Unternehmen

Warum so viele Firmenübernahmen zum Scheitern verurteilt sind

Viele Firmenübernahmen scheitern, die eigentlich sachlich geboten und sinnvoll wären. Warum, weiß der Personalberater Dr. Eckart Eller. Im Interview mit den Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN) erklärt er, welche Fehler immer wieder gemacht werden – und wie sie sich vermeiden lassen.
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12.10.2023 14:04
Aktualisiert: 12.10.2023 14:04
Lesezeit: 3 min
Warum so viele Firmenübernahmen zum Scheitern verurteilt sind
Personal-Experte Eckart Eller erklärt, was es bei Firmenübernahmen zu beachten gilt. (Foto: iStock.com/wildpixel) Foto: wildpixel

Deutsche Wirtschaftsnachrichten: Was ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Firmenübernahme?

Eckart Eller: Ganz klar Kommunikation. Intern wie extern. Und – gleich am Anfang – eine umfangreiche Due Diligence der Mitarbeiter. Und der Kulturen.

DWN: Was heißt das genau?

Eller: Am Anfang einer Übernahme steht ja immer eine wirtschaftliche Due Diligence. Das heißt, die Fachleute der übernehmenden Firma schauen sich die Zahlen der Zielfirma genau an. Was aber oft genug dabei auf der Strecke bleibt, ist eine Due Diligence der Kulturen und der Mitarbeiter. Damit meine ich, dass jedes gewachsene Unternehmen eine eigene Kultur im Umgang mit seinen Mitarbeitern hat. Manche Firmen setzten auf Konsens, auf ein Mitnehmen der Mitarbeiter, andere weniger. Die Unterschiede in den Kulturen zu ignorieren, ist aber einer der größten Fehler, den man bei einer Übernahme machen kann. Der zweite ganz wesentliche Punkt ist die Due Diligence der Mitarbeiter selbst. Das heißt, die übernehmende Firma muss genau wissen, welche Mitarbeiter die Zielfirma hat, welche Fähigkeiten sie mitbringen und in welcher Organisationsstruktur diese arbeiten. Bin ich darüber nicht genau informiert, wird die Neuausrichtung des Unternehmens mit großer Wahrscheinlichkeit misslingen. Wer nur auf die Zahlen schaut, wird scheitern.

DWN: Wie lässt sich das vermeiden?

Eller: Indem von Anfang an also schon in der allerersten Phase der Vorbereitung einer Übernahme, die Personalabteilung zu hundert Prozent eingebunden ist. Es ist meist so, dass die Buchhaltungen, Rechtsabteilungen und das Marketing beider Firmen von Anbeginn eingebunden sind und sich austauschen, die Personalabteilungen aber nicht. Am Ende ist dann oft genug die Übernahme beschlossen und verkündet – und die Personalabteilungen dürfen dann im Nachhinein zusehen, was sie daraus machen. Es liegt auf der Hand, dass das nicht der richtige Weg sein kann.

DWN: Warum ist die Kommunikation so wichtig.

Eller: Kommunikation ist nicht nur wichtig, sie ist entscheidend. Und zwar die externe wie auch die interne Kommunikation. Dabei gibt es zwei Zielgruppen, an die es zu kommunizieren gilt: Extern sind es die Kunden. Vor allem der Kundenstamm der Zielfirma hat eine Menge Fragen: Habe ich noch den richtigen Ansprechpartner? Bekomme ich weiterhin die Produkte und Dienstleistungen? All diese Fragen müssen von Anfang an überzeugend beantwortet werden. Das zweite ist dann die interne Kommunikation – nämlich die Kommunikation an die Mitarbeiter. Auch die ist extrem wichtig.

DWN: Warum?

Eller: Nun ist es so, dass Übernahmen oft Sieger und Verlierer produzieren. Jedenfalls haben natürlich allzu oft die Mitarbeiter der Zielfirma das Gefühl, zu den Verlierern zu gehören. Und allzu oft breitet sich bei dem Personal des übernehmenden Unternehmens eine Art Siegermentalität aus. Die Folge ist dann oft genug, dass die Leistungsträger der Zielfirma diese verlassen, während der nicht mehr oder kaum noch zu vermittelnde Rest bleibt – und das auch noch mit großem Misstrauen gegenüber dem neuen Eigentümer.

DWN: Und wie lässt sich das vermeiden?

Eller: Eben durch Due Dilligence und Kommunikation. Also: frühzeitig die Leistungsträger in der Zielfirma identifizieren und mit Ihnen reden, sie einbinden, wann immer es möglich ist. Gleichzeitig aber sehr wachsam sein und von Anfang klar machen, dass eine Siegermentalität bei dem Personal des übernehmenden Unternehmens völlig fehl am Platze ist. Es darf nach der Übernahme einer Firma keine Mitarbeiter zweiter Klasse geben. Sehr wichtig ist auch, dass möglichst früh gemeinsame Ziele und Projekte definiert sind, so dass die Teams der beiden Firmen daran arbeiten können. Wenn möglich sollte auch – wenn es irgendwie Sinn ergibt - die übernehmende Firma den Inhaber oder Geschäftsführer des übernommenen Unternehmens einbinden und das auch nach außen hin deutlich machen.

DWN: Welchen Sinn hat das?

Eller: Natürlich gilt das in aller Regel nur bei freundlichen Übernahmen, aber ein solcher Schritt gibt viele, wichtige Signale nach außen und nach innen. Es zeigt, dass die alten Mitarbeiter und Kunden dem neuen Eigentümer wichtig sind. Es sendet das Signal der Wertschätzung und der Kontinuität. Zudem kennt der alte Chef in aller Regel sein Unternehmen noch am besten. Und dies ist eine Voraussetzung, dass Prozesse in der neuen Firma möglichst schnell gemeinsam aufgesetzt werden.

Dr. Eckart Eller ist Gründer der in München ansässigen EL-NET GmbH. Das Unternehmen ist einer der führenden Personalberatungsunternehmen in Deutschland.

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