nicht sofort auf die Bitte um Stellungnahme. "Wir warten darauf, zu erfahren, was genau die Israelis im Einzelnen vereinbart haben", sagte ein palästinensischer Vertreter der Nachrichtenagentur Reuters. "Wir können uns nicht auf der Grundlage einer Erklärung gegenüber den Medien äußern." Ismail Rudwan von der Palästinensergruppe Hamas sagte: "Wir bekräftigen, dass unser Volk in Gaza das Recht auf seine natürlichen Ressourcen hat." (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Ob AfD-Beben oder Zerreißprobe – Bundeskanzler Merz steckt in der Bredouille
06.09.2026

Die Wahl in Sachsen-Anhalt könnte zum Wendepunkt für die CDU und ihren Vorsitzenden werden. Zwischen einem historischen AfD-Erfolg und...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: AfD klar vor CDU bei Sachsen-Anhalt-Wahl
06.09.2026

Die AfD distanziert die CDU. Die SPD bleibt stabil, die Linke büßt Stimmen ein. Die Grünen schaffen es in den Landtag, das BSW kann...

DWN
Finanzen
Finanzen Kurzlaufende Staatsanleihen sind nach dem Zinsanstieg für Sparer attraktiver
06.09.2026

Kurzlaufende Staatsanleihen mit einer Rendite von nahe drei Prozent sind ein Grund, das Wissen aufzufrischen: Wie können Anleger...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Von Titan bis Neodym: So abhängig ist Europas Rüstungsindustrie von Russland und China
06.09.2026

Flugzeugstrukturen, Triebwerke und Raketenkörper brauchen hochreinen Titanschwamm, und die Hälfte davon stammt aus China und Russland....

DWN
Finanzen
Finanzen Die serbische Börse ist die rentabelste der Welt? Das muss ein Fehler sein
06.09.2026

Der serbische Aktienindex Belex15 soll laut Bloomberg seit Jahresbeginn mehr als 515.000 Prozent Gesamtrendite erzielt haben. Doch ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Warum Projekte scheitern – und wie Sie den Kollaps verhindern
06.09.2026

Stuttgart 21 als Warnung für den Mittelstand: Atreus-Experte Thomas Gläßer erklärt, warum Projekte scheitern, welche Ursachen...

DWN
Politik
Politik Dexit: Was von Europa ohne Deutschland bliebe
06.09.2026

Ein Dexit galt lange als politisches Randthema. Doch wenn die AfD weiter zulegt, wird der Austritt Deutschlands aus EU, Euro und Schengen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ratan Tata im Porträt: Das Auto war zu billig, um ein Erfolg zu werden
06.09.2026

Ratan Tata wollte indischen Familien ein sicheres und bezahlbares Auto geben. Der Tata Nano wurde als billigstes Auto der Welt gefeiert,...