Politik

Buy Now Pay Later: Rasanter Anstieg beim Einkaufen auf Pump

Buy Now Pay Later, zu deutsch Jetzt kaufen später bezahlen ist beliebt wie nie zuvor. Der Trend ist riskant - vor allem jüngere Menschen lassen sich zu schnell locken.
05.09.2023 12:52
Aktualisiert: 05.09.2023 12:52
Lesezeit: 3 min

Heute kaufen, morgen bezahlen - aus Sicht vieler Verbraucher ein verlockendes Angebot, zumal die Finanzierung oft zum Nulltarif angepriesen wird. Die Zahl neu abgeschlossener Ratenkreditverträge in Deutschland sei im vergangenen Jahr «rasant» gestiegen, stellte die Auskunftei Schufa fest: Gut 9,1 Millionen Abschlüsse seien 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Großteil dieser Kredite wird vertragsgemäß zurückgezahlt. Allerdings drückt der allgemeine Preisanstieg aufs Budget vieler Menschen.

Der Trend bei den Ratenkrediten geht der Schufa zufolge zu Kleinkrediten unter 1000 Euro. Vier von zehn (42,6 Prozent) der Neuabschlüsse hierzulande lägen inzwischen in diesem Bereich. Im Schnitt leihen sich Verbraucher in solchen Fällen 356 Euro, ein Jahr zuvor waren es 398 Euro, wie aus dem am Dienstag veröffentlichten Schufa-«Risiko- und Kreditkompass» hervorgeht.

Gut 3,8 Millionen der 9,1 Millionen neuen Verträge im vergangenen Jahr waren demnach Kleinkredite unter 1000 Euro. Ein Jahr zuvor hatte die Auskunftei mit Sitz in Wiesbaden in dieser Kategorie etwas mehr als 2 Millionen neue Abschlüsse gezählt. Erstmals war nun der Anteil der Kleinstkredite größer als der Anteil der neu abgeschlossenen Kredite über Beträge von mehr als 10 000 Euro.

«Auch die Rückzahlung von vielen kleinen Krediten kann schnell zu finanzieller Überlastung führen», warnte Schufa-Vorstandsmitglied Ole Schröder. Überwiegend werden Ratenkredite zwar vertragsgemäß zurückgezahlt: Wie in den beiden Vorjahren haben Verbraucher der Schufa zufolge in 97,9 Prozent der Fälle ihre Verbindlichkeiten zuverlässig bedient.

Umfragen zeigten jedoch, dass wegen der allgemein gestiegenen Preise «bei vielen Menschen die finanziellen Rücklagen mittlerweile aufgebraucht» seien, führte Schröder aus. Lohnsteigerungen wurden lange Zeit von der zwischenzeitlich auf Rekordhöhe geschnellten Inflation aufgezehrt. Der Anteil derjenigen, bei denen Zahlungen zum Beispiel mehrfach angemahnt wurden, hat sich im Schufa-Datenbestand zum Vorjahr leicht von 4,7 auf 4,8 Prozent erhöht.

Vor allem jüngere Menschen nutzen nach Erkenntnissen der Schufa zunehmend die Möglichkeit, Einkäufe zum Beispiel im Online-Handel in Raten abzuzahlen. Die Zahl der zum 31. Dezember 2022 laufenden Kleinkredite unter 1000 Euro ist im Schufa-Datenbestand vor allem in den Altersgruppen von 20 bis 39 Jahren gestiegen. Hier lagen die Zuwächse zum Vorjahr bei mehr als 50 Prozent. Am größten war das Wachstum in der Gruppe der 20- bis 24-Jährigen mit 58,5 Prozent.

Verbraucherschützer mahnen zur Vorsicht: «Null-Prozent-Finanzierung bedeutet nicht automatisch, dass Sie die Ware selbst günstig erwerben - sie kann vielmehr deutlich teurer sein als bei anderen Anbietern», warnt etwa die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Die Stiftung Warentest weist zudem darauf hin, dass sich Ratenkredite durch Gebühren und Restschuldversicherungen zum Teil «heftig» verteuern.

Die Schufa schreibt: Wer im Internet shoppe, wolle schnell kaufen. Die dort angebotenen Finanzierungen erschienen aufgrund der geringen Beträge günstig. «Genau nachgerechnet wird hier kaum.»

Die seit dem vergangenen Sommer rasant gestiegenen Zinsen haben Ratenzahlungen zudem verteuert: Wer im August des laufenden Jahres über das Vergleichsportal Verivox einen Ratenkredit abgeschlossen hat, muss dafür im Mittel 7,35 Prozent Zinsen zahlen. Im August 2022 erhielten Kreditnehmer ihr Darlehen im Mittel noch zu einem Zinssatz von 4,75 Prozent - auf Jahressicht satte 55 Prozent Verteuerung.

Nach Einschätzung der auf Finanzierungen von Konsum- und Investitionsgütern spezialisierten Kreditbanken in Deutschland wird dennoch die Nachfrage nach Konsumentenkrediten in den nächsten Monaten anhalten. «Privatpersonen werden in den kommenden zwölf Monaten in vergleichbarem Maß Kredite zur Anschaffung von Konsumgütern nutzen wie in den vergangenen zwölf Monaten», prognostizierte der Bankenfachverband Anfang August.

Schon im vergangenen Jahr hatte die Nachfrage nach Konsumentenkrediten nach zwei Jahren Corona-Flaute wieder deutlich zugenommen. Die im Bankenfachverband organisierten Institute vergaben allein an Privatkunden neue Kredite im Gesamtwert von 56,6 Milliarden Euro und damit 7,3 Prozent mehr als 2021.

Der Geschäftsführer des Bankenfachverbandes, Jens Loa, argumentiert: Gerade jetzt, wo das Preisniveau allgemein gestiegen sei und Menschen sich bei Anschaffungen zurückhielten, seien «Finanzierungsangebote essenziell, um die Konjunktur anzukurbeln». Der Verband rechnet für die nächste Monaten mit einer konstanten Kreditnachfrage: zum Beispiel fürs neue Auto, die neue Küche oder einen neuen Fernseher. (dpa)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Lageroptimierung als Wettbewerbsfaktor im Mittelstand

In Zeiten steigenden Wettbewerbsdrucks, globaler Lieferketten und wachsender Kundenerwartungen wird die Effizienz interner Prozesse zu...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Straße von Hormus im Krisenmodus: Irans Drohungen setzen Ölpreis-Entwicklung unter Druck
04.03.2026

Die Drohungen der iranischen Revolutionsgarde erhöhen den Druck auf eine der wichtigsten Energierouten der Welt und treiben die Spannungen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lithium-Boom inmitten von Deutschland: Warum Mitteldeutschland zum Lithium-Produzenten werden könnte
04.03.2026

Lithium ist einer der wichtigsten und wertvollsten Rohstoffe für Zukunftstechnologien. Noch bezieht die EU das „weiße Gold“ teuer...

DWN
Politik
Politik Macron stößt EU-Debatte an: Frankreich drängt auf stärkere nukleare Abschreckung
04.03.2026

Frankreich stößt eine Debatte über eine europäische nukleare Abschreckung an und wirbt bei NATO-Staaten für ein erweitertes...

DWN
Politik
Politik Nachfolge und Machtkämpfe: Wer führt künftig den Iran?
04.03.2026

Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei muss das iranische Machtgefüge klären, wer ihm nachfolgt. Doch in Kriegszeiten wird auch die Wahl...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Noch mehr Bürokratie? EU-Kommission will „Made in Europe“ - Vorgabe für öffentliche Aufträge
04.03.2026

Die Europäische Union muss ihre CO2-Emissionen senken und will ihre Industrie erhalten. Ist die Lösung, europäisch zu kaufen? Kritik...

DWN
Finanzen
Finanzen Ernährungsindustrie warnt: Iran-Krieg könnte Lebensmittelpreise erhöhen
04.03.2026

Die Folgen des Iran-Kriegs sind für Verbraucher in Deutschland zu spüren - etwa beim Tanken. Ist mit weiteren Auswirkungen zu rechnen?

DWN
Politik
Politik Wirtschaftsministerin Reiche: keine Spritpreisbremse - Öl und Gas nicht knapp
04.03.2026

Der Iran-Krieg lässt Öl-, Benzin- und Gaspreise steigen - doch Energiemangel droht in Deutschland nach Angaben der Wirtschaftsministerin...

DWN
Finanzen
Finanzen Börsenturbulenzen: Wie Anleger klug reagieren – 5 konkrete Tipps für einen Börsencrash
04.03.2026

Sinkende Kurse, rote Zahlen im Depot und ständig neue Marktmeldungen: In unsicheren Börsenzeiten verlieren viele Anleger schnell die...