Politik

Fachkräftemangel im IT-Sektor erreicht Höchststand

Noch nie wurden in der deutschen Wirtschaft so viele IT-Fachkräfte gesucht wie in diesem Jahr.
13.12.2023 12:39
Aktualisiert: 13.12.2023 12:39
Lesezeit: 2 min
Fachkräftemangel im IT-Sektor erreicht Höchststand
Robert Habeck und Johnny Haeusler (l), Gründer der republica, bei einem Gespräch zum Thema «Angebot und Nachfrage»“ während der Digital-Konferenz «Republica». (Foto: dpa) Foto: Carsten Koall

Noch nie wurden in der deutschen Wirtschaft so viele IT-Fachkräfte gesucht wie in diesem Jahr. Nach Angaben des Digitalverbands Bitkom stieg die Zahl der offenen Stellen auf ein neues Rekordhoch von 149 000. Der Mangel an IT-Fachkräften bestehe in Deutschland unabhängig vom Konjunkturverlauf und sei "ein systemisches Problem der deutschen Wirtschaft", sagte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst zur Vorlage der jährlichen Arbeitsmarkt-Studie des Bitkom. "Zu wenig Fachkräfte und zu viel Regulierung bremsen das digitale Deutschland", meinte Wintergerst.

Bei einer Umfrage, bei der die Verantwortlichen von 854 Unternehmen ab drei Beschäftigten in Deutschland telefonisch interviewt wurden, sagten nur noch zwei Prozent, das Angebot an IT-Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt sei ausreichend. Vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei acht Prozent. Zugleich sprachen 70 Prozent von einem Mangel an IT-Fachkräften.

Nach Angaben der Studie, die für die deutsche Gesamtwirtschaft repräsentativ ist, gehen die Firmen mit großer Mehrheit auch nicht davon aus, dass sich die Lage verbessern wird. Lediglich drei Prozent erwarten, dass der Mangel abnehmen wird (2022: 2 Prozent). Eine große Mehrheit dagegen sieht schwarz: 77 Prozent befürchten, dass noch mehr Stellen nicht besetzt werden können (2022: 70 Prozent).

Die Probleme auf dem Arbeitsmarkt sind inzwischen in vielen Firmen konkret spürbar. Sechs von zehn Unternehmen (60 Prozent) berichten davon, dass sich in ihren Betrieben die Stellen für IT-Fachkräfte langsamer besetzen lassen als andere Jobs: Im Schnitt bleiben freie Positionen 7,7 Monate unbesetzt. Vor einem Jahr waren es noch 7,1 Monate.

Die IT-Fachkräfte, die dann in den Unternehmen landen, sind sehr unterschiedlich qualifiziert. Fast die Hälfte (44 Prozent) hat eine duale Ausbildung im Betrieb und an der Hochschule absolviert. 16 Prozent kommen aus einem klassischen Studiengang von der Uni, dazu kommen noch mal so viele Fachkräfte, die das Studium abgebrochen haben (17 Prozent). Immer wichtiger wird die Gruppe der Quereinsteiger. Sie besetzten fast jede vierte Stelle (23 Prozent).

Bei der Zahl der Studierenden der Fächergruppe Informatik wurde ein leichter Abwärtstrend seit 2019 gestoppt. Der Bitkom verwies dabei auf Zahlen von Destatis, wonach 2022 an deutschen Hochschulen 72 389 Studienanfängerinnen und -anfänger registriert worden. Im gleichen Jahr stieg die Zahl der Abschlüsse um gut sieben Prozent auf 34 385.

Große Hoffnung hatten die Unternehmen mit dem 2020 eingeführten Fachkräfteeinwanderungsgesetz verbunden, das den Zuzug von ausländischen Fachkräften erleichtern sollte. Für jede fünfte Firma ist das ein Thema: Acht Prozent haben versucht, gezielt IT-Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren. 14 Prozent sagen, dass sie vorhaben, dies zu tun. Bei der Frage nach möglichen Hindernissen beklagen sich drei Viertel der Unternehmen über mangelnde Information und 67 Prozent über den mit der Anwerbung verbundenen bürokratischen Aufwand. Auch die angeworbenen Fachkräfte berichten über bürokratische Hürden (80 Prozent). Außerdem sagen 62 Prozent, dass Rassismus eine Problem darstelle.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Immobilien
Immobilien Nach Fehlstart: „Jung kauft Alt“ wird massiv aufgestockt – lohnt sich die Eigenheimförderung?
14.10.2026

Bis zu 40.000 Euro mehr Kredit, Zinsen weit unter Marktniveau und lockerere Sanierungsvorgaben: Nach schwachem Start bessert der Bund bei...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mazda CX-5 im Test: Evolution statt Revolution
14.10.2026

Mazda erfindet den CX-5 nicht neu, sondern entwickelt ihn gezielt weiter. Die dritte Generation bietet mehr Platz, bessere...

DWN
Politik
Politik Wie gewinnt man den nächsten Krieg? Ex-US-Verteidigungsminister Austin erläutert in Warschau die NATO-Strategie
14.10.2026

Der pensionierte General Lloyd Austin, der unter Präsident Joe Biden US-Verteidigungsminister war, hat beim Warsaw Security Forum die...

DWN
Politik
Politik Regierungsbildung liegt auf Eis: Schwerdtner bedauert Gesprächspause in Berlin
14.10.2026

Die Gespräche über eine rot-grün-rote Regierung in Berlin liegen auf Eis. Linken-Chefin Ines Schwerdtner hält die Erklärung ihrer...

DWN
Finanzen
Finanzen ASML-Aktie im Fokus: KI-Boom beschert Milliarden-Gewinn – ASML hebt Prognose nach Rekordquartal
14.10.2026

Der niederländische Chipkonzern ASML hat für das dritte Quartal 2026 einen Umsatz von 11,7 Milliarden Euro gemeldet bei fast fünf...

DWN
Technologie
Technologie Trump will KI umbenennen: Experten sind skeptisch
14.10.2026

Donald Trump will künstliche Intelligenz künftig nicht mehr AI, sondern SI nennen. „Super Intelligence“ soll nach seinem Willen die...

DWN
Politik
Politik Gas-Preis könnte auf 90 Euro steigen: Ökonomen warnen vor hartem Winter
14.10.2026

Europa steht vor einem Winter mit hohen Gaspreisen und relativ geringen Lagerbeständen. Experten rechnen nicht mit einer Wiederholung der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland erzielt mit Europas Energiekäufen Einnahmen von rund 322 Milliarden Euro
14.10.2026

Europa will seine Energieabhängigkeit von Russland beenden. Doch trotz Sanktionen fließt weiterhin eine große Menge Kapital nach Moskau....