Unternehmen

Kleiner Lichtblick für deutsche Wirtschaft

Die deutsche Wirtschaft schrumpft weiter, aber nicht mehr so schnell, wie der Einkaufsmanagerindex für September zeigt. Dennoch ist kein Ende der Rezession in Sicht.
22.09.2023 10:51
Aktualisiert: 22.09.2023 10:51
Lesezeit: 1 min

Die deutsche Wirtschaft hat ihre Talfahrt im September überraschend deutlich gebremst. Der Einkaufsmanagerindex für die gesamte Privatwirtschaft - Industrie und Dienstleister zusammen - stieg im September um 1,6 auf 46,2 Punkte, wie der Finanzdienstleister S&P Global am Freitag zu seiner monatlichen Umfrage unter etwa 800 Unternehmen mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen Anstieg auf 44,8 Zähler vorhergesagt. Dennoch liegt das Barometer weiter deutlich unter der Schwelle von 50 Zählern, ab dem es Wachstum signalisiert.

Daher dürfte das Bruttoinlandsprodukt im zu Ende gehenden dritten Quartal schrumpfen, sagte Chefvolkswirt Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank (HCOB), die die Umfrage sponsert. Er rechnet sogar mit einem "markanten Einbruch" von einem Prozent zum Vorquartal. Ende 2022 und Anfang 2023 ist Europas größte Volkswirtschaft zwei Quartale in Folge geschrumpft, ehe sie im Frühjahr stagnierte. "Einige wichtige Teilindikatoren wie das Neugeschäft und die Auftragsbestände, die eine Talsohle zu erreichen scheinen, geben jedoch Anlass zur Hoffnung auf ein Ende des Abschwungs im neuen Jahr", sagte der HCOB-Chefvolkswirt.

Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie legte von 39,1 auf 39,8 Punkte zu. Allerdings wurde die Produktion so kräftig zurückgefahren wie seit Mai 2020 nicht mehr, als die Corona-Pandemie durchschlug. "Es ist kein Geheimnis, dass die deutsche Industrie in letzter Zeit in die Knie gegangen ist", sagte de la Rubia. Die Dienstleister lieferten einen Lichtblick: Hier legte das Barometer von 47,3 auf 49,8 Punkte zu und näherte sich damit der Wachstumsschwelle. "Das ist grundsätzlich eine angenehme Überraschung", sagte de la Rubia. "In Bezug auf das Wachstum bedeutet dies aber lediglich, dass die Aktivität nach dem Rückgang im August im Großen und Ganzen gleich geblieben ist."

Auch andere Ökonomen geben noch keine Entwarnung. "Rezessive Tendenzen dürften damit wohl ungeachtet des kleinen Lichtblicks aus Deutschland das gesamte zweite Halbjahr bestimmen", sagte LBBW-Ökonom Elmar Völker auch mit Blick auf die Euro-Zone insgesamt. "Die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB vor diesem Hintergrund ihre Zinsschraube gar nochmals anziehen könnte, ist vorerst sehr gering." (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Schwarz-Gruppe baut riesiges Rechenzentrum bei Rostock
27.08.2026

5,6 Milliarden Euro für Daten, Server und digitale Unabhängigkeit: Die Schwarz-Gruppe plant bei Rostock eines der größten Rechenzentren...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Depot vor dem Aus: Alle Verträge werden gekündigt
27.08.2026

Depot stellt den Geschäftsbetrieb ein und kündigt sämtliche Arbeits- und Mietverträge – doch die bekannte Deko-Marke soll...

DWN
Politik
Politik "Putins Krieg ist ein grandioses strategisches Scheitern", sagt der schwedische Ex-Ministerpräsident Carl Bildt
27.08.2026

Russland intensiviert seine Raketenangriffe, und die Ukraine bereitet sich auf einen fünften Kriegswinter vor. Russland scheitert – doch...

DWN
Finanzen
Finanzen Start Bundesliga: So viel TV-Geld bekommen die Fußball-Bundesligisten
27.08.2026

Bayern erhält mehr als 92 Millionen Euro aus den Medien-Einnahmen, Elversberg rund 31 Millionen: Die Bundesliga-Clubs starten mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Geisterflotten bedrohen die Autoriesen: „Sie können nicht mithalten“
27.08.2026

Die Welt wird mit chinesischen Elektroautos überschwemmt, und immer mehr davon bleiben unverkauft. Riesige Geisterflotten drohen nun,...

DWN
Finanzen
Finanzen Nvidia-Aktie fällt trotz starker Quartalszahlen – und dreht dann ins Plus: Die Gründe für die Achterbahnfahrt
26.08.2026

Nvidia hat die hohen Erwartungen der Wall Street erneut übertroffen. Dennoch geriet die Nvidia-Aktie nachbörslich unter Druck. Steigende...

DWN
Finanzen
Finanzen Salesforce-Aktie steigt: KI treibt Wachstum, Salesforce-Zahlen überzeugen die Investoren
26.08.2026

Künstliche Intelligenz entwickelt sich für Salesforce zunehmend zum Wachstumsmotor. Nach einem starken Quartal hebt der Softwarekonzern...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Konjunkturdaten versetzen Anleger wegen Zinserhöhung bis Jahresende in Alarmbereitschaft
26.08.2026

Zinsängste belasten die Märkte – doch spannende Entwicklungen bei Tech-Giganten und Einzelwerten sorgen für Überraschungen.