Politik

Türkei bestellt Atomkraftwerk in China

Die Türkei setzt verstärkt auf Atomkraft. Für den Bau der Werke hat das Land keine Berührungsängste nach Osten. Geht es Erdogan ums Klima oder um billige Energie?
Autor
15.09.2023 16:24
Aktualisiert: 15.09.2023 16:24
Lesezeit: 1 min
Türkei bestellt Atomkraftwerk in China
Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, will ein Atomkraftwerk von China bauen lassen. (Foto: dpa) Foto: Christoph Soeder

Die Türkei steht nach eigenen Angaben kurz vor einer Vereinbarung mit China über den Bau eines neuen Kernkraftwerks. Mit der Nutzung von Kernenergie zielt die türkische Regierung darauf ab, die Abhängigkeit des Landes von teuren Öl- und Gasimporten zu verringern. Die Kosten der türkischen Energieimporte beliefen sich im vergangenen Jahr auf knapp 80 Milliarden Dollar.

Laut Energieminister Alparslan Bayraktar könnten die Gespräche "in einigen Monaten" abgeschlossen werden, nachdem chinesische Beamte vor kurzem den wahrscheinlichen Standort des künftigen Kraftwerks in der Nähe der Grenzen zu Bulgarien und Griechenland besucht hatten. "Wir führen schon seit langem Gespräche mit einem chinesischen Unternehmen", sagte Bayraktar am Donnerstag auf einer Pressekonferenz.

China würde das dritte Kernkraftwerk der Türkei bauen. Ein Kernkraftwerk wird derzeit von Russland in Akkuyu an der Mittelmeerküste gebaut, während sich ein zweites in Sinop an der Schwarzmeerküste noch in der Planungsphase befindet. Am Bau des zweiten Kraftwerks seien sowohl der russische Staatskonzern Rosatom als auch südkoreanische Unternehmen interessiert, so Bayraktar.

Bayraktar zufolge besteht das Endziel darin, die Stromerzeugungskapazität der Kernenergie auf 20 Gigawatt zu erhöhen, was fast dem Vierfachen dessen entspricht, was das Akkuyu-Kraftwerk erzeugen kann, wenn es in ein paar Jahren voll in Betrieb ist. Um dieses Ziel zu erreichen, wird die Türkei wahrscheinlich eine zusätzliche Kapazität von 5 Gigawatt aus kleinen modularen Reaktoren (Small Modular Reactors, SMR) benötigen, so der Minister.

SMR erzeugen in der Regel hundert Megawatt oder etwas mehr. Damit sind sie nur etwa ein Zehntel so groß wie herkömmliche Reaktoren. "Wir möchten ein breiteres nukleares Ökosystem in der Türkei schaffen", sagte Energieminister Bayraktar am Donnerstag. "Wir brauchen die Kernenergie für eine erfolgreiche Energiewende bis 2050", zitiert ihn Bloomberg.

Die Türkei verfolgt das erklärte Ziel, bis zum Jahr 2053 netto keine Kohlenstoffemissionen mehr zu verursachen. Dazu will es sich von der Kohleenergie abwenden. Das Land verfügt über 68 kohlebefeuerte Kraftwerke, die nach Angaben des Energieministeriums im Jahr 2021 etwa ein Drittel des Strombedarfs des Landes lieferten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Technologie
Technologie USB-C wird Pflicht: EU zwingt Laptop-Hersteller zum neuen Standard
28.04.2026

Die EU schreibt USB-C ab heute als Pflichtanschluss für alle neuen Laptops vor und beendet damit eine jahrelange Übergangsphase. Für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Atomaktien im Aufwind: Energiekrise setzt US-Börsen unter Druck
28.04.2026

Die US-Börsen stehen trotz geopolitischer Spannungen auf hohem Bewertungsniveau, während Atomaktien durch neue Sorgen um die...

DWN
Politik
Politik Richard Moore sieht globale Risiken: Spannungen setzen Europa unter Druck
28.04.2026

Die Aussagen von Ex-MI6-Chef Richard Moore zeichnen ein ungewöhnlich offenes Bild der aktuellen Weltlage zwischen Ukrainekrieg,...

DWN
Politik
Politik Vereinigte Arabische Emirate verlassen Opec
28.04.2026

Die massiven Einnahmen aus dem Ölexport haben den Emiraten über Jahrzehnte Macht und Wohlstand verschafft. Nun kündigen sie den Austritt...

DWN
Panorama
Panorama Weniger Zuckerbrot, mehr Peitsche: Regierung plant Zuckerabgabe und höhere Steuern
28.04.2026

Die Bundesregierung greift zu neuen Einnahmequellen und plant eine Zuckerabgabe – während Ausgaben und Schulden steigen. Gleichzeitig...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aldi Süd baut mehr als 1.200 Stellen ab
28.04.2026

Aldi Süd treibt den Umbau voran und streicht 1.250 Stellen – vor allem in der IT. Der Einschnitt zeigt, wie hart selbst Discounter...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Thomas Schäfer vor Bewährungsprobe: Volkswagen Pkw kämpft mit Kostendruck
28.04.2026

Volkswagen Pkw steht vor einem tiefgreifenden Umbau, der Kosten, Elektromobilität und wachsenden Wettbewerbsdruck aus China zugleich...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Von SEO zu GEO: So werden KMU in KI-Antworten sichtbar
28.04.2026

265 Millionen Klicks weniger pro Monat: Google beantwortet immer mehr Suchanfragen direkt. Für viele Mittelständler bricht damit ein...