Finanzen

Inflation gezähmt? Märkte erwarten wieder fallende Zinsen

Die Inflation in den USA ist überraschend niedrig ausgefallen. Die Fed scheint ihr Ziel bald zu erreichen. Händler an den Terminmärkten wetten bereits wieder auf Zinssenkungen.
14.11.2023 16:34
Lesezeit: 2 min
Inflation gezähmt? Märkte erwarten wieder fallende Zinsen
Wird Fed-Chef Jerome Powell die Zinsen schon bald wieder senken? (Foto: dpa) Foto: Mark Schiefelbein

Der Inflationsdruck in den USA hat im Oktober spürbar nachgelassen und so Zinserhöhungsängste an den Finanzmärkten verscheucht. Die Teuerungsrate sank auf 3,2 Prozent, nach 3,7 Prozent im September, wie das Arbeitsministerium am Dienstag in Washington mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang auf 3,3 Prozent auf dem Zettel.

Für die US-Notenbank Federal Reserve sind die Verbraucherpreise eine wichtige Orientierungsmarke beim Abstecken ihres Zinskurses. Sie will die Teuerungsrate auf die Zielmarke von zwei Prozent drücken und hielt nach einer Erhöhungsserie die Zinsen zuletzt auf zwei Sitzungen in Folge in der Spanne von 5,25 bis 5,50 Prozent stabil. An den Terminmärkten wird die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Erhöhung mit knapp zehn Prozent nunmehr sehr gering eingeschätzt. Zudem wird erwartet, dass es ab Mai zu Zinssenkungen kommen dürfte.

"Die Entwicklungen gehen aus Sicht der US-Notenbank wohl in die richtige Richtung", sagte Helaba-Ökonom Ulrich Wortberg. Doch könne noch keine Entwarnung gegeben werden, da das Inflationsziel der Fed noch nicht erreicht sei. Besonderes Augenmerk legen die Währungshüter auch auf die sogenannte Kerninflation, bei der die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel außen vor bleiben. Diese Rate gab im Oktober überraschend nach - und zwar auf 4,0 Prozent. Experten hatten erwartet, dass sie sich auf dem September-Wert von 4,1 Prozent einpegeln würde.

Auch wenn die Notenbank zuletzt pausierte, hat sie sich die Option einer weiteren Zinserhöhung offen gelassen. Fed-Chef Jerome Powell signalisierte allerdings auch, dass die Zentralbank nach ihrer aggressiven Erhöhungsserie nun vorsichtiger agieren könne. "Die heutigen Inflationszahlen nehmen weiteren Druck von der Fed, besonders der Umstand, dass sich die leichte Beschleunigung der Kernteuerung, die im August und September zu beobachten war, nicht fortgesetzt hat", so die Analyse der Commerzbank-Ökonomen Christoph Balz und Bernd Weidensteiner.

WALL STREET IN KAUFLAUNE

Laut LBBW-Ökonom Dirk Chlench fällt bei genauerer Analyse der frischen Zahlen ins Auge, dass sich die Inflationsrate nach Herausrechnung der Komponente Wohnen auf lediglich 1,5 Prozent beläuft: "Dies veranschaulicht, dass die Kosten für das Wohnen der letzte verbliebene Preistreiber sind." Da der Rückgang der Hauspreise sowie die Stagnation der Angebotsmieten erwarten lasse, dass der Preisauftrieb für das Wohnen nachlassen sollte, könne die Inflationsrate binnen zwölf Monaten auf 2,0 Prozent sinken. Dies wäre dann eine Punktlandung für die Fed.

Der überraschend starke Rückgang der Inflation versetzte die Anleger an der Wall Street in Kauflaune. "Diese Zahlen weisen darauf hin, dass die Fed geldpolitisch nichts mehr zu tun hat", sagte Thomas Hayes von der Private-Equity-Firma Great Hill Capital. Die Notenbanker hätten ihr Ziel erreicht - eine abflauende Inflation und ein sich abkühlender Arbeitsmarkt, ohne dass die Wirtschaft allzu sehr schwächele. (Reuters)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Inflation und Konsumzurückhaltung: Wie Deal-Plattformen die Kaufkraft der Verbraucher stärken

Angesichts einer persistenten Inflation und steigender Lebenshaltungskosten sehen sich private Haushalte in Deutschland einem erheblichen...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street schließt nach Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon im Plus
16.04.2026

Internationale Entwicklungen bringen frischen Wind an die Börse – worauf Anleger jetzt achten müssen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Pilotengehalt bei Lufthansa: So viel verdienen Piloten 2026 wirklich
16.04.2026

Die anhaltenden Streiks bei der Lufthansa rücken die Vergütungsstrukturen der Piloten erneut in den Mittelpunkt. Wie hoch sind die...

DWN
Panorama
Panorama Geld zurück aus illegalem Online-Glücksspiel?
16.04.2026

Der Europäische Gerichtshof bringt Bewegung in Millionenklagen rund um Online-Glücksspiel ohne deutsche Lizenz. Spieler hoffen plötzlich...

DWN
Politik
Politik Ungarn vor Kehrtwende: Debatte um EU-Kredit für die Ukraine nimmt Fahrt auf
16.04.2026

Nach dem politischen Umbruch in Ungarn rücken die EU-Finanzhilfen für die Ukraine wieder in den Fokus. Wird Budapest seine Blockade...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industriestrompreis: EU gibt Milliarden frei
16.04.2026

Die EU-Kommission öffnet den Weg für einen subventionierten Industriestrompreis in Deutschland. Milliardenhilfen sollen die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bosch kämpft mit Kostenexplosion: Gewinne brechen dramatisch ein
16.04.2026

Bosch steckt in der Krise – und schreibt erstmals seit Jahren rote Zahlen. Vor allem die enormen Kosten für den Stellenabbau belasten...

DWN
Panorama
Panorama Arag-Analyse: Konflikte bei Arbeit und Wohnen nehmen zu
16.04.2026

Steigende Kosten treiben immer mehr Menschen vor Gericht – selbst bei kleinen Beträgen. Eine neue Analyse zeigt, wie stark Konflikte um...

DWN
Technologie
Technologie AEO: Wie KI-Suchmaschinen Google den Rang ablaufen
16.04.2026

Die klassische Google-Suche verliert an Macht, während KI-Systeme Antworten direkt liefern. Unternehmen kämpfen nicht mehr um Rankings,...