Politik

Österreichs Ex-Kanzler Kurz wegen Falschaussage vor Gericht

Sebastian Kurz holt die Ibiza-Affäre nun auch juristisch ein. Ab Mittwoch steht der Ex-Kanzler vor Gericht. Bei Verurteilung droht ihm eine Haftstrafe.
16.10.2023 11:35
Aktualisiert: 16.10.2023 11:35
Lesezeit: 2 min
Österreichs Ex-Kanzler Kurz wegen Falschaussage vor Gericht
Sebastian Kurz zog sich vor knapp zwei Jahren aus der Politik zurück. (Foto: dpa) Foto: Herbert Neubauer

Der ehemalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz muss sich ab Mittwoch wegen des Verdachts der Falschaussage vor Gericht verantworten. Dabei geht es um Erklärungen in einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Juni 2020 rund um die sogenannte Ibiza-Affäre. Bei einer Verurteilung drohen dem früheren Chef der konservativen Volkspartei ÖVP bis zu drei Jahre Haft. Kurz wies die Vorwürfe stets zurück.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft Kurz vor, im Zusammenhang mit der Besetzung des Vorstandes der staatlichen Beteiligungsholding ÖBAG wissentlich falsch ausgesagt zu haben. Kurz erklärte damals im U-Ausschuss, dass er über die Postenbesetzung von ÖBAG-Chef Thomas Schmid informiert gewesen, aber in die Vorgänge nicht involviert gewesen sei. Laut WKStA stimmt das aber nicht. Belastet wird Kurz durch sichergestellte Chatnachrichten mit Schmid, der sich der WKStA als Kronzeuge zur Verfügung stellt. Die ÖBAG hält Anteile an großen Unternehmen des Landes, darunter der Öl- und Gaskonzern OMV, der Stromkonzern Verbund und die Telekom Austria. Formell zuständig für die Postenbesetzung war der damalige Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP).

Der tiefe Fall des „Ausnahmetalents“

Der 37-jährige Kurz galt als politisches Ausnahmetalent und war bis 2017 Außenminister und ab Ende desselben Jahres Kanzler. Neben seinem scharfen Asylkurs sorgte er international auch wegen der Regierungszusammenarbeit mit der rechtspopulistischen FPÖ für Aufsehen. Als im Frühjahr 2021 die Ermittlungen gegen Kurz begonnen haben, war er noch Kanzler. Ein halbes Jahr später trat er wegen weiterer Vorwürfe wegen des Verdachts der Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit zurück. Dabei geht es um den Verdacht, ÖVP-geführte Ministerien hätten sich mit Inseraten wohlwollende Berichterstattung gekauft. Wann dieser Prozess starten wird, ist noch unklar.

Für den Prozess, der auf großes Medieninteresse im In- und Ausland stößt, wurden vorerst drei Termine bis zum 23. Oktober am Straflandesgericht in Wien festgelegt. Da die WKStA in ihrem über 100 Seiten langen Strafantrag die Befragung von zahlreichen Zeugen beantragt hat, ist davon auszugehen, dass das Verfahren bis in den November dauern wird.

Kurz selbst schrieb nach Bekanntwerden der Anklage auf der Plattform X: „Die Vorwürfe sind falsch und wir freuen uns darauf, wenn nun endlich die Wahrheit ans Licht kommt und sich die Anschuldigungen vor Gericht als haltlos herausstellen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäische Banken und Stromnetze sind interessant, zehn Prozent des Portfolios in Gold
20.09.2026

Der Glaube an künftige Gewinne besiegt offenbar noch die Angst vor teurerem Geld.

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Hochrechnungen knapp vor SPD
20.09.2026

Zwei Landtagswahlen, ein bitterer Abend für die CDU: In Mecklenburg-Vorpommern droht der historische Verlust des Parlamentseinzugs, in...

DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten im Alter: Was Senioren wirklich im Job hält
20.09.2026

Ältere Beschäftigte werden auf dem Arbeitsmarkt plötzlich dringend gebraucht. Doch wer Senioren länger im Job halten will, kommt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arktis-Korridor: Wird Russlands Nordroute zur Gefahr für europäische Häfen?
20.09.2026

Der Chef von Rosatom sagt: Russland müsste etwa 100 Milliarden Euro investieren, wenn es die Arktisroute in einen echten Logistikkorridor...

DWN
Politik
Politik Merz unter Druck: Öffnet sich für Söder das Kanzleramt?
20.09.2026

Markus Söder hat Kanzlerambitionen mehrfach ausgeschlossen. Doch nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt und wachsendem Druck auf Friedrich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiskrieg in der Autoindustrie: Warum Rabatte die Zukunft gefährden
20.09.2026

Europas Autobauer liefern sich einen Preiskampf ausgerechnet in einer Phase, in der sie Milliarden für ihre technologische Zukunft...