Panorama

Studie: Digitale Technologie kann ein Viertel zum Klimaziel beitragen

Digitale Technologien können einer Studie zufolge wesentlich dazu beitragen, dass Deutschland seine Klimaziele 2030 erfüllt.
26.02.2024 14:07
Lesezeit: 2 min
Studie: Digitale Technologie kann ein Viertel zum Klimaziel beitragen
Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen eines Braunkohlekraftwerks. Laut einer Studie können digitale Technologien ein Viertel zum Klimaziel beitragen. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Das geht aus einer Untersuchung der Wirtschaftsberatung Accenture hervor, die am Montag vom Digitalverband Bitkom veröffentlicht wurde. "Die Digitalisierung kann fast ein Viertel zu Deutschlands selbstgesteckten Klimazielen im Jahr 2030 beitragen", sagte Bitkom-Vizepräsidentin Christina Raab.

In der Studie werden zwei Szenarien durchgerechnet: eine Standard-Digitalisierung sowie eine beschleunigte Digitalisierung, die sich an führenden Unternehmen sowie Ländern orientiert, die beim Einsatz einer oder mehrerer Technologien führend sind. Im Standard-Szenario gehen die Autorinnen und Autoren davon aus, dass sich die Marktdurchdringung digitaler Technologien wie bisher beziehungsweise wie bis 2030 geplant fortsetzt.

Wenn die Digitalisierung beschleunigt werde, könne der jährliche CO2-Ausstoß 2030 um rund 73 Millionen Tonnen verringert werden, heißt es in der Studie. Geht es bei der Digitalisierung im bisherigen Tempo weiter, fällt der Einspareffekt deutlich geringer aus. Bei diesem Szenario lassen sich im Jahr 2030 Einsparungen von rund 50 Millionen Tonnen CO2 erzielen - das entspricht 16 Prozent der Zielvorgabe.

Das größte CO2-Einsparpotenzial durch digitale Technologien macht die Studie im Energiesektor aus. Hier ließen sich bis zu 26,4 Millionen Tonnen CO2 bei einer beschleunigten Digitalisierung oder 24,5 Millionen Tonnen CO2 bei einer Standard-Digitalisierung einsparen. Ausschlaggebend seien hier Smart Grids, also intelligente Stromnetze, in denen Stromerzeugung und -verbrauch präzise gesteuert werden können. Solche digitalisierten Netze nutzen Sensoren, Smart Meter und Echtzeit-Datenverarbeitung, um Angebot und Nachfrage dynamisch auszugleichen.

An zweiter Stelle sieht die Studie den Gebäudesektor. Digitale Technologien könnten unter anderem die Heizkörper automatisch regeln, wenn ein Fenster geöffnet werde, oder eine Klimaanlage je nach Wetterverhältnissen und Zahl der anwesenden Personen steuern. Im Standard-Szenario könnten rund 12,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Bis zu 18,3 Millionen Tonnen seien möglich, wenn die Verbreitung smarter Technologien beschleunigt vorangetrieben werde.

In der industriellen Fertigung lassen sich der Studie zufolge bis zu 12,7 Millionen Tonnen CO2 bei einer beschleunigten Digitalisierung einsparen. Im Verkehr sei eine Verringerung von bis zu 9,3 Millionen Tonnen CO2 bei einer beschleunigten Digitalisierung möglich - gegenüber bis zu 3,5 Millionen Tonnen bei einer Standard-Digitalisierung. Die Verringerung des CO2-Fußabdrucks sei im Verkehrssektor vor allem mit einem digitalen Verkehrsnetz und einer digitalen Verkehrsoptimierung möglich. Sensoren an der Straße oder GPS in Autos würden dazu Echtzeit-Daten liefern, mit denen Ampeln geschaltet, Verkehrsströme umgeleitet oder öffentliche Verkehrsmittel verstärkt werden könnten.

Bei der Studie wurden nicht nur die potenziellen CO2-Einsparungen durch den Einsatz der digitalen Technologien kalkuliert, sondern auch die Emissionen gegengerechnet, die durch den Betrieb dieser Technologien - also Rechenzentren, Endgeräten und die Vernetzung - entstehen. Nicht berücksichtigt wurde der CO2-Fußabdruck, der bei der Herstellung der Geräte entsteht, weil die Produktion zum großen Teil nicht in Deutschland stattfindet. Aber selbst wenn man den CO2-Ausstoß bei der Herstellung berücksichtige, sei der Klimaeffekt unter dem Strich deutlich positiv - nämlich je nach Szenario zwischen 15 und 21 Prozent der Zielvorgabe, sagte Raab. (dpa)

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin 2026: Droht der nächste Crash oder ein neuer Reifegrad des Marktes?

Wie sich Bitcoin im Jahr 2026 verhalten wird, lässt sich nicht eindeutig voraussagen. Was sich jedoch belastbar analysieren lässt, sind...

X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Politik
Politik Anschlag geplant? Terrorverdächtiger in Magdeburg reiste legal ein
16.12.2025

Mit Visum kam er nach Deutschland, dann informierte er sich über Waffen und glorifizierte Anschläge. Zu dem 21-jährigen Mann in...

DWN
Politik
Politik Sudan führt auch 2026 Krisenliste von Hilfsorganisation an
16.12.2025

Die Hilfsorganisation IRC erstellt jeden Dezember eine Liste von Krisenstaaten, die im Folgejahr zu beachten sind. Der Sudan steht im...

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld: Barzahlen wird bei Behörden zur Ausnahme - Bundesbank sieht Akzeptanzlücken
16.12.2025

Bargeld ist in Deutschland nach wie vor beliebt, doch in Ämtern und Behörden stößt man damit nicht immer auf offene Türen. Die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Finanzielle Unabhängigkeit für Führungskräfte: So sichern Sie echte Entscheidungsfreiheit
16.12.2025

Die meisten Führungskräfte träumen davon, unabhängig Entscheidungen treffen und nach eigenen Überzeugungen handeln zu können. In der...

DWN
Finanzen
Finanzen KGHM-Aktie aktuell: Warum der Kupfer-Boom jetzt zur globalen Gefahr wird
16.12.2025

Die Kupferpreise steigen schneller als jede Prognose und die KGHM-Aktie jagt von Rekordhoch zu Rekordhoch. Doch Analysten preisen nun...

DWN
Politik
Politik Deutsche Soldaten für Ukraine? Europäer bieten Schutztruppe an
16.12.2025

Eine Schutztruppe für die Ukraine? Bundeskanzler Merz und europäische Staatschefs haben einen Plan vorgestellt. Doch wie reagieren die...

DWN
Politik
Politik Bundestag Offline: Internet-Ausfall im Bundestag - kein russischer Cyberangriff
16.12.2025

Das Computernetzwerk des Deutschen Bundestags war flächendeckend ausgefallen. Da das Problem ungefähr zeitgleich mit dem Besuch des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rückstand bei Bezahlung: Frauen verdienen weiterhin weniger als Männer
16.12.2025

Hartnäckig hält sich der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern. Nur ein Teil der Lohnlücke ist erklärbar.