Politik

Vorbild Ukraine: EU will Demokratie nach Osteuropa bringen

Lesezeit: 2 min
31.03.2014 00:44
Die EU will anderen Staaten die Demokratie bringen. Offenbar ermutigt von der Revolution in der Ukraine, will die EU in zahlreichen anderen Staaten außerhalb ihrer Jurisdiktion tätig werden. Im vergangenen Jahr hat die EU 2,6 Milliarden Euro für „Nachbarschafts-Politik“ ausgegeben.
Vorbild Ukraine: EU will Demokratie nach Osteuropa bringen

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

In mehreren Ländern der Nachbarschaft wurden entscheidende politische und wirtschaftliche Reformen durchgeführt. Doch in den meisten Staaten in der Nachbarschaft der EU gebe es noch erhebliche Defizite, so ein Bericht der EU-Kommission vom Donnerstag. Die EU will ihnen dabei helfen, den Übergang zur Demokratie zu schaffen.

Besonderes Augenmerk will die EU auf Osteuropa legen. Die Kommission schreibt dazu:

 „In den östlichen ENP-Ländern erlebte die Ukraine tiefgreifende Veränderungen, die durch massive öffentliche Proteste (sogenanntes „Euromaidan“) zur Unterstützung der politischen Assoziierung und wirtschaftlichen Integration mit der EU ausgelöst wurden. Die EU ist bereit, die Ukraine bei ihrem Streben nach einer von Demokratie und Wohlstand geprägten Zukunft zu unterstützen. In diesem Sinne kündigte die Kommission am 5. März ein Maßnahmenpaket an, das u. a. langfristig angelegte finanzielle Hilfe in Höhe von 11 Mrd. EUR umfasst. Am 21. März 2014 wurde der politische Teil des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und der Ukraine in Brüssel unterzeichnet. Die Republik Moldau und Georgien haben bei den politischen und justiziellen Reformen und bei den Reformen zur Vorbereitung auf die Umsetzung der Assoziierungsabkommen Fortschritte erzielt. Die georgischen Parlamentswahlen im Herbst 2013 markierten den zweiten demokratischen Machtwechsel in diesem Land. Armenien setzte zwar die demokratischen Reformen fort, beschloss jedoch, die Vorbereitungen auf den Abschluss eines Assoziierungsabkommens einschließlich einer vertieften und umfassenden Freihandelszone (DCFTA) auszusetzen und das Abkommen nicht zu paraphieren. Aserbaidschan schenkte den Forderungen nach verbesserter Beachtung der Grundrechte und -freiheiten nach wie vor wenig Beachtung. Belarus erzielte keine Fortschritte bei den politischen Reformen.“

„Reformen können nicht von außen auferlegt werden“, sagte Štefan Füle, EU-Kommissar für Erweiterung und Europäische Nachbarschaftspolitik. Die EU habe aber eine besondere Verantwortung, diejenigen Partner zu unterstützen, die sich auf den schwierigen Weg des Übergangs zu Demokratie und inklusiveren Gesellschaften begeben.

„Die Ereignisse der letzten Monate haben gezeigt, dass unsere Nachbarschaft eine Region bleibt, auf die die EU nicht nur ihre Aufmerksamkeit, sondern auch ihre Ressourcen fokussieren muss“, so Füle. Die EU hat im vergangenen Jahr 2,6 Milliarden Euro für „Nachbarschafts-Politik“ ausgegeben. Für die Jahre 2014 bis 2020 sind weitere Ausgaben im Umfang von 15,4 Milliarden Euro vorgesehen.

Auch in Nordafrika will die EU tätig werden: In Marokko sei die Lage stabil, so Füle. Die Umsetzung der Verpflichtungen im Rahmen der Verfassungsreform von 2011 komme aber nach wie vor nur langsam voran. Zu den positiven Schritten zähle die Reform der Migrationspolitik und der Militärgerichtsbarkeit.

Weiter im Osten gebe es Probleme mit Algerien, wo der 77-jährige Präsident Abdelaziz Bouteflika an der Macht bleiben wolle. In dem Land gebe es „keine sichtbaren Fortschritte“ im Hinblick auf die von der EU geforderten Reformen des Wahlsystems, zitiert EUobserver den EU-Kommissar. Auch bei den Menschenrechten habe sich Algerien „nicht ernsthaft bewegt“.

„Libyen steht vor gravierenden, sich weiter verschärfenden Sicherheitsproblemen, die die nationale Aussöhnung und die politische Stabilisierung verhindern“, so der EU-Bericht. Libanon und Jordanien kämpften mit den Auswirkungen des syrischen Bürgerkriegs, wodurch Reformen stark behindert würden. Israelis und Palästinenser hätten zwar ihre Friedensverhandlungen wiederaufgenommen, stünden dabei aber weiterhin vor großen Hindernissen.

„Die engagierte Zusammenarbeit mit unseren Nachbarn ist eine absolute Priorität der EU“, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton bei der Vorstellung des Berichts. So könne man auf die Partner eingehen und zugleich die Interessen der EU durchsetzen. „[Die Europäische Nachbarschafts-Politik] dient zur Konfliktprävention und -bewältigung und sie bietet unseren Nachbarn Anreize für politische und wirtschaftliche Reformen.“

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Corona-Rezession wie Zweiter Weltkrieg – der Tod des Gastgewerbes ist beschlossene Sache

Die aktuelle Corona-Rezession weist große Ähnlichkeiten mit den wirtschaftlichen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf. Aus einem...

DWN
Politik
Politik Steinmeier erwägt staatliche Regulierung der sozialen Medien im Namen der Freiheit und der Demokratie

Bundespräsident Steinmeier meint: „Die Demokratien der Welt müssen ihre Verfasstheit auch im Digitalen sichern, gegen Feinde von innen...

DWN
Deutschland
Deutschland 900 Millionen Euro mehr: Stromkosten in Deutschland explodieren

Die Haushalte in Deutschland haben im vergangenen Jahr so viel für ihren Strom bezahlt wie noch nie.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Softwareriese Microstrategy nutzt Kursknick für weitere starke Bitcoin-Käufe

Das an der Nasdaq notierte Unternehmen Microstrategy hat im großen Stil Bitcoin zugekauft. Das Investieren von Bitcoin ist zum zentralen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lieferketten-Chaos und hohe Transportkosten fachen Inflation in Europa an

Produzenten geben die teils deutlich gestiegenen Kosten an die Kunden weiter, die Inflation in Europa erreicht die Geschäfte und...

DWN
Politik
Politik Zwischen Europa und Russland tobt ein harter Kulturkampf

Der geopolitische Wettbewerb zwischen Europa und Russland nimmt Konturen eines Kulturkampfs an, bei dem es um Religion, Familienwerte und...

DWN
Finanzen
Finanzen Zentralbank der Zentralbanken warnt vor Blasen im Finanzsystem

Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich wählt ihre Worte mit Bedacht. Im Klartext warnt sie vor dem Platzen riesiger...

DWN
Politik
Politik Schock-Bericht: Bundesregierung will Lockdown bis Ende März verlängern

Aus einem Bericht geht hervor: „Aus Regierungskreisen heißt es, dass der Lockdown voraussichtlich bis Ende März im Grundsatz...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Erschreckend hohe Kosten erdrücken Deutsche Metall- und Elektroindustrie

Dass die deutsche Metall- und Elektroindustrie im internationalen Vergleich relativ hohe Kosten hat, dürfte wohl kaum jemanden...

DWN
Deutschland
Deutschland Verrückte Entwicklung: Immobilien-Preise auf Sylt steigen wegen Corona

Der rasante Anstieg der Immobilienpreise auf Sylt wird durch die Corona-Pandemie verstärkt.

DWN
Finanzen
Finanzen Bargeld boomt: Die Federal Reserve überschwemmt die Welt mit Dollar-Banknoten

Die Nachfrage nach Dollar-Banknoten zieht derzeit weltweit spürbar an – ein Beleg für die Flucht der Bürger in den sicheren Hafen...

DWN
Politik
Politik Die Politik beschließt Corona-Maßnahmen nach dem Mephisto-Prinzip

DWN-Kolumnist Christian Kreiß wendet zur Beurteilung der Corona-Maßnahmen ein neues Verfahren an. Die Ergebnisse sind verblüffend.

DWN
Politik
Politik Italien: Ein Land kann seinen größten Trumpf nicht nutzen

In der elften Folge der großen geopolitischen DWN-Serie zeigt Moritz Enders auf, warum Italien sein Potential als Regionalmacht nicht...

DWN
Politik
Politik Südostasiens Drahtseilakt zwischen den Giganten: Wo führt China, wo die USA? - Teil 2

Wie tief und verlässlich die bilateralen Beziehungen der Vereinigten Staaten und Chinas zu ihren Partnern in Südostasien sind, lässt...