Politik

Open Society Foundations: Aktivitäten in der EU werden eingestellt

Die Aktivitäten der Open Society Foundations (OSF) von George Soros in der EU werden großteils eingestellt. Denn die Staaten dort hätten ihre Aufgaben übernommen. Daher will die Organisation verstärkt anderswo aktiv werden.
Autor
16.08.2023 10:55
Aktualisiert: 16.08.2023 10:55
Lesezeit: 2 min

Die Open Society Foundations (OSF) vollzieht unter ihrer neuen Führung eine radikale Umstrukturierung. Die Organisation, die den Großteil des Vermögens der 25 Milliarden Dollar schweren Family Office von George Soros kontrolliert und weltweit jährlich etwa 1,5 Milliarden Dollar an Nichtregierungsorganisationen (NGOs) verteilt, wird einen großen Teil ihrer Aktivitäten in der Europäischen Union einstellen. Der 93-Jährige hatte die Kontrolle über OSF im Juni an seinen Sohn Alexander Soros übergeben, der umgehend einen Personalabbau von mindestens 40 Prozent bei der Stiftung ankündigte.

"Letztendlich sieht die neue genehmigte strategische Ausrichtung den Rückzug und die Beendigung großer Teile unserer derzeitigen Arbeit innerhalb der Europäischen Union vor, wodurch sich unser Schwerpunkt und die Zuweisung von Ressourcen auf andere Teile der Welt verlagert", heißt es in einem Schreiben, das an die Empfänger von OSF-Geldern in Ungarn geschickt und von einem der Empfänger an Bloomberg übermittelt wurde.

Die Email zitiert ein weiteres Schreiben, das an Mitarbeiter in der Zentrale in Berlin geschickt wurde. Darin heißt es: "OSF wird die Finanzierung innerhalb der Europäischen Union weitgehend einstellen, und die weitere Finanzierung wird äußerst begrenzt sein." In dem Schreiben an die Empfänger von Fördergeldern wurden keine weiteren Einzelheiten genannt, sondern lediglich darauf hingewiesen, dass diese Änderung beschlossen wurde, weil dort "die EU-Institutionen und Regierungen bereits erhebliche Mittel für Menschenrechte, Freiheit und Pluralismus" bereitstellten.

In der EU finanzierte OSF eine breite Palette sogenannter "philanthropischer" Programme in den östlichen, ehemals kommunistischen Mitgliedern des Blocks, darunter in Ungarn, Polen, der Slowakei, Rumänien, der Tschechischen Republik und Bulgarien. Dazu gehörten Initiativen, die auf die Stärkung der Demokratie, die Förderung der Menschenrechte und die Linderung der Armut und Diskriminierung der Roma-Minderheit abzielten. Die Organisation finanziert auch Projekte in Ländern, die nicht zur EU gehören, zum Beispiel auf dem Balkan und in Zentralasien. Die Organisation wird weiterhin Programme in europäischen Nicht-EU-Ländern wie der Ukraine, Moldawien, Kirgisistan und den westlichen Balkanstaaten finanzieren, sagte ein OSF-Mitarbeiter gegenüber Reuters.

Der europäische Hauptsitz der Organisation befand sich bis 2018 in Budapest. Nach einer jahrelangen Kampagne gegen Soros und die liberalen Werte der OSF durch die Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban zog sie nach Berlin um. Sie hat auch Büros in Barcelona, Brüssel und Belgien. Die Organisation hat in den letzten drei Jahrzehnten mehr als 19 Milliarden Dollar für ihr philanthropisches Engagement ausgegeben. Laut der Website der Organisation wurden in Europa und Zentralasien allein 2021 Mittel in Höhe von 209 Millionen Dollar vergeben, was fast 14 Prozent ihrer weltweiten Ausgaben entspricht.

Michiel van Hulten, EU-Direktor bei Transparency International, sagte, das Soros-Organisation sei für die europäische Zivilgesellschaft von großer Bedeutung. Transparency International hat etwa ein Viertel seiner jährlichen Mittel von OSF erhalten. "Es gibt wohl keine Organisation, die in den letzten 30 Jahren mehr zur Stärkung der Rolle der europäischen Zivilgesellschaft beigetragen hat als OSF, angefangen mit ihrer bahnbrechenden Arbeit in Mittel- und Osteuropa nach dem Fall des Kommunismus", so van Hulten gegenüber der Financial Times. Und weiter: "Eine abrupte Abkehr von Europa zu einer Zeit, in der der politische Populismus zunimmt und die Rechtsstaatlichkeit zunehmend bedroht ist, erscheint kontraintuitiv und würde die Gefahr bergen, dass ein Großteil der erreichten Fortschritte zunichte gemacht wird."

Alberto Alemanno, Professor für EU-Recht an der HEC Paris, sagte auf X (Twitter), dass die Entscheidung des OSF angesichts der im Juni nächsten Jahres anstehenden EU-Wahlen "zu keinem schlechteren Zeitpunkt für die europäische Integration und ihre Zivilgesellschaft kommen könnte. Nichtregierungsorganisationen (NGOs) haben die Führung der Open Societies Foundation aufgefordert, den Kurs zu ändern oder zumindest die geplanten Kürzungen zurückzunehmen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Welche Funktionen sind 2026 bei Trading-Plattformen wirklich wichtig?

Trading-Plattformen entwickeln sich rasant weiter. Im Jahr 2026 geht es längst nicht mehr nur darum, Wertpapiere oder andere...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Bilder verschenken: Eine Marketingstrategie für Künstler?
02.08.2026

Ein kleines Kunstwerk als Geschenk – eine charmante Geste oder ein strategischer Marketingtrick? Was zunächst nach Großzügigkeit...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Agenten außer Kontrolle: Unternehmen unterschätzen die wahre Rechnung
02.08.2026

KI-Agenten sollen selbstständig arbeiten, Entscheidungen treffen und Unternehmen produktiver machen. Doch während Manager vor allem auf...

DWN
Panorama
Panorama Warum die Welt besser ist, als viele denken: Zehn wenig bekannte Trends
02.08.2026

Kriege, Katastrophen und wirtschaftliche Krisen bestimmen die Nachrichten. Doch während die Schlagzeilen den Eindruck eines globalen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Algerien: Wenn ein Gebrauchtwagen teurer ist als ein Neuwagen
02.08.2026

Algerien will weniger abhängig von Öl und Gas werden und setzt auf eine eigene Autoindustrie. Nach Jahren des Mangels, explodierenden...

DWN
Finanzen
Finanzen Adieu Frankreich, adieu Deutschland: Wohin Europas Reiche ziehen
02.08.2026

Politische Unsicherheit, hohe Steuern: Das sind die wichtigsten Gründe, warum Reiche die zwei stärksten Länder Europas verlassen. Wohin...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Entwürfe für die Euro-Banknoten: Stimmen Sie für Ihren Favoriten ab!
01.08.2026

Die Europäische Zentralbank hat zehn Entwürfe für neue Euro-Banknoten vorgestellt. Bürger können bis zum 21. September über ihr...

DWN
Panorama
Panorama Bahn, Solarstrom und Ganztag: Das ändert sich im August
01.08.2026

Mit dem Start in den August treten mehrere Neuerungen in Kraft, die Millionen Menschen in Deutschland betreffen. Ob auf der Schiene, im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft In europäischen Fabriken gehen die Lichter aus: Wer schließt sie, wer entlässt Mitarbeiter?
01.08.2026

VW, Bosch, BASF, Evonik, ThyssenKrupp, Michelin: In der Automobil-, Chemie- und Stahlindustrie reihen sich Werksschließungen, Entlassungen...