Unternehmen

Unternehmensnachfolge: Die rechtlichen und steuerlichen Fallstricke

Die Unternehmensnachfolge ist ein wichtiger Schritt in der Lebensdauer eines Unternehmens. Sie bezeichnet den Prozess, bei dem die Führung und die Eigentumsverhältnisse eines Unternehmens von einer Generation zur nächsten übertragen werden. Dieser Schritt ist mit Herausforderungen und rechtlichen Aspekten verbunden, die sorgfältig berücksichtigt werden müssen.
Autor
30.07.2025 09:00
Aktualisiert: 30.07.2025 10:01
Lesezeit: 3 min
Unternehmensnachfolge: Die rechtlichen und steuerlichen Fallstricke
Bei der Unternehmensnachfolge sind viele Aspekte zu berücksichtigen. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Unternehmensnachfolge und Generationenwechsel

Laut des aktuellen Nachfolge-Monitorings Mittelstand 2024 der KfW Bank, über das auch der Deutsche Mittelstandsbund (DMB) berichtet, denkt jedes vierte Unternehmen über Geschäftsaufgabe nach. "Insgesamt denken 231.000 Unternehmen an eine Geschäfts­aufgabe bis Ende des Jahres 2025", heißt es in der Mitteilung. Demgegenüber stünden rund 215.000 Unternehmen mit kurzfristigen Nachfolge­wünschen im selben Zeitraum.

Eine große Zahl der Unternehmer hat sich bisher jedoch noch gar nicht mit der Frage der Unternehmensnachfolge beschäftigt. So schließen im Durchschnitt jährlich über 2.000 Unternehmen, weil die Unternehmensnachfolge nicht oder nur unzureichend geregelt ist. Für Steuerberater bietet sich hier ein riesiges Beratungspotenzial: Mit einem Mandanten können Steuerberater eine Vielzahl von steuerlichen, gesellschaftsrechtlichen und erbrechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten planen und umsetzen. Denn fehlen entsprechende privatrechtliche Regelungen, treten im Todesfall gesetzliche Regelungen in Kraft – mit oft unerwünschten Auswirkungen.

Gute Planung ist der Schlüssel bei erfolgreicher Unternehmensnachfolge

Eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge erfordert eine gründliche Planung und beginnt nicht selten mit einer Unternehmensbewertung, um Chancen und Risiken der Unternehmung sichtbar zu machen und eine Einschätzung über einen realistischen Wert des eigenen Unternehmens zu haben. Dies beinhaltet nicht nur die Identifizierung eines geeigneten Nachfolgers, sondern auch die Festlegung des Zeitpunkts der Übergabe sowie die Entwicklung eines klaren Plans zur Übertragung von Führungsaufgaben und Eigentum.

Rechtliche Aspekte

Bei der Unternehmensnachfolge sind verschiedene rechtliche Aspekte zu beachten. Hier sind einige wichtige Punkte:

Unternehmensstruktur: Vor der Nachfolge muss die aktuelle Unternehmensstruktur überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Dies kann Änderungen in der Rechtsform des Unternehmens oder der Eigentumsstruktur umfassen. Hierbei ist unter anderem Folgendes zu bedenken: Soll nur der Geschäftsbetrieb, die Kunden, einzelne Güter übertragen werden oder vielleicht eine komplette Struktur, welche Vor- und Nachteile bieten welche Rechtsformen für eine Unternehmensübertragung.

Verträge und Vereinbarungen: Alle bestehenden Verträge und Vereinbarungen des Unternehmens müssen überprüft werden, um sicherzustellen, dass sie mit der geplanten Nachfolge im Einklang stehen. Dies kann beispielsweise Miet- oder Lieferverträge, Kundenvereinbarungen, betriebliche Altersvorsorge und Arbeitsverträge umfassen. Gerade Arbeitsverhältnisse gehen nach § 613a BGB auf den Erwerber in der Regel über. Käufer und Verkäufer von Unternehmen haben bei der Transaktion teilweise gegensätzliche Interessen. Diese finden sich auch im Kaufvertrag wieder. In diesem rechtlichen Rahmen erwarten Unternehmenskäufer von den Verkäufern für unterschiedliche Sachverhalte Garantien – beginnend mit der Verfügungsberechtigung über die Gesellschaftsanteile, die ordnungsgemäße Aufstellung der Jahresabschlussberichte, das rechtliche und wirtschaftliche Eigentum des aktivierten Vermögens zur Offenlegung von Prozessen, Schiedsverfahren und behördlichen Verfahren sowie die Offenlegung wichtiger Verträge sowie insbesondere auch die Vollständigkeit der Informationen im Datenraum.

Steuerliche Implikationen: Die Unternehmensnachfolge kann erhebliche steuerliche Auswirkungen haben, sowohl für das Unternehmen selbst als auch für den Übergeber und den Nachfolger (z.B. Schenkungssteuer bei unentgeltlicher Übertragung an die Kinder). Es ist wichtig, die steuerlichen Implikationen der Nachfolge im Voraus zu verstehen und gegebenenfalls eine steuerliche Beratung in Anspruch zu nehmen. Ggf. sollten auch bilanzielle Bewertungs- und Bilanzierungsspielräume zur Liquiditätssicherung ermittelt werden.

Erbrechtliche Aspekte: Bei der Nachfolgeplanung müssen auch erbrechtliche Aspekte berücksichtigt werden, insbesondere wenn das Unternehmen Teil eines Nachlasses ist. Die Gestaltung eines klaren Testaments oder einer Unternehmensnachfolgevereinbarung kann helfen, Streitigkeiten und Unsicherheiten zu vermeiden.

Regelungen für den Nachfolger: Der Nachfolger muss möglicherweise bestimmte Anforderungen erfüllen, um die Führung des Unternehmens zu übernehmen. Dies kann die Erfüllung bestimmter Qualifikationen, die Zustimmung anderer Anteilseigner oder die Einhaltung bestimmter rechtlicher Anforderungen umfassen. Statt einer vollständigen Übertragung kann auch zunächst eine Beteiligung erfolgen – auch hier stellen sich unterschiedliche Fragestellungen ob die Beteiligung entgeltlich oder unentgeltlich erfolgen soll, welche Beteiligungsquote sinnvoll ist, wie Gewinn- und Stimmrechte verteilt werden sollen, wie Geschäftsführungsbefugnisse definiert werden, wie wirtschaftliche Entscheidungskompetenzen definiert werden, welche Zuständigkeiten sich ergeben sollen, welche Restriktionen eingehalten werden müssen usw.

Unternehmensnachfolge: Die Wichtigkeit von Kontinuität und Kommunikation

Eine reibungslose Unternehmensnachfolge erfordert eine klare Kommunikation und einen kontinuierlichen Informationsaustausch zwischen dem Übergeber, dem Nachfolger und allen anderen Beteiligten. Dies hilft, Unsicherheiten zu reduzieren und einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten.

Insgesamt ist die Unternehmensnachfolge ein komplexer Prozess, der sorgfältige Planung und Beratung erfordert. Durch die Berücksichtigung der oben genannten rechtlichen Aspekte und Herausforderungen können Unternehmen einen erfolgreichen Übergang sicherstellen und die langfristige Kontinuität ihres Betriebs gewährleisten.

Auf der Unternehmensnachfolgebörse nexxt-change bringen das Bundeswirtschaftsministerium, die KfW Bankengruppe, die Deutsche Industrie- und Handelskammer sowie weitere Partner nachfolgeinteressierte Unternehmerinnen und Unternehmer mit Existenzgründerinnen und -gründern zusammen. Die Chance, einen passenden Unternehmensnachfolger zu finden, steigt dadurch enorm. Melden auch Sie sich an – sicher, kostenlos und anonym unter www.nexxt-change.org.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt

 

Martin Wrege

***

Martin Wrege ist Rechtsanwalt und Steuerberater in der Münchner Kanzlei KSW Legal GmbH Rechtsanwaltsgesellschaft. Die Kanzlei berät Konzerne, mittelständische Unternehmen und Arbeitnehmer in Fragen in Zusammenhang mit Abfindung, Vorruhestand, Altersteilzeit und Transfergesellschaften.

 
DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt United Manufacturing Hub: Wie ein Kölner Startup den Datenschatz der Industrie hebt
23.01.2026

Daten gelten als Treibstoff der Industrie 4.0 – doch in vielen Fabriken bleiben sie ungenutzt. Das Start-up United Manufacturing Hub will...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch: Nach Allzeithoch nimmt Gold 5.000 Dollar in den Blick – Silberpreis kratzt an 100 Dollar
23.01.2026

Nach dem Goldpreis-Rekordhoch im frühen Donnerstagshandel oberhalb der Marke von 4.900 Dollar geht die Aufwärtsrallye des gelben...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Autonomes Fahren: Musk sieht zeitnahe Fortschritte bei der EU-Genehmigung
23.01.2026

Globale Machtverschiebungen und technologische Umbrüche verdichten sich derzeit spürbar. Welche Folgen ergeben sich daraus für Europas...

DWN
Politik
Politik Grönlands Ressourcen: NATO und USA sprechen über Zugriff auf seltene Erden
23.01.2026

Die strategische Bedeutung Grönlands rückt stärker in den Fokus westlicher Wirtschafts- und Sicherheitsinteressen. Welche Folgen hat...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zalando-Aktie: Osten ringt um Erfurter Logistikzentrum – Ramelow setzt auf Rettung
23.01.2026

Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow sieht die Zukunft des von Schließung bedrohten Zalando-Standorts in Erfurt mit 2.700...

DWN
Politik
Politik Kriegstüchtigkeit in Europa: Deutschland und Italien stärken Rüstungspartnerschaft
23.01.2026

Kanzler Merz und Ministerpräsidentin Meloni bauen die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Italien in den Bereichen Rüstung,...

DWN
Finanzen
Finanzen Intel-Aktie fällt vorbörslich stark - von Lieferengpässen ausgebremst
23.01.2026

Intel kämpft auf seinem Sanierungskurs weiterhin mit Kapazitätsengpässen. Die für das laufende Quartal prognostizierten Umsätze von...

DWN
Finanzen
Finanzen Bund überschreitet fast die Schuldenbremse – Finanzminister warnt vor anderem Risiko
23.01.2026

Das Grundgesetz legt dem Bund enge Grenzen bei der Kreditaufnahme auf. Die jüngste Abrechnung für 2025 zeigt, dass die erlaubte...