Wirtschaft

Comeback von Japan-Aktien: Neue Ära für Investoren?

Der japanische Aktienmarkt erlebt derzeit ein erstaunliches Comeback. Doch hinter dem jüngsten Rekordhoch des Nikkei von 40.000 Punkten steckt nicht nur der globale KI-Hype. Es sind auch neue Stärken, die das Land wieder in den Fokus der Anleger rücken. Erfahren Sie hier, warum Japans neue Wachstumsdynamik von Dauer sein könnte.
21.04.2024 10:42
Aktualisiert: 21.04.2024 11:12
Lesezeit: 3 min
Comeback von Japan-Aktien: Neue Ära für Investoren?
Im Januar schloss der japanische Aktienindex "Nikkei 225" mit dem höchsten Stand seit fast 34 Jahren (Foto: dpa). Foto: Eugene Hoshiko

Am 22. Februar knackte der Nikkei mit 39.098,68 Punkten seinen bisherigen Höchststand von 29. Dezember 1989 und legt am 4. März noch einmal kräftig zu: Erstmals überspringt der Index die 40.000-Punkte-Marke. Ein wesentlicher Impuls für den Kurssprung waren die vom Hype um Künstliche Intelligenz (KI) getriebenen Quartalszahlen des US-Chipkonzerns Nvidia. Doch der KI-Boom ist nur ein Grund, warum Japan zum Land der wieder aufgehenden Anlegersonne werden könnte. Denn drei Faktoren haben den japanischen Aktienmarkt in den vergangenen Monaten maßgeblich geprägt – und damit den Erfolg des Nikkei erst möglich gemacht.

Faktor 1: Der weiche Yen als Wirtschaftsmotor

Zum einen ist der schwache Yen nicht ganz unbeteiligt an dieser Entwicklung. Japan ist seit jeher eine exportorientierte Volkswirtschaft. Ein schwacher Yen macht japanische Waren und Dienstleistungen im Ausland günstiger und damit wettbewerbsfähiger. So exportierte Japan im Januar 2024 Waren im Wert von rund 7,3 Billionen Yen, umgerechnet rund 49,1 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich zum Vorjahresmonat Januar 2023 stiegen die Exporte um rund 11,9 Prozent, was wiederum die Gewinne exportorientierter Unternehmen steigerte, auch dank des Hypes um KI.

Ein japanischer Halbleiterwert, der davon profitiert, ist Advantest. Das Tokioter Unternehmen stellt unter anderem Testsysteme für Halbleiter her und hat seit Jahresbeginn mehr als 50 Prozent an Börsenwert zugelegt. Auch die Aktie des japanischen Medienkonzerns Softbank profitiert vom schwachen Yen und dem Höhenflug der KI. Das zeigen die jüngsten Quartalszahlen des britischen Technologiezulieferers ARM, an dem Softbank 90 Prozent hält. Demnach erwirtschaftete ARM zwischen Oktober und Ende Dezember 2023 einen Umsatz von 824 Millionen US-Dollar, ein Plus von 14 Prozent im Jahresvergleich.

Unterstützt werden dürfte diese Entwicklung von Plänen des Softbank-Gründers Masayoshi Son, der mit seinem ‚Projekt Izanagi‘ einen eigenen KI-Konkurrenten gegen Nvidia aufbauen will. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg will Son dafür insgesamt 100 Milliarden Dollar investieren. Über ausreichende Mittel dürfte Softbank durch den Börsengang von ARM im vergangenen Jahr verfügen: Rund 30 Milliarden Dollar könnte Softbank selbst aufbringen, schätzen Analysten. Weitere 70 Milliarden will Son bei Partnern einsammeln, so Bloomberg.

Doch nicht nur Japans exportorientierte Technologieunternehmen profitieren vom schwachen Yen. Auch bei ausländischen Investoren steht das Land wegen seiner weichen Währung hoch im Kurs - zum Beispiel bei Warren Buffett. Bereits im Frühjahr 2023 erklärte der 93-jährige Chef der US-Holding Berkshire Hathaway in einem Interview mit Nikkei Asia, dass er seine im August 2020 erworbenen Beteiligungen in Japan ausgebaut habe. Seitdem ist unter Analysten vom „Buffett-Faktor“ die Rede.

Faktor 2: Der Wechsel von Deflation zu Inflation

Hinzu kommt eine leichte Kerninflation von 2,2 Prozent im Januar 2024, die laut Bloomberg im ersten und zweiten Quartal 2024 zwar leicht auf 2,5 Prozent ansteigen dürfte. Doch nach mehr als drei Jahrzehnten Deflation scheint diese Entwicklung dem Land gerade recht zu kommen. Denn was in der Eurozone und den USA ein Problem ist, könnte für Nippon ein Segen sein und dazu beitragen, dass japanische Unternehmen wieder mehr in Forschung und Entwicklung (F&E) sowie in gut ausgebildetes Humankapital investieren, statt zu sparen.

Der Grund: Nach Angaben der Bank of Japan (BOJ), der Zentralbank Japans, hatten japanische Unternehmen bis zum 1. Juni 2023 rund 258 Billionen Yen, umgerechnet rund 1,62 Billionen Euro, angehäuft. Ökonomen schätzen daher, dass das Wachstum des japanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2024 mit rund 1,5 Prozent nicht nur über dem eigenen Potenzial, sondern auch über dem BIP-Wachstum der USA und der Eurozone liegen dürfte.

Faktor 3: Unternehmensreformen stützen den Markt

Flankiert wird der Wechsel von Deflation zu Inflation von Reformen in Japans Unternehmen, die daher vor einer Neubewertung stehen könnten. So hat die Tokyo Stock Exchange (TSE) kürzlich alle in ihr notierten Unternehmen aufgefordert, die Richtlinien der Börse zur Verbesserung der Rentabilität, der langfristigen Erträge und der Bewertungen endlich umzusetzen. Unternehmen, die unter ihrem Buchwert notieren, das sind immerhin 40 Prozent, wurden zudem aufgefordert, einen Sanierungsplan vorzulegen und entweder eigene Aktien zurückzukaufen oder die Dividende zu erhöhen. All das scheint nun nachhaltige Früchte zu tragen.

Bereits im Frühjahr 2023 vertrat Sam Perry, Senior Investment Manager bei Pictet Asset Management, die Ansicht, dass der Wandel in der Corporate Governance japanischer Unternehmen in eine neue Phase eintrete und Japan-Aktien dadurch wieder attraktiv würden.

Wie Anleger vom Japan-Comeback profitieren können

Investoren, die den japanischen Aufschwung mitnehmen wollen, haben verschiedene Möglichkeiten: Direktinvestitionen in japanische Unternehmen oder Beteiligungen an japanischen Indizes sind dabei die Klassiker. Allerdings gehen Anleger damit ein Währungsrisiko ein, welches eine mögliche Rendite schnell zunichte machen kann. Eine weitere Möglichkeit sind währungsgesicherte Anlageprodukte, die vor solchen Kursrisiken schützen können, zum Beispiel Zertifikate mit einer sogenannten Quanto-Funktion (Quantity Adjusting Option). Hierbei werden die Erträge des Zertifikats unabhängig von Wechselkursschwankungen in der Währung des Anlegers ausgezahlt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Handelspolitik: Regierung prüft Anpassungen bei Stahl- und Aluminiumzöllen
18.02.2026

Die US-Regierung signalisiert Bereitschaft, den Anwendungsbereich und die Durchsetzung der Stahl und Aluminiumzölle anzupassen, hält...

DWN
Finanzen
Finanzen Brüsseler Personalpoker: Spekulationen um vorzeitigen Rückzug von EZB-Chefin Lagarde
18.02.2026

Christine Lagarde könnte die EZB vor Ende ihrer Amtszeit verlassen. Hintergrund sind offenbar Sorgen, dass nach den Wahlen in Frankreich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stellenabbau durch KI-Einsatz: Ergo streicht 1000 Arbeitsplätze bis 2030
18.02.2026

Künstliche Intelligenz verändert die Versicherungsbranche und wirkt sich zunehmend auch auf Arbeitsplätze aus. Wird der Stellenabbau bei...

DWN
Politik
Politik Bundestagswahl 2025: BSW hat Wahlprüfungsbeschwerde eingereicht
18.02.2026

Das Bündnis Sahra Wagenknecht zweifelt am amtlichen Endergebnis vom Februar 2025. Nun setzt die Partei auf das Bundesverfassungsgericht.

DWN
Politik
Politik Hoffnung im Wohnungsbau: Mehr Baugenehmigungen
18.02.2026

Erstmals seit 2021 gibt es wieder mehr Baugenehmigungen für Wohnungen. Doch der Wohnraummangel bleibt. Wann zündet der Bau-Turbo der...

DWN
Politik
Politik Unser neues Magazin ist da: Kampf um Rohstoffe – die Machtfrage des 21. Jahrhunderts
18.02.2026

Rohstoffe sind längst mehr als nur Handelsgüter – sie sind zu einer neuen Währung in einer von Machtstreben dominierten Welt geworden....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Stellenabbau: Keine neuen Jobs zum Jahresende - Fachkräftemangel wird geringer
18.02.2026

Auf Grund der schwachen Konjunktur sinkt die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland weiter. Dienstleistungsjobs können die Jobverluste in...

DWN
Politik
Politik Ungarn vor Schicksalswahl: Orban im Wahlkampf - Was für ihn auf dem Spiel steht
18.02.2026

Die Macht des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban wackelt: Ein Ex-Insider begeistert mit Kajak-Touren und Social-Media-Sarkasmus...