Wirtschaft

Nickel-Abbau für Elektroautos bedroht die Regenwälder Indonesiens

Indonesien ist der weltgrößte Produzent von Nickel, das für die Batterien von E-Autos benötigt wird. Doch der zunehmende Abbau droht die noch verbleibenden Regenwälder in dem Land schwer zu schädigen. Offenbar sollen die Regenwälder geopfert werden, um das Klima zu retten.
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08.07.2023 22:39
Aktualisiert: 08.07.2023 22:39
Lesezeit: 3 min
Nickel-Abbau für Elektroautos bedroht die Regenwälder Indonesiens
Der Nickel-Abbau zur Rettung des Klimas bedroht die Regenwälder von Indonesien. (Foto: dpa) Foto: Pindi Setiawan

Indonesien ist mit großem Abstand der größte Produzent von Nickel. Das Land deckt etwa die Hälfte der weltweiten Nachfrage. Nickel wird unter anderem für den Bau von Batterien für Elektroautos benötigt. Daher wird die Nachfrage voraussichtlich enorm zunehmen. Neue Technologien zur Förderung des Metalls sollen Indonesien nun große Produktionssteigerungen ermöglichen. Daher geht das australische Finanzunternehmen Macquarie Group davon aus, dass das Land bis zum Jahr 2025 sogar rund 60 Prozent des weltweiten Nickelbedarfs decken könnte.

Der größte Teil des in Indonesien und weltweit geförderten Nickels stammt aus Lateriterzen, berichtet der Economist. Diese Erze wiederum gibt es in zwei Arten, Limonit und Saprolit. Saprolit enthält höhere Konzentrationen an Nickel und eignet sich gut für die Verarbeitung in einem so genannten Drehrohrofen. Dabei wird das Erz bei über 1.500 Grad Celsius geschmolzen, wobei eine Verbindung aus Nickel und Eisen entsteht, das so genannte Nickel-Roheisen, das wiederum zu einem großen Teil zur Herstellung von rostfreiem Stahl verwendet wird.

Durch Einspritzen von Schwefel in das Nickel-Roheisen, um das Eisen zu verdrängen, kann nun ein noch reineres Produkt hergestellt werden, das sich für Batterien eignet: das sogenannte Nickelmatt. Dieser Ansatz ist jedoch sehr energieintensiv. In Indonesien stammt diese Energie in der Regel aus Kohlekraftwerken, die in der Nähe der Minen gebaut wurden. Denn Kohle ist billig und zuverlässig. Doch da westliche Elektroautohersteller wie Tesla gerne mit der Umweltfreundlichkeit ihrer Produkte werben, stellt die Verbrennung von Kohle ein Problem dar.

Nickelvorkommen in Indonesien schwer für Batterien nutzbar

Das grundlegendere Problem ist, dass ein Großteil des Saprolits (das Lateriterz mit höheren Konzentrationen an Nickel) in Indonesien bereits abgebaut und exportiert wurde, vor allem nach China. Im Jahr 2020 verhängte Indonesien daher ein Exportverbot für die noch im Land verbliebenen Mengen. Der größte Teil des im Lande verbleibenden Nickels ist jedoch nicht in Saprolit, sondern in Limonit eingeschlossen. Dieses Lateriterz mit einer niedrigeren Konzentration an Nickel eignet sich aber nicht für das Drehrohrofen-Elektroofen-Verfahren.

Seit Jahrzehnten experimentieren die Bergbauunternehmen mit einer Alternative, der sogenannten Hochdruck-Säurelaugung. Anstatt das Erz zu schmelzen, wird es in eine druckkesselähnliche Maschine gegeben und mit Schwefelsäure vermischt, die das Nickel herauslöst. Das Verfahren funktioniert mit Limonit und kann direkt das hochreine Nickel erzeugen, das für Batterien benötigt wird. Es war bisher jedoch schwer zu beherrschen, da die Pilotanlagen weit mehr als geplant kosteten und weit unter ihrer erwarteten Kapazität arbeiteten.

In letzter Zeit scheint sich das jedoch zu ändern. Seit 2021 wurden in Indonesien drei Anlagen zur Hochdruck-Säurelaugung in Betrieb genommen. Weitere sieben befinden sich nach Angaben der Indonesian Nickel Miners Association in der Entwicklung. Die meisten werden mit chinesischer Technologie gebaut. Zwei der drei bereits in Betrieb befindlichen Anlagen basieren auf Entwürfen der China Enfi Engineering Corporation, einer Tochtergesellschaft der China Metallurgical Group Corporation, die auch eine Anlage zur Hochdruck-Säurelaugung in Papua-Neuguinea betreibt.

Hochdruck-Säurelaugung brauchen weniger Energie

Neben ihrer Fähigkeit, Limonit zu verarbeiten, sind Anlagen zur Hochdruck-Säurelaugung auch umweltfreundlicher - zumindest in mancher Hinsicht. Da sie keine hohen Temperaturen benötigen, verbrauchen sie viel weniger Energie als Drehrohrofen-Elektroofen-Anlagen und produzieren daher weniger CO2. Allerdings fällt bei diesem neueren Verfahren auch eine große Menge giftiger Schlämme an. Diese werden im Bergbaujargon als "Halden" bezeichnet und lassen sich nur schwer sicher entsorgen.

Es gibt drei Möglichkeiten, die Halden zu entsorgen: (i) sie ins Meer pumpen, was Indonesien verbietet, (ii) in Dämmen lagern oder (iii) trocknen und stapeln. Zurzeit trocknen und stapeln die indonesischen Anlagen ihre Abfälle. Dafür wird jedoch viel Land benötigt. In Anbetracht der erwarteten Nickelmengen, die das Land produzieren wird, wird der Platz knapp werden. Die Unternehmen könnten sich stattdessen für den Bau von Dämmen entscheiden, was jedoch aufgrund der Anfälligkeit Indonesiens für Erdbeben und starke Regenfälle schwierig wird.

Selbst wenn die Abfälle ordnungsgemäß gelagert werden, erodiert das abgeholzte Bergbauland schnell, insbesondere wegen der Intensität der tropischen Regenfälle. Die Abwässer aus den Nickelminen könnten Flüsse und Seen verseuchen. Nach Angaben des Indonesischen Umweltforums, einer gemeinnützigen Organisation, hat die indonesische Regierung bis zum Jahr 2022 über 1 Million Hektar Bergbaukonzessionen vergeben. Fast drei Viertel davon liegen in den schwindenden Waldgebieten des Landes.

Wie groß die Auswirkungen auf die Umwelt genau sein werden, ist schwer zu sagen. Nur wenige indonesische Nickelminenbetreiber legen ihre Daten offen. Neben den CO2-Emissionen ist auch der Verlust der Artenvielfalt ein Thema. Der Druck, so grün wie möglich zu bleiben, könnte von weiter oben in der Lieferkette kommen. Ab 2024 müssen die Batteriehersteller in der Europäischen Union, einem der größten Märkte der Welt, den CO2-Fußabdruck ihrer Batterien offenlegen. Dennoch ist der Kampf gegen den Klimawandel die größte Gefahr für die noch verbleibenden Regenwälder Indonesiens.

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