Unternehmen

Praktikum im Betrieb - Formen und arbeitsrechtliche Aspekte im Überblick

In der heutigen Arbeitswelt sind Praktika nicht nur für Studierende und Absolventen von großer Bedeutung, sondern auch für Unternehmen eine Ressource. Hier werfen wir einen Blick auf verschiedene Praktikumsformen und beleuchten Formen und arbeitsrechtliche Aspekte, die Arbeitgeber im Zusammenhang mit dem Thema Praktikum kennen sollten.
08.01.2024 10:28
Aktualisiert: 08.01.2024 10:28
Lesezeit: 3 min

Praktikantinnen und Praktikanten kommen für eine kurze Zeit in Betriebe, um berufliche Kenntnisse, Fertigkeiten und Erfahrungen zu erwerben. Sie laufen im Betrieb mit, werden jedoch nicht als feste Arbeitskraft im Arbeitsalltag eingeplant.

Neben den „klassischen” Konstellationen des Schüler- und Studentenpraktikums dienen Praktika auch dem Berufseinstieg, ein Beispiel hierfür ist die “Hospitation” bei Ärzten oder das „Volontariat” im Journalismus.

Formen von Praktika

Pflichtpraktika

Pflichtpraktika sind in vielen Studiengängen verpflichtend und dienen der Vertiefung des erworbenen Wissens in der Praxis. Ein Pflichtpraktikum absolvieren in der Regel Studierende - aber auch Schülerinnen und Schüler können zu einem Schülerpraktikum verpflichtet werden.

Die Dauer gibt die Studienordnung oder die Schule vor. Hauptarbeitgeber ist die Schule oder Hochschule, an der die Praktikantin oder der Praktikant eingeschrieben ist. Nach erfolgreichem Abschluss des Praktikums stellt der Praktikumsgeber, der Betrieb, der Praktikantin oder dem Praktikanten in der Regel ein Arbeitszeugnis aus.

Freiwillige Praktika

Studierende oder Absolventen nutzen freiwillige Praktika, um praktische Erfahrungen zu sammeln und sich beruflich zu orientieren. Bei einem freiwilligen Praktikum, das länger als drei Monate dauert, ist der Hauptarbeitgeber das Unternehmen. Für das Unternehmen bedeutet das, dass es nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) die Person, wie einen Arbeitnehmenden zu behandeln hat. Die Person im Praktikum hat somit u.a. Anspruch auf Urlaub und eine Entlohnung. Die Praktikantin oder der Praktikant kann vom Betrieb ein Praktikumszeugnis verlangen.

Arbeitsrechtliche Regelungen

Pflichtpraktikum

Das Pflichtpraktikum wird in der Regel nicht vergütet. Pflichtpraktikantinnen und -praktikanten haben keinen Anspruch auf den Praktikumsmindestlohn. Deswegen haben Sie auch keinen Anspruch auf Urlaub. Viele Unternehmen gewähren ihren Praktikantinnen und Praktikanten jedoch eine bestimmte Anzahl von Urlaubstagen oder freien Tagen. Einen Rechtsanspruch haben Personen im Praktikum darauf jedoch nicht – unabhängig von der Dauer des Praktikums. Einige Betriebe zahlen Praktikantinnen und Praktikanten eine freiwillige Vergütung. Ist dies der Fall, ist dieses Einkommen immer sozialversicherungsfrei. Auch Beiträge zur Rentenversicherung müssen nicht gezahlt werden. Übersteigt die Vergütung die Grenze von 520 Euro im Monat, müssen beide Seiten Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen.

Vergütung bei einem freiwilligen Praktikum unter drei Monaten

Dauert das freiwillige Praktikum weniger als drei Monate, hat die Person im Praktikum keinen Anspruch auf einen Mindestlohn. Dem Betrieb ist jedoch freigestellt, ob er einen Lohn zahlt oder nicht.

Praktikumsvergütung bei einem freiwilligen Praktikum von mehr als drei Monaten

Absolviert eine Person ein freiwilliges Praktikum, das länger als drei Monate dauert, muss der Betrieb sie oder ihn wie einen normalen Arbeitnehmenden behandeln. Nach dem BBiG gibt es eine Probezeit von 1 bis 4 Monaten – je nach Dauer des Praktikums. Zudem hat die Person im Praktikum einen gesetzlichen Anspruch auf den Mindestlohn (12 Euro). Das Mindestlohngesetz (MiLoG) gilt nur für frewillige Pratika.

Das Unternehmen muss erst dann Sozialversicherungsbeiträge zahlen, wenn der Praktikant oder die Praktikantin mehr als drei Monaten in dem Betrieb ist. Hinsichtlich der Sozialversicherungsbeiträge ist zu beachten, dass hier die Grenze von 520 Euro gilt. Ist die oder der Praktikant jedoch gesetzlich versichert, muss das Unternehmen Pauschalbeiträge zur Kranken- und Rentenversicherung zahlen – es sei denn, der Arbeitnehmende lässt sich von der Rentenversicherungspflicht befreien.

Bei einer Fünf-Tage-Woche muss das Unternehmen ihr oder ihm mindestens 20 Urlaubstage pro Jahr geben – je nach Anzahl der Monate im Betrieb.

Der Praktikumsvertrag

Wenn Sie sich entscheiden, freiwillige Praktikantinnen oder Praktikanten unter Vertrag zu nehmen und diese nach dem Mindestlohngesetz entlohnen, müssen Sie das Nachweisgesetz beachten. Für Pflichtpraktika ist ein Vertrag kein Muss. Es empfiehlt sich jedoch auch hier einen schriftlichen Vertrag aufzusetzen, um die Zusammenarbeit klar zu regeln.

Der Nachweis – die Rahmenbedingungen des Praktikums – muss vom Arbeitgebenden unverzüglich nach Unterzeichnung des Arbeitsvertrages ausgestellt werden. Dieser Nachweis muss folgende Angaben enthalten:

Name und Anschrift der beiden Vertragsparteien

Lern- und Ausbildungsziele, die mit dem Praktikum verfolgt werden

Beginn sowie Dauer des Praktikums

tägliche Arbeitszeiten

Arbeitsort

Bezahlung und Höhe der Vergütung

Zahl der gewährten Urlaubstage (bei längeren Praktika)

Ausbildungsplan

Hinweis auf gegebenenfalls anwendbare Tarifverträge, Betriebs- oder Dienstvereinbarungen

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

Maria Romanska

***

Maria Romanska arbeitet als freie Journalistin und schreibt vor allem über Arbeitsrecht, Arbeitgeberpflichten sowie kleine und mittelständische Unternehmen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rebecca Harding im Interview: Konflikte haben die Funktionsweise der Weltwirtschaft unwiderruflich verändert
14.06.2026

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran im Nahen Osten hat gezeigt, was ein Wirtschaftskrieg ist und wie er funktioniert, erklärt Dr....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wandert die Industrie ab? Fakten statt Ideologie
13.06.2026

Die Industrie verschwindet nicht über Nacht. Gefährlicher ist, was leiser passiert: Investitionen entstehen anderswo, Produktlinien...

DWN
Finanzen
Finanzen Rechenzentren: Warum Energieaktien zur Nebenwette auf künstliche Intelligenz werden
13.06.2026

Der Energiesektor könnte zu einem der Gewinner beim Bau der Rechenzentren werden, die für künstliche Intelligenz benötigt werden.

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bahn: Familientickets ab 60 Euro – worauf Sie unbedingt achten müssen
13.06.2026

Die Deutsche Bahn bringt ein neues Familienticket zum Festpreis an den Start und verspricht attraktive Konditionen für Reisende. Doch das...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lexus LBX im Test: Hybrid-SUV erinnert an die besten Diesel-Zeiten
13.06.2026

Der Lexus LBX setzt nicht auf reinen Elektroantrieb, sondern auf einen effizienten Hybrid. Im Test überzeugt der kleine SUV mit Verbrauch,...

DWN
Technologie
Technologie Glasfaser-Boom ohne Kunden: Warum die Branche ins Straucheln gerät
13.06.2026

Schnelles Internet gilt als Schlüssel für die digitale Zukunft Deutschlands. Doch während immer mehr Glasfaserkabel verlegt werden,...

DWN
Panorama
Panorama EY-Umfrage: Jobmarkt verunsichert Deutschlands Studierende
13.06.2026

Wer heute studiert, blickt offenbar weniger sorglos auf den Arbeitsmarkt als frühere Jahrgänge. Eine aktuelle Umfrage von EY zeigt...

DWN
Technologie
Technologie KI-Revolution: In einer Branche ist sie schon angekommen
13.06.2026

In der Softwarebranche ist die KI-Revolution nicht mehr Zukunftsmusik. Sie zeigt, wie schnell ein Beruf kippen kann und welche Fragen sich...