Finanzen

Fed: US-Banken sollen schärfer reguliert werden

Mehrere US-Banken sind im Frühjahr aufgrund der Krise kollabiert, weil Kunden Gelder abgezogen haben. Als Konsequenz will die Fed nun die Regularien verschärfen. Gleichzeitig plädieren Fed-Vertreter für weitere Zinserhöhungen.
10.07.2023 20:25
Aktualisiert: 10.07.2023 20:25
Lesezeit: 3 min
Fed: US-Banken sollen schärfer reguliert werden
Jerome Powell, Vorsitzender der Federal Reserve. (Foto: dpa) Foto: Jacquelyn Martin

Die US-Notenbank Federal Reserve will vor dem Hintergrund der jüngsten Bankenturbulenzen die Kapitalvorgaben für die größten Geldhäuser des Landes verschärfen. Der für die Bankenaufsicht zuständige Fed-Vizechef Michael Barr kündigte am Montag an, die Kontrolleure müssten angesichts der jüngsten Bankenpleiten die Widerstandsfähigkeit des Sektors erhöhen. In seiner mit Spannung erwarteten Rede stellte er mehrere Regulierungsinitiativen in Aussicht, die größere Banken dazu verpflichteten, mehr Eigenkapital zu halten und strengere Aufsichtsanforderungen zu erfüllen. Dabei verwies er auf den Zusammenbruch der Silicon Valley Bank (SVB) und weiterer regionaler Geldhäuser im Frühjahr.

„Die Ereignisse in den letzten Monaten haben die Notwendigkeit von Bescheidenheit und Skepsis sowie eines Ansatzes nur noch verstärkt, der die Banken sowohl gegen bekannte als auch unerwartete Risiken widerstandsfähig macht“, führte der Fed-Vize aus. Er wolle aber nicht das Rahmenwerk in den USA für das Bankenkapital generalüberholen. Vielmehr wolle er auf die verschiedenste Weise darauf aufbauen. Dazu gehöre auch die volle Umsetzung von vereinbarten internationalen Standards. Auch würden die jährlichen Bankenstresstests ausgeweitet.

Im Frühjahr war es unter den US-Regionalbanken zu heftigen Turbulenzen gekommen. Die SVB und noch weitere Geldhäuser waren im Zuge der Krise kollabiert. Im März hatten Kunden begonnen, massiv Gelder von der SVB und anderen Regionalinstituten abzuziehen. Hohe unrealisierte Verluste auf US-Staatsanleihen im Zuge der Zinserhöhungskurses der US-Notenbank hatten bei den Instituten einen Vertrauensverlust ausgelöst.

Barr kündigte darüber hinaus an, dass Institute mit einer Bilanzsumme von mehr als 100 Milliarden Dollar künftig mehr Kapital vorhalten müssten. Damit würden härtere Kapitalvorgaben künftig noch mehr Geldhäuser betreffen. Die Kontrolle dieser Banken durch die Aufsicht solle zudem verstärkt werden. Die bestehenden Kapitalvorschriften für global systemrelevante Banken sollen Barr zufolge nicht abgemildert werden. In der Branche hatte es zuletzt entsprechende Forderungen gegeben. Aus Sicht des Fed-Vizes besitzen die meisten Geldhäuser bereits ausreichend Kapital, um die geplanten neuen Standards zu erfüllen. Finanzinstitute, die mehr Kapital aufbringen müssten, könnten dies in weniger als zwei Jahren schaffen.

Fed will weiter straffen

Die US-Notenbank Federal Reserve sollte aus Sicht zweier Währungshüter an ihrem Zinserhöhungskurs festhalten. Laut der Präsidentin der Fed-Filiale von Cleveland, Loretta Mester, hat die US-Wirtschaft in diesem Jahr mehr Stärke gezeigt als erwartet. Zudem sei die Inflation hartnäckig hoch geblieben, sagte sie am Montag in einer Rede in San Diego. „Um sicherzustellen, dass sich die Inflation auf einem nachhaltigen und zügigen Pfad zurück zu zwei Prozent befindet, muss der Leitzins meiner Meinung nach von seinem derzeitigen Niveau aus noch etwas weiter ansteigen“, sagte sie. Dann müsse er eine Weile dort verbleiben, während die Fed mehr Informationen zur Entwicklung der Wirtschaft sammle. Auch laut ihrer Kollegin Mary Daly, der Präsidentin des Notenbank-Bezirks San Francisco, kann sich die Fed noch nicht zurücklehnen.

Die US-Notenbank hatte nach zehn Zinserhöhungen in Folge im Juni eine Pause eingelegt und die Leitzins-Spanne von 5,0 bis 5,25 Prozent beibehalten. Laut dem Fed-Protokoll zur Juni-Sitzung hatte sich die Mehrheit der Währungshüter auf dem Treffen für eine Zinspause ausgesprochen. Allerdings sahen sie bei den Sätzen noch Luft nach oben. Beinahe alle Mitglieder im Offenmarktausschuss, der über die Zinsen entscheidet, erwarteten laut dem Protokoll weitere Zinserhöhungen im Jahresverlauf. Die nächste Zinssitzung ist für den 25. und 26. Juli angesetzt.

Mester nannte in ihrer Rede keinen Zeitplan für weitere Schritte. Sie verwies darauf, die Maßnahmen der Fed trügen dazu bei, das Gleichgewicht in der Wirtschaft wiederherzustellen. Allerdings liefen die Inflation und der Arbeitsmarkt im Vergleich zu dem, was für eine Abkühlung des Preisdrucks nötig wäre, nach wie vor aus dem Ruder. „Das Kernmaß zeigt an, dass die Inflation hartnäckig hoch und breit angelegt ist“, sagte sie.

Laut Daly sind noch mindestens zwei Zinserhöhungen in diesem Jahr notwendig, um angesichts eines starken Arbeitsmarktes die Inflation zurückzudrängen. „Wir brauchen wahrscheinlich noch ein paar Zinserhöhungen im Laufe dieses Jahres, um die Inflation wirklich nachhaltig zum Zwei-Prozent-Ziel der Fed zurückzuführen“, sagte sie auf einer Veranstaltung der Brookings Institution in Washington. Die Risiken, zu wenig zu unternehmen, seien immer noch größer als die Risiken, zu viel zu machen. Aber die Balance zwischen diesen werde mittlerweile besser. Daher sei es richtig, dass die Notenbank die Zinsen langsamer anhebe als im vergangenen Jahr. (reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Streit um Obi-Orange: Warum Farben über Marken-Erfolg entscheiden
09.05.2026

Der Baumarkt Obi steht vor dem Bundesgerichtshof (BGH) im Streit um den rechtlichen Schutz seiner markanten Hausfarbe Orange. Der Fall...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Milliardenbaustelle Deutschland: Warum Großprojekte oft scheitern – und was sich strukturell ändern muss
09.05.2026

Vom Hauptstadtflughafen bis zum Bahnknoten Stuttgart: Deutschlands Großprojekte entwickeln sich oft zu Dauerbaustellen mit Kosten in...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Investitionen: Big Tech verbrennt Milliarden und muss Rendite liefern
09.05.2026

Die großen US-Techkonzerne melden starkes Wachstum, doch die Euphorie bekommt Risse. Microsoft, Amazon, Meta und Alphabet pumpen enorme...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: S&P 500 und Nasdaq wieder auf historischen Höchstständen
08.05.2026

Ein Handelstag der extremen Kontraste: Warum an der Börse Euphorie herrscht, während die Alltagssorgen wachsen.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Spleenlab: Wie ein Thüringer Startup seine Drohnensoftware in die Ukraine brachte
08.05.2026

Garage in Ostthüringen, vier Millionen Euro Landesförderung, Software im Kriegsgebiet: Spleenlab hat in sieben Jahren den Aufstieg vom...

DWN
Politik
Politik Eskalationsspirale trotz Waffenruhe: USA und Iran liefern sich Gefechte in der Straße von Hormus
08.05.2026

Die fragile Waffenruhe zwischen Washington und Teheran steht kurz vor dem Kollaps. Nach Attacken auf US-Zerstörer reagiert das US-Militär...

DWN
Politik
Politik Regieren im Krisenmodus: Die Pannenserie der schwarz-roten Koalition reißt nicht ab
08.05.2026

Vom holprigen Start bei der Kanzlerwahl bis zum aktuellen Veto der Länderkammer: Die Bundesregierung unter Kanzler Merz kämpft mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Strengere Regeln für "Buy Now, Pay Later": Bundesrat besiegelt Reform des Kreditrechts
08.05.2026

Verbraucherschutz im Fokus: Die Länderkammer hat schärferen Vorschriften für Kredite zugestimmt. Insbesondere für Kleinstdarlehen und...