Politik

Familienministerin Paus stürzt Ampel in die nächste Krise

Im Bundeskabinett ist es zum Eklat gekommen. Das von der Wirtschaft dringendst erwartete Wachstumschancengesetz kann vorerst nicht im Kabinett verabschiedet werden. Trotz einer Absprache mit Vizekanzler Robert Habeck (Grüne) weigern sich die Grünen, dem Entwurf von Finanzminister Christian Lindner (FDP) zuzustimmen.
Autor
16.08.2023 19:33
Aktualisiert: 16.08.2023 19:33
Lesezeit: 2 min
Familienministerin Paus stürzt Ampel in die nächste Krise
Erneute Krise in der Koalition: Minister Lindner und Paus (Foto: dpa) Foto: Kay Nietfeld

Mit dem Wachstumschancengesetz soll die Wirtschaft um sechs Milliarden Euro entlastet und Investitionen angekurbelt werden. Dieses Gesetz wird seit langem von der Wirtschaft gefordert. Auch die mittelständische Industrie in Deutschland sehnte sich die Entlastung herbei und hat neben der Beseitigung bürokratischer Hürden eine Entlastung der Unternehmen dringend angemahnt. Nach langer Vorbereitung war fest vereinbart, dass die Ampel-Regierung nun das Gesetz auf den Weg bringen wollte.

Das Paus-Veto

Doch im allerletzten Moment legte Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) ein Veto ein. Dies hat zur Folge, dass das Gesetz nicht auf die Tagesordnung des Kabinetts gekommen war und folglich auch nicht darüber entschieden werden konnte. Hintergrund: Die Bundesfamilienministerin verlangt vom Bundesfinanzminister, dass die von ihr geforderte Kindergrundsicherung mit hinreichenden Mitteln ausgestattet werde. Lindner hatte bisher in seiner Finanzplanung nur zwei Milliarden Euro vorgesehen, Paus pocht auf sieben. Mit der neuen Kindergrundsicherung will Ministerin Paus verschiedene Leistungen wie Kindergeld und Kinderzuschlag bündeln und auch leichter zugänglich machen. Dies hätte zur Folge, dass es mehr Empfänger für diese Leistung gibt.

Empörung der FDP

Das Veto der Familienministerien wurde in ersten Stellungnahmen von den Grünen unterstützt. Und dass, obwohl es eigentlich mit dem Grünen-Vizekanzler Habeck vereinbart war, dass das Wachstumschancengesetz vom Kabinett auf den Weg gebracht werden sollte. Mit diesem Schritt haben die Grünen die Ampelkoalition erneut in eine schwere Krise gestürzt. Der Generalsekretär der FDP, Bijan Djir-Sarai, sagte zur Haltung der Grünen, dass er von ihnen dringend erwarte, dass sie sich darüber klar werden, was auf dem Spiel stehe: „Frau Paus nimmt die gesamte deutsche Wirtschaft in Geiselhaft, will Milliarden verteilen, sieht aber offensichtlich keine Veranlassung, sich am Erwirtschaften zu beteiligen.“ Der Vorsitzende der Jungen Gruppe in der FDP-Fraktion gab zu Protokoll: „Familienministerien Paus sind 20 Prozent für die Umfragen noch zu wenig.“ Und der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Schäffler wetterte: „Lisa Paus ist das personifizierte Standortrisiko. Die Grünen werden zum Fortschrittsblockierer.“

Kritik kam, wenig überraschend, auch von der Opposition. Die Vorsitzende der Mittelstandsunion der CDU, Gitta Connemann, bemerkte, die Ampel-Koalition sei „nicht regierungsfähig“. Es herrsche in den Reihen der Koalition nur „Streit, Streit, Streit – auf offener Bühne“.

Die Prioritäten der Ampel

Finanzminister Lindner, der das Gesetz auf einer Pressekonferenz vorstellen wollte, musste diese umgehend absagen. Mit dieser erneuten Belastungsprobe dürften aber alle in den Sommermonaten gemachten Versprechungen nach einer Verbesserung der Zusammenarbeit in der Koalition mit einem Schlag dahin sein. Zwar ist damit das Wachstumschancengesetz nicht vom Tisch. Es soll auf einer Kabinettsklausur in Meseberg Ende August nochmal besprochen werden. Bei dem Treffen soll es schwerpunktmäßig um die wirtschaftliche Situation Deutschlands gehen. Doch schon jetzt dürfte das koalitionsinterne Klima wieder sehr angespannt sein.

Dass die Ampel es auch anders könnte, wenn sie wollte, hatte sie an einem anderen Punkt bewiesen: Das Kabinett beschloss die Legalisierung von Haschisch zum Eigenbedarf. Künftig ist der Besitz von bis zu 25 Gramm der Droge straffrei.

Die Bundesregierung setzt also ihre Prioritäten…

DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Förderprogramm für Azubi-Vermittlung vor dem Aus – trotz offener Ausbildungsplätze
29.09.2026

Viele offene Lehrstellen, viele Jugendliche ohne Perspektive – und trotzdem soll ein bewährtes Förderprogramm für die Azubivermittlung...

DWN
Finanzen
Finanzen Geldvermögen: Haushalte so reich wie nie - Rekordsumme ungleich verteilt
29.09.2026

Das weltweite Geldvermögen erreicht laut Allianz ein Rekordhoch. Doch der Zuwachs kommt bei Milliarden Menschen nicht an. Die Unterschiede...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Funflation: Warum selbst der Spaß immer teurer wird
29.09.2026

Urlaub, Restaurant oder Hobby: Wer seine Freizeit genießen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Eine Analyse der Bank of America...

DWN
Politik
Politik Kippt der Länderfinanzausgleich? Union droht bei Linksregierung mit Geldentzug
29.09.2026

Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin könnte diese bald die Regierung anführen. Die CDU- und CSU-geführten Bundesländer drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Reicher Westen, armer Osten: Enorme Vermögensungleichheit verschärft sich 2025
29.09.2026

Am 36. Jahrestag der Wiedervereinigung herrschen enorme Unterschiede bei der Vermögensverteilung: Alleine im Jahr 2025 entfielen 95...

DWN
Politik
Politik Deutschland vergreist: Kinderwunsch sinkt – das sind die Folgen
29.09.2026

In Deutschland sinkt nicht nur kontinuierlich die Geburtenrate, sondern erstmals seit vielen Jahren sogar auch der Wunsch nach eigenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lateinamerika-Aktien: Das Comeback, das kaum jemand auf dem Radar hat
29.09.2026

Jahrelang mieden Anleger Lateinamerika, nun schlägt die Region sogar den S&P 500. Rohstoffe, Banken und überraschend niedrige Bewertungen...

DWN
Politik
Politik Personalie Jens Spahn: Doch kein Comeback im Haushaltausschuss
29.09.2026

Der Skandal um die Leihmutterschaft kostete Jens Spahn seinen Posten an der Spitze der CDU‑Fraktion. Im Haushaltsausschuss wollte er...