Finanzen
Anzeige

Steuereinnahmen 2022 durch Automatenspiele und Sportwetten

Automatenspiele, Sportwetten und Co. erhöhen deutlich die Steuereinnahmen
16.04.2024 10:28
Aktualisiert: 16.04.2024 10:28
Lesezeit: 3 min

Lotterien, Sportwetten und Geldspielautomaten sind in Deutschland schon lange möglich. Der neue Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) erlaubt seit Juli 2021 auch das Online-Glücksspiel. Das sorgte für Jubel unter den Glücksspielbegeisterten, was sich mittlerweile auch in einer deutlichen Umsatzsteigerung widerspiegelt. Davon profitiert auch der Staat: Im Jahr 2022 konnten mehr Steuern im Glücksspielbereich eingenommen werden als jemals zuvor.

So generierte der Staat im vergangenen Jahr insgesamt 2,42 Milliarden an Steuereinnahmen aus dem Glücksspielbereich generieren. Das sind rund vier Prozent mehr als im Jahr 2021. Wie sich die Steuereinnahmen zusammensetzen, wie der Staat sie verwendet und welche Einnahmen in den nächsten Jahren zu erwarten sind, erfährst Du im folgenden Beitrag.

Online-Poker und Online-Automatenspiele als Booster für die Steuereinnahmen

Grundsätzlich zählen zum Glücksspielbereich in Deutschland neben den klassischen Lotterien und Geldspielautomaten auch Sportwetten und Online-Casinospiele. Für die gestiegenen Steuereinnahmen sind dabei in erster Linie die Online-Angebote in den Bereichen Online-Poker und virtuelle Spielautomaten verantwortlich. Laut den veröffentlichten Zahlen steigerte der Fiskus alleine bei den Onlineautomatenspielen seine Steuereinnahmen auf rund 287 Millionen Euro. Gegenüber 2021 bedeutet das eine Steigerung von beachtlichen 51 Prozent. Dieses gute Ergebnis konnten die Einnahmen aus dem Segment Online-Poker sogar noch einmal deutlich nach oben schrauben. 33 Millionen Euro fielen hier an Steuern an, was ein Plus von 141 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet.

Die eigentlich beliebten Sportwetten lassen die Steuereinnahmen sinken

Demgegenüber stagnierten die Steuereinnahmen aus den traditionell in Deutschland beliebten Lotterien. Allerdings musst Du hierbei berücksichtigen, dass sich die Lotteriesteuern eh schon auf einem sehr hohen Niveau bewegen. Insgesamt lagen die Steuereinnahmen in diesem Bereich bei 1,66 Milliarden Euro. Obwohl Sportwetten und dabei insbesondere Fußballwetten immer mehr Tipper anzieht, sind hier lediglich vergleichsweise geringe 432 Millionen an den Fiskus geflossen. Das bedeutet einen Rückgang der Steuereinnahmen um acht Prozent gegenüber 2021. Das verwundert, da eine Fußball-Weltmeisterschaft eigentlich die Wettumsätze nach oben treibt. Die WM 2022 in Katar brachte diesen Effekt letztendlich aber nicht.

Wohin fließen die Steuereinnahmen aus dem Online-Glücksspielereich?

In der Gesamtbetrachtung sind es demnach vor allem die Kategorien Online-Poker und virtuelle Spielautomaten, die für die Steigerung der Steuereinnahmen die entscheidenden Faktoren darstellen. Wofür der Fiskus bzw. der Staat die in diesen Bereichen angefallenen Steuereinnahmen verwendet, ist indes nicht klar geregelt.

Während die eingenommenen Lotteriesteuern einem konkret definierten Verwendungszweck unterliegen, gibt es hinsichtlich der Steuereinnahmen aus den Online-Bereichen keine Vorgaben in dieser Richtung. Die Steuereinnahmen aus dem staatlichen Lotteriebetrieb müssen demnach zumindest zu einem großen Teil in den Naturschutz, das Sportwesen, die Wohlfahrt sowie in den Kulturbereich fließen.

Es gibt keine staatlichen Vorgaben in Form konkreter Verwendungszwecke

Demgegenüber existieren für die Einnahmen aus den neuen Abgaben für Online-Angebote keine konkreten Verwendungszwecke. Zwar sollen die Steuermehreinnahmen nach Aussage mehrerer Finanzminister aus ostdeutschen Bundesländern dem Gemeindewohl dienen, aber dies stellt im Grunde genommen nicht mehr als eine Empfehlung dar. Daher sind die einzelnen Bundesländer auch nicht zwingend verpflichtet, die Steuereinnahmen für gemeinnützige Projekte, kulturelle Veranstaltungen oder zum Beispiel die Suchtberatung einzusetzen. Diesbezüglich herrscht Nachholbedarf seitens der Staatsmacht.

Experten stellen Forderungen für die Verwendung der steuerlichen Mehreinnahmen

Diese Vorgehensweise stößt mittlerweile auf lautstarke Kritik. So forderte unlängst zum Beispiel mit Steffen Otterbach als Leiter der Forschungsstelle Glücksspiel an der Hohenheimer Universität ein anerkannter Experte und Insider einen konkreten Verwendungszweck für die neuen Steuereinnahmen. Er schlägt vor, dass diese Mehreinnahmen zum einen direkt in die Suchtbekämpfung investiert wird. Zum anderen sollte das Geld auch in die Forschung und Prävention von Suchterkrankungen fließen. Denn wie eng der Zusammenhang zwischen pathologischem Glücksspiel und Suchterkrankungen ist, konnte noch nicht ausreichend erforscht bzw. definiert werden.

Zusätzliche Brisanz durch das Spielen bei illegalen Anbietern

Betrachtest Du dabei den aktuellen rechtlichen Hintergrund, gewinnen die Forderungen nach klar definierten Regeln hinsichtlich des Verwendungszwecks noch einmal deutlich an Brisanz. Denn bei den Steuereinnahmen im Online-Glücksspielbereich gibt es noch reichlich Potenzial nach oben.

Timo Weber von GambleBase bringt die aktuelle Situation auf den Punkt: "Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel könnten noch deutlich gesteigert werden. Dafür müssten für Spieler attraktivere Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit ausschließlich auf legales Glücksspiel zurückgegriffen wird."

Dazu musst Du wissen, dass in Deutschland auch 2023 ein Großteil des Online-Glücksspiels immer noch als illegal eingestuft wird. Die Einnahmen aus diesem Sektor besitzen daher aktuell auch keine steuerliche Relevanz. Steuern kassiert der Fiskus nur von den Glücksspielbetrieben mit einer in Deutschland anerkannten Konzession. Illegale Anbieter mit Sitz beispielsweise in Malta oder Curacao umgehen dagegen die Steuer. Das Problem dabei: Viele Spieler aus Deutschland bevorzugen den nicht regulierten Glücksspielbereich.

Das legale Glücksspiel benötigt attraktivere Rahmenbedingungen

Dafür gibt es Gründe. Die aktuellen Rahmenbedingungen erweisen sich hier als Hemmschuh. Es fehlt ihnen schlichtweg an Attraktivität. Viele Spieler sind zum Beispiel unzufrieden mit der 5-Sekunden-Regel und vor allem den strengen Limits. Solche Beschränkungen gibt es bei illegalen Glücksspielanbietern nicht. Wird genau an dieser Stelle der Hebel angesetzt, kann der Staat seine Steuereinnahmen aus dem Glücksspielbereich noch weiter steigern.

Der Dachverband Deutsche Automatenwirtschaft schätzt in diesem Zusammenhang, dass dem Staat durch das Glücksspiel bei illegalen Anbietern Steuereinnahmen von jährlich mindestens einer halben Milliarde Euro entgehen. Werden endlich attraktive Rahmenbedingungen für das legale Glücksspiel geschaffen, profitiert der deutsche Staat davon also nachhaltig.


DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau-Jobs in Gefahr: Deutscher Anlagenbau baut 22.000 Stellen ab
13.02.2026

Die anhaltende Konjunkturflaute hinterlässt tiefe Spuren auf dem Arbeitsmarkt der deutschen Schlüsselindustrie. Im Jahr 2025 ist die Zahl...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zeitmanagement: Wie Führungskräfte ihren Arbeitsalltag gezielt steuern
13.02.2026

In vielen Unternehmen entgleitet Führungskräften der Arbeitsalltag, weil Kalender und Meetings von Fremdprioritäten dominiert werden....

DWN
Finanzen
Finanzen Jenoptik-Aktie: Kurs stabilisiert sich nach Wachstums-Ausblick für 2026
13.02.2026

Die Jenoptik-Aktie hat am Freitag eine Berg- und Talfahrt erlebt. Nach einem frühen Kurseinbruch konnten die Papiere ihre Verluste...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bauwirtschaft in Europa vor Aufschwung: Deutschland hinkt beim Wohnungsbau hinterher
13.02.2026

Während die europäische Bauwirtschaft vor einer deutlichen Wachstumsphase steht, bleibt die Lage in der Bundesrepublik angespannt....

DWN
Politik
Politik Russland verliert Zugang zum Satellitennetzwerk Starlink: Konsequenzen für den Ukraine-Krieg
13.02.2026

Russland hat den Zugang zu Elon Musks Satellitennetzwerk Starlink verloren und damit ein zentrales Instrument im Ukraine-Krieg eingebüßt....

DWN
Politik
Politik Trump verschärft Iran-Kurs: Drohungen gegen Teheran trotz laufender Gespräche
13.02.2026

Im festgefahrenen Streit um das iranische Atom- und Raketenprogramm setzt US-Präsident Donald Trump verstärkt auf Einschüchterung....

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 07: Die wichtigsten Analysen der Woche
13.02.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 07 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firmenpleiten 2026: Entspannung in Sicht oder nur die Ruhe vor dem Sturm?
13.02.2026

Nach der massiven Pleitewelle zu Beginn des Vorjahres verzeichnet das Statistische Bundesamt für den November einen moderateren Anstieg...