Finanzen

Festgeld oder Tagesgeld – Jetzt die hohen Zinsen einloggen oder doch lieber flexibel bleiben?

Angebote für Festgeld und Tagesgeld werden mit Zinsen oberhalb der vier Prozent immer attraktiver und schlagen inzwischen sogar wieder die Inflation. Doch ist es jetzt an der Zeit, die hohen Zinsen via Festgeld einzuloggen? Oder lohnt es sich doch lieber flexibel bei seiner Geldanlage zum Beispiel durch ein Tagesgeld zu bleiben?
24.11.2023 13:40
Aktualisiert: 24.11.2023 13:40
Lesezeit: 3 min
Festgeld oder Tagesgeld – Jetzt die hohen Zinsen einloggen oder doch lieber flexibel bleiben?
Einige Banken bieten sowohl auf das Tages- als auch das Festgeld attraktive Verzinsungen. (Foto: istockphoto.com/Andreas Balg) Foto: Andreas Balg

Durch die starken Zinsanhebungen der Europäischen Zentralbanken sind die Zinsen im Rekordtempo über die Marke von vier Prozent gestiegen. Einige Banken sind nun nachgezogen und bieten sowohl auf das Tages- als auch das Festgeld attraktive Verzinsungen. Allerdings stellt sich berechtigterweise die Frage: Welches Angebot lohnt sich jetzt mehr?

Welche Zinsangebote gibt es eigentlich?

Grundsätzlich sollten dabei zunächst die Unterschiede zwischen den beiden Angeboten klar sein:

Eröffnen Sie ein Tagesgeld-Konto, dann haben Sie regelmäßigen Zugang zu Ihrem Geld ohne Nachteile jeglicher Art. Die meisten Banken lockten hier zuletzt vor allem Neukunden mit hohen Zinsen von vier Prozent oder mehr – allerdings gibt es dabei einen Haken: Meist handelt es sich dabei nur um Aktionen und die Zinsen sind nur für einen bestimmten Zeitraum so hoch. Aktuelle Beispiele sind etwa die Angebote von Comdirect und Consorsbank, die 3,75 Prozent bzw. 4,00 Prozent bieten. Nach Ablauf des Aktionszeitraums fällt die Verzinsung dann größtenteils deutlich und Sparer müssen sich entweder mit den veränderten Konditionen begnügen oder ein neues Konto bei einem anderen Anbieter eröffnen. Zudem negativ kommt hinzu, dass bei fallenden Zinsen auch die Tagesgeld-Angebote relativ schnell nach unten angepasst werden. So erhielten Sparer in den Jahren der Nullzinspolitik teilweise keinen einzigen Cent auf ihre Geldreserven, die schrittweise von der Inflation gefressen wurde.

Mit einem Festgeld-Konto ist dagegen ein Zinsänderungsrisiko nicht vorhanden, denn hier lässt man sich seinen Zins für mehrere Jahre festschreiben. So gibt es etwa aktuell ein Angebot der Deutschen Pfandbriefbank über 4,25 Prozent pro Jahr für insgesamt zehn Jahre. Doch dabei wird schon der große Nachteil des Festgeldes deutlich: Wer sich über mehrere Jahre oder Monate mit einem solchen Produkt festlegt, der hat keinen Zugang zu seinem Geld oder muss hohe Gebühren zahlen, um dies vor Ende der Laufzeit wiederzusehen.

Doch welches Angebot lohnt sich jetzt mehr? Sollten Sparer besser flexibel bleiben oder sich die hohen Zinsen über Inflationsniveau einloggen?

Jetzt die hohen Zinsen einloggen oder doch lieber flexibel bleiben?

Grundsätzlich gilt bei dieser Frage wie bei jeder, wenn es um Geldanlage geht: Es kommt auf die persönlichen Präferenzen des Anlegers an. Denn, wenn Sie etwa Geld eines Tages kurzfristig benötigen, dann empfiehlt sich ein Tagesgeld oder ein Festgeld mit sehr kurzer Laufzeit. Sind Sie hingegen nicht auf das Geld angewiesen oder haben bereits jetzt planbare Zahlungen in einigen Jahren, dann kann eine langfristige Anlage durch ein Festgeld Sinn ergeben.

Während am Tagesgeld für kurzfristig abrufbare liquide Mittel kein Weg vorbeiführt, müssen sich Sparer bei langfristigem Festlegen auf ein Festgeld aber fragen, ob es nicht bessere Alternativen in der Geldanlage gibt. Zumindest folgende Alternativen sollten Sie einmal erwägen:

Welche Alternativen gibt es zu Festgeld und Tagesgeld?

Kündigungsgeld (Festgeld-Alternative):

Eine erste Option wäre statt eines Festgeldes ein Kündigungsgeld zu eröffnen. Dies ist ebenfalls ein Bankprodukt, bei dem sie Kapital gegen Zins bei einem Geldhaus parken und anschließend keinen Zugang mehr dazu haben. Der wesentliche Unterschied zum Festgeld besteht allerdings darin, dass dieses keine feste Laufzeit, sondern lediglich eine Kündigungsfrist hat. Sollten Sie also eine Kündigung des Produktes einreichen, erhalten Sie ohne Mehrkosten nach Ablauf der Frist ihr Geld inklusive der bis dahin aufgelaufenen Zinsen. So haben Sie deutlich mehr Flexibilität und müssen sich um Laufzeiten wenig Gedanken machen.

Anlage in Aktien oder Immobilien (Festgeld-Alternative):

Sollten Sie aber eine Anlage auf dem Festgeld für mehrere Jahre erwägen, weil Sie beispielsweise nicht auf das Kapital angewiesen sind oder langfristigen Vermögensaufbau betreiben wollen, dann könnte es eventuell bessere Alternativen geben. So rentieren die aktuell besten langfristigen Festgelder bei 4,25 Prozent, während Aktien und Immobilien langfristig eine Rendite von 7,0 bis 8,0 Prozent pro Jahr eingebracht haben. Allerdings müssen Sie dafür einige Volatilität in Kauf nehmen, denn anders als Fest- und Tagesgeld schwanken diese Anlagen täglich.

Aber es gibt auch eine spannende Alternative zum Tagesgeld für all diejenigen, die nicht ständig von Anbieter zu Anbieter wechseln wollen oder die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 Euro überschreiten:

Geldmarktfonds (Tagesgeld-Alternative):

Denn mithilfe von Geldmarktfonds können sich Anleger ebenfalls sicher und unkompliziert hohe Zinsen am Kapitalmarkt sichern. Dabei handelt es sich um börsengehandelte Fonds, die kurzlaufende Staatsanleihen des Bundes halten, die somit nicht mehr von Zinsänderungen betroffen sind. Eine Einlagensicherung gibt es zwar hier nicht, doch da der Schuldner die Bundesrepublik ist, sind diese Anlagen ähnlich sicher wie Bankguthaben.

Fazit: Flexibel oder fest – Es kommt auf Sie an

Unter dem Strich ist also klar: Es ist keinesfalls eindeutig, ob sich flexibel zu halten oder die Zinsen langfristig einzuloggen die bessere Option ist, da das primär auf die persönlichen Präferenzen ankommt. Sicher ist allerdings, dass für Notgroschen etc. ein Tagesgeldkonto unerlässlich bleibt, um sein Geld auch attraktiv zu verzinsen, während sich ein Festgeld nicht zwangsläufig für jeden lohnen muss. Außerdem sollten Anleger gewarnt sein, nicht zu sehr auf die Erträge von Fest- und Tagesgeld zu bauen, denn sollten die Zinsen wieder sinken, sinkt auch die Attraktivität dieser Produkte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Das anstehende Wirtschaftsereignis Fußball-WM 2026 & warum Daten, Prognose sowie Online-Portale einen eigenen Digitalmarkt bilden

Die WM ist in diesem Jahr nicht bloß ein bedeutendes Ereignis auf sportlicher Basis, denn sie wird zum Härtetest für Datenökonomie,...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorge: Wie Pensionsfonds funktionieren und warum Zeit ein Schlüsselfaktor ist
14.05.2026

Die zusätzliche Altersvorsorge gewinnt an Gewicht, da die gesetzliche Rente für viele Menschen den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ferrari Luce: Warum der Elektro-Ferrari alles verändern könnte
14.05.2026

Ferrari wagt den radikalsten Schritt seiner Geschichte und ersetzt ikonische Motoren durch Strom. Der neue Ferrari Luce soll nicht nur...

DWN
Finanzen
Finanzen eBay-Deal sorgt für Zweifel: Warum Michael Burry seine GameStop-Aktien verkauft hat
14.05.2026

Michael Burry zieht bei der GameStop-Aktie die Reißleine, während Ryan Cohen mit eBay den bislang kühnsten Umbau des Konzerns anstrebt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Lebenslauf verliert an Bedeutung: Warum sich der Bewerbungsprozess verändert
14.05.2026

Der Lebenslauf gilt für viele Arbeitgeber weiterhin als zentrales Instrument im Bewerbungsprozess und prägt maßgeblich die Auswahl von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Produktivität durch KI: Nobelpreisträger Philippe Aghion warnt vor Risiken für den Arbeitsmarkt
14.05.2026

Die KI-Revolution verspricht mehr Produktivität, stellt die EU-Arbeitsmärkte aber gleichzeitig vor eine politische Bewährungsprobe. Kann...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Inflationssorgen spalten die Wall Street
13.05.2026

Während eine überraschende Wirtschaftsentwicklung für Nervosität sorgt, richten Anleger ihre Blicke auf neue Chancen – ein Balanceakt...

DWN
Politik
Politik Versorgungssicherheit im Fokus: Kabinett beschließt Bau neuer Gaskraftwerke
13.05.2026

Um die Stabilität des deutschen Stromnetzes langfristig zu garantieren, hat die Bundesregierung den Weg für eine neue Generation von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Sondersteuer für Energiegewinne: Wie die EU-Pläne Europas Energiesektor belasten
13.05.2026

Eine neue Sondersteuer für den Energiesektor könnte die Debatte über hohe Energiepreise in der EU erneut verschärfen. Welche Folgen...