Finanzen

US-Fed sorgt für Bewegung: Aktien, Gold und DAX mit Allzeithochs

Für die US-Aktienmärkte war die vergangene Woche die bisher beste in diesem Jahr, nachdem die US-Fed die Hoffnung auf eine Lockerung der Zinspolitik im Sommer nährte. Auch Gold erreichte ein neues Allzeithoch - und der DAX bleibt weiterhin in Rekordlaune.
26.03.2024 21:31
Lesezeit: 5 min
US-Fed sorgt für Bewegung: Aktien, Gold und DAX mit Allzeithochs
Marktreport: US-Fed sorgt für Bewegung und treibt Aktien, Gold und DAX auf Allzeithochs (Foto: dpa) Foto: Silas Stein

Wie im Vorfeld der jüngsten US-Zentralbanksitzung erwartet, hat diese am Mittwoch vergangener Woche die Leitzinssätze unverändert belassen, bekräftigte jedoch ihren Kurs, mit entsprechenden Maßnahmen im Laufe des Jahres beginnen zu wollen. Die Entscheidungsträger ließen sich dabei von den neuesten, wenige Tage zuvor publizierten Verbraucherpreisdaten nicht beirren, welche sowohl im Jahres- als auch im Monatsvergleich hinter den disinflationären Erwartungen zurückblieben.

Notenbankchef Jerome Powell äußerte sich dennoch zuversichtlich und wiederholte seine Auffassung, dass der Preisdruck weiter nachlassen werde und spätere Zinssenkungen „wahrscheinlich angemessen“ seien.

Jerome Powell gewohnt marktbewegend

Dabei hatte jene Fed-Entscheidung etwas erfreulich Gradliniges an sich. So hielten die Beamten an ihrer Erwartung von drei Zinssenkungen im laufenden Jahr fest, obwohl sie ihre Inflations- und Wachstumserwartungen anhoben. Während der Pressekonferenz erläuterte Powell, dass eine unerwartete Abschwächung auf dem Arbeitsmarkt die Entscheidung über den Beginn des Zinssenkungszyklus vorantreiben könnte. Er sagte auch, dass ein schnelles Wachstum des Arbeitsmarktes an und für sich kein Grund wäre, mit Zinssenkungen zu warten.

Was den eher langsamen Rückgang der Preissteigerungsraten angeht, die bisher im Jahr 2024 zu beobachten waren, schien Powell nicht sonderlich besorgt zu sein. Im Moment werden sie lediglich als Hindernisse auf dem Weg betrachtet, und der FOMC bleibt zuversichtlich, dass die Politik "restriktiv" bleibt. Er wies auch darauf hin, dass sich die Inflation in der zweiten Hälfte des Jahres 2023 rasch abgekühlt hat, so dass nun ein paar heißere Zahlen am grundsätzlichen Kurs nicht viel ändern werden.

Die Tatsache, dass Powell dem Optimismus der Händler in Bezug auf Zinssenkungen nicht entgegenwirkte, führte an der Wall Street zu Kaufsignalen. Die Aktienmärkte erreichten neue Rekorde, wobei der S&P 500 die vergangene Woche nahe der 5.300-Punkte-Marke, im Dunstkreis seines Tags zuvor erreichten Allzeithochs, beendete. Auch in Japan, Hongkong und ganz Europa legten die Aktienindizes zu. Auch Staatsanleihen und Edelmetallen gab die jüngste Zentralbankrhetorik auftrieb, so dass die 10-jährige Rendite in der vergangenen Woche um fast 10 Basispunkte sank. Gold überschritt am vergangenen Donnerstag erstmals die Marke von 2.200 US-Dollar pro Unze.

Der deutsche DAX lässt sich von der guten Stimmung an den Märkten inspirieren: Nach einem neuen Hoch zum Wochenstart übertraf er dieses im Dienstagshandel deutlich und sprang erstmals über die Marke von 18.400 Punkten. Das neue DAX-Allzeithoch liegt nun bei 18.411,98 Punkten - und die Rekordjagd scheint noch nicht zu Ende.

Chinas Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf

Das starke Wachstum der chinesischen Industrieproduktion und der Investitionen im Reich der Mitte seit Jahresbeginn kam unerwartet – und mit Vorbehalten. Vorbehalte dahingehend, dass diese an sich positive Entwicklung Zweifel daran aufkommen lassen, wie schnell die politischen Entscheidungsträger die zur Ankurbelung der Nachfrage und zur Erreichung des ehrgeizigen Wachstumsziels erforderliche Unterstützung verstärken werden. Wie das Nationale Statistikamt in der vergangenen Woche mitteilte, stieg die Industrieproduktion im Februar um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, was das schnellste Wachstum seit zwei Jahren darstellt und deutlich über den Schätzungen liegt. Die Einzelhandelsumsätze stiegen um 5,5 Prozent und entsprachen damit in etwa den Prognosen. Die starken Zahlen für die Industrie und die Investitionen sind ein weiterer Beleg dafür, dass einige Teile der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt an Fahrt gewinnen, nachdem die Konjunkturmaßnahmen Ende letzten Jahres verstärkt wurden.

Analysten beurteilen die Daten jedoch durchaus kritisch, denn ihrer Ansicht nach könnten diese auch die Argumente für eine Lockerung der Geldpolitik schwächen und den Anreiz für Maßnahmen zur Konsumförderung verringern. Die Anleger sind nun auf der Suche nach Hinweisen darauf, was die Regierung tun will, um das ausgerufene Wachstumsziel von rund fünf Prozent zu erreichen - ein Ziel, das dem des letzten Jahres ähnelt, aber angesichts einer ungünstigeren Vergleichsbasis schwerer zu verwirklichen ist.

Der Kupfermarkt spiegelt diese ambivalente Situation gut wieder, immerhin ist China der weltgrößte Verbraucher des roten Metalls. Kupfer hat in den letzten sechs Wochen in der Spitze um mehr als 13 Prozent zugelegt, was auf die Angebotsrisiken und die allgemein positiveren globalen Wirtschaftsaussichten zurückzuführen ist. Zudem wurde der Markt von den Signalen der Federal Reserve über künftige Zinssenkungen gestützt. Anfang der vergangenen Woche, am Tag der Veröffentlichung der chinesischen Wirtschaftsdaten, erreichte Kupfer ein 11-Monats-Hoch. Zunehmende Zweifel am Stützungswillen der chinesischen Regierung trugen jedoch im Wochenverlauf dazu bei, dass Kupfer seine Gewinne wieder abgab und die Woche im Minus beendete.

Rohstoffe mit Aufwärtspotenzial

Auch der bekannte ehemalige Goldman-Analyst Jeff Curry, der lange Jahre das öffentliche Gesicht des Rohstoff-Researchs der Wall-Street-Bank war und erst vor kurzem bei The Carlyle Group LP angeheuert hat, setzt zukünftig auf steigende Preise, bezogen auf den gesamten Rohstoffkomplex. Hintergrund dieser Einschätzung sind zum einen die in den kommenden Monaten bevorstehenden Leitzinssenkungen der US-Notenbank und zum anderen die Maßnahmen Chinas zur Förderung der Produktion.

Darüber hinaus deutet aber auch der merkliche Wiederaufbau der Lagerbestände in Europa auf steigende Rohstoffpreise hin, insbesondere bei Erdöl und Kupfer. Bei letzterem bestehe zudem ein Versorgungsrisiko mit dem Metall durch Minen und Schmelzwerke. Die Ölpreise waren in den letzten Wochen relativ stabil, obwohl Rohöl der Sorte Brent am vergangenen Montag aufgrund von Bedenken über die Auswirkungen der russischen Raffinerieausfälle auf beinahe 88 Dollar pro Barrel angestiegen war.

Gold mit Preisexplosion – aber Minenaktien hinken hinterher

Während Gold mittlerweile in sämtlichen bedeutenden Weltwährungen auf neue Höchststände gesprungen ist und weiterhin von hoher Zentralbanknachfrage und der alles beherrschenden Zinssenkungsfantasie profitiert, ist bei denjenigen Unternehmen, die es aus dem Boden holen, von Partystimmung wenig zu spüren. So konnten Goldbarren seit Beginn des letzten Jahres aufgrund der starken Käufe vor allem der chinesischen Zentralbank und der verschiedener Schwellenländer um rund 20 Prozent zulegen, die Fonds, die die wichtigsten Produzenten abbilden, haben sich jedoch kaum bewegt oder sind sogar gefallen.

So handelt der VanEck Gold Miners ETF, der einen nach Marktkapitalisierung gewichteten Index der weltweiten Goldminenunternehmen abbildet, ziemlich genau dort, wo er zu Beginn des Jahres 2023 stand. Der S&P/TSX Gold Index ist im gleichen Zeitraum sogar leicht gefallen. Dieser Trend frustriert sowohl Minenchefs als auch Anleger, aber selbst die größten der Branche können sich den Schwierigkeiten, die die massiv gestiegenen Finanzierungskosten und die hohen Energiepreise für den Bergbau mit sich bringen, nicht entziehen.

Allerdings sind diese Klagen auch nur die halbe Wahrheit, denn Fakt ist auch, dass sich nicht wenige zunehmend im Bereich der sogenannten Energiemetalle engagieren, zulasten der Goldproduktion. So warnten jüngst bereits Newmont Corp. und Barrick Gold, die beiden weltgrößten Goldförderer, vor einer in diesem Jahr geringer ausfallenden Produktion. Gold und Goldaktien haben sich in den letzten 15 Monaten entkoppelt, die Goldindustrie ist im Vergleich zu einigen anderen Sektoren derzeit nicht wettbewerbsfähig genug.

Das Licht am Ende des Tunnels liefert auch für die Minenaktien der US-Notenbankchef, der mit dem versprochenen Zinssenkungskurs sowohl den Goldpreis stützt als auch die Refinanzierungslage jener Unternehmen verbessert. Der bei diesen zu erwartende höhere freie Cashflow bietet potenziell bessere Kapitalerträge und zusätzlichen Spielraum für weitere Explorationen und die Aufrechterhaltung, möglicherweise sogar die Ausweitung, der Produktion. Die Performance-Lücke, die sich zwischen dem Metallpreis und den Förderern aufgetan hat ist bemerkenswert groß, entsprechen groß sind die Chancen, die sich aus dieser Situation ergeben. Der Zeitpunkt einer Erholung der Goldaktien ist natürlich unklar, das Umfeld verbessert sich jedoch deutlich.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis bei 10.000 US-Dollar? Warum Analysten einen historischen Durchbruch erwarten

Gold gilt seit jeher als sicherer Hafen, doch die aktuelle Debatte wirkt anders. Steigende globale Verschuldung, anhaltende Inflation und...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

avtor1
Markus Grüne

                                                                            ***

Markus Grüne (49) ist langjähriger professioneller Börsenhändler in den Bereichen Aktien, Derivate und Rohstoffe. Seit 2019 arbeitet er als freier Finanzmarkt-Journalist, wobei er unter anderem eigene Börsenbriefe und Marktanalysen mit Fokus auf Rohstoffe publiziert. 

DWN
Politik
Politik Energieprojekt Bornholm: Dänemark und Deutschland einigen sich auf gemeinsame Finanzierung
28.01.2026

Deutschland und Dänemark rücken bei einem zentralen Energieprojekt enger zusammen. Welche wirtschaftlichen und strategischen Folgen hat...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch: Trump treibt Gold-Rallye weiter an – sind bald schon 6.000 Dollar möglich?
28.01.2026

Der Goldmarkt erlebt derzeit eine historische Ausnahmesituation: Ein neues Goldpreis-Rekordhoch folgt dem nächsten. Trumps...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Puma unter chinesischem Großaktionär: Welche europäischen Sportmarken unabhängig bleiben
28.01.2026

Der Einstieg eines chinesischen Großaktionärs bei Puma rückt die Eigentümerstrukturen europäischer Sportmarken in den Fokus. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Verdacht auf Geldwäsche: BKA durchsucht Deutsche Bank
28.01.2026

Erneut Ärger wegen möglicher Geldwäsche: Justiz und BKA sichern Beweise bei der Deutschen Bank. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang...

DWN
Politik
Politik Haseloff-Nachfolger: Schulze neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
28.01.2026

Nach 15 Jahren Reiner Haseloff übernimmt Sven Schulze das Amt des Regierungschefs in Sachsen-Anhalt – und muss gleich gegen einen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau: Amazon streicht weltweit 16.000 Arbeitsplätze
28.01.2026

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon baut erneut Tausende Stellen ab. Was hinter den Entlassungen steckt und wie der Konzern auf die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Konjunkturausblick für Deutschland: Bundesregierung reduziert Wachstumsprognose
28.01.2026

Die Bundesregierung senkt ihre Wachstumsprognose und passt den wirtschaftspolitischen Kurs an. Welche Folgen hat der Beschluss für...

DWN
Finanzen
Finanzen Gehaltsverhandlung: Tipps für mehr Gehalt in schwierigen Zeiten – der 7-Punkte-Plan zur Gehaltserhöhung
28.01.2026

Inflation, Unsicherheit, Sparkurs: Viele Beschäftigte zögern mit der Gehaltsverhandlung. Doch gerade jetzt kann der richtige Ansatz den...