Immobilien

Wachstumsmarkt: Pflegeimmobilien im Fokus

Die Bevölkerung in Deutschland altert schon seit Jahrzehnten. Laut Experten waren im Jahr 2021 rund 24,4 Millionen Menschen 60 Jahre und älter - ein Zuwachs von 2,9 Millionen Personen in den letzten zehn Jahren. Auch in der Zukunft muss mit einem ähnlichen Trend gerechnet werden. Die Nachfrage nach Spezialimmobilien wie Pflegeheimen nimmt daher immer mehr zu.
16.10.2023 18:51
Aktualisiert: 16.10.2023 18:51
Lesezeit: 2 min
Wachstumsmarkt: Pflegeimmobilien im Fokus
Die Risiken, die mit Investitionen in Pflegeheimen verbunden sind, müssen genauso sorgfältig abgewogen werden wie bei anderen Anlageklassen. (Foto: istockphoto.com/hxdbzxy) Foto: hxdbzxy

Der Markt für sogenannte „Healthcare-Immobilien“ zieht seit einigen Jahren erhöhtes Interesse von Investoren und gewinnt immer mehr an Beliebtheit, in erster Linie der Markt für Senioren- und Pflegeimmobilien.

Einer der Hauptgründe: Die Bevölkerung in Deutschland altert seit Jahrzehnten. Laut Immobilien Dienstleistungs- und Investmentmanagement Firma JJL trägt nicht nur die verbesserte medizinische Versorgung der Menschen zu einem längeren Leben bei, sondern auch die geburtenstarke Generation der Baby-Boomer, die demnächst in den Ruhestand gehen wird. „Aufgrund dieser demografischen Dynamik steigt zunehmend auch die Nachfrage nach Spezialimmobilien wie zum Beispiel Pflegeheimen oder auch Einrichtungen des seniorengerechten und Betreuten Wohnens“, so die immobilienorientierte Firma.

Vor Kurzem wies der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther, darauf hin, dass die jetzt in Rente gehende Generation der Babyboomer sich auf einen wachsenden Mangel an altersgerechten Wohnungen einstellen müsse. Einer Studie des Forschungsinstituts im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel zeigte, dass schon heute in Deutschland 2,2 Millionen altersgerechte Wohnungen fehlten, und der Bedarf rasant wachse.

In den kommenden 20 Jahren werde die Altersgruppe „67 plus“ um 3,5 Millionen auf 21 Millionen Menschen wachsen. Der Wohnungsmarkt sei darauf nicht vorbereitet, hieß es in der Studie.

Wie viele extra Pflegeheime bis 2040 gebaut werden müssten

Laut JLL belief sich das Transaktionsvolumen für Healthcare-Immobilien (d.h. Senioren und Pflegeheime, Kliniken und Ärztehäuser) in den letzten zehn Jahren auf durchschnittlich 2,1 Milliarden Euro. „Die Transaktionsvolumina lagen in den letzten Jahren deutlich höher als zuvor, was überwiegend an der gestiegenen Nachfrage sowie der Institutionalisierung und Konsolidierung des Marktes liegt“, nach Angaben von JJL.

Die Firma fügte hinzu: „Geht man von einer zukünftig konstanten Pflegequote aus, wird sich die Zahl der Pflegebedürftigen von aktuell fünf Millionen bis zum Jahr 2040 auf 6,0 Millionen Menschen erhöhen. Um dieser Entwicklung gerecht zu werden, müssen bis zum Jahr 2040 mehr als 2.300 zusätzliche Pflegeheime sowie um die 230.000 Pflegeplätze gebaut werden".

Vor- und Nachteile eines Pflegeimmobilien-Investments

Laut dem Verbund Pflegehilfe sind Pflegeimmobilien Arten von Pflegeeinrichtungen, zum Beispiel Pflegeheime, Einrichtungen für betreutes Wohnen oder Service-Wohnen, Behindertenheime und Hospize. Dies Pflegeeinrichtungen können entweder staatlich oder privat geführt sein und Pflegeimmobilien sind, wie Mehrfamilienhäuser, in Teileigentum aufgeteilt.

„Pflegeimmobilien als Kapitalanlage bieten Vorteile: Anleger erhalten eine sichere Mietrendite, haben keinen verwaltungstypischen Aufwand und erhalten oft ein bevorzugtes Belegungsrecht“, so der Verbund. Auch unterstützte diese Art von Investition den dringenden Bau neuer Pflegeeinrichtungen. Trotzdem sollte eine Pflegeimmobilien-Investition, wie jede Kapitalanlage, extrem gut durchdacht und recherchiert sein. Risiken könnten, unter anderem, ein Mietausfall seitens des Betreibers sein, falls dieser in Konkurs geht und das gesamte Pflegeheim daher geschlossen werden muss.

Eine sorgfältige Recherche sowie eine Konsultation mit einem qualifizierten Finanzberater sind daher unerlässlich vor einer Entscheidung zu investieren.

Wo die Wachstumsmärkte sind

Healthcare-Immobilien gehören zu den sogenannten Sozialimmobilien, d.h. Immobilientypen, die sozialwirtschaftlichen Aktivitäten gewidmet sind. In Deutschland gibt es rund 16.100 Pflegeheime. Ein für die Pflegebranche wichtiger Wachstumsmarkt ist dabei unter anderem das Bundesland Nordrhein-Westfalen, wo sich ein Großteil der Pflegeheime (19,5 Prozent) befindet, gefolgt von Bayern (13,0 Prozent), Niedersachen (12,6 Prozent) und Baden Württemberg (12,5 Prozent).

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.
Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: S&P 500 steigt dank Tech-Gewinnen, obwohl die meisten Aktien an der Wall Street fallen
24.04.2026

Entdecken Sie, welche überraschenden Dynamiken die Märkte in dieser volatilen Phase antreiben und warum nicht alles so ist, wie es auf...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Viega: Wie ein Sauerländer Mittelständler den Weltmarkt für Pressverbindungstechnik dominiert
24.04.2026

Was niemand sieht, hält alles am Laufen. Ein Porträt über den Sauerländer Mittelständler Viega, der mit Pressverbindungstechnik...

DWN
Politik
Politik Bundestag beschließt Tankrabatt: Wie stark sinkt die Steuer?
24.04.2026

Ab 1. Mai sollen Benzin und Diesel günstiger werden - befristet für zwei Monate. Worum es geht und was es mit einer Prämie auf sich hat.

DWN
Panorama
Panorama Berliner Kultur-Beben: Senatorin Wedl-Wilson tritt nach Förder-Affäre zurück
24.04.2026

Nur fünf Monate vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus verliert Berlin seine Kultursenatorin. Sarah Wedl-Wilson zieht damit die Konsequenz aus...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 17: Die wichtigsten Analysen der Woche
24.04.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 17 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Boom-Branche Rüstung: Rheinmetall wird von Bewerbungswelle überrollt
24.04.2026

Vom umstrittenen Waffenbauer zum begehrten Top-Arbeitgeber: Der Düsseldorfer Konzern Rheinmetall erlebt einen beispiellosen Ansturm auf...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tesla-Aktie unter Druck: Warum KI-Investitionen das Kerngeschäft belasten
24.04.2026

Teslas Quartalszahlen fallen solide aus, doch die hohen Investitionen in KI, Robotik und autonomes Fahren verschärfen den Druck auf das...

DWN
Politik
Politik FCAS-Gipfel in Zypern: Merz und Macron verordnen neue Verhandlungsrunde
24.04.2026

Trotz festgefahrener Gespräche halten Deutschland und Frankreich am milliardenschweren Luftkampfsystem der Zukunft fest. Bei einem Treffen...