Technologie

Infineon vor herausforderndem Quartal: Augenmerk auf Zukunftsaussichten

Der Chiphersteller Infineon sieht schwieriges Quartal voraus, mit moderaten Rückgängen und angespanntem Automobilmarkt. Wie geht es weiter?
02.05.2024 05:54
Aktualisiert: 03.05.2024 04:00
Lesezeit: 2 min

Der Chip-Markt bleibt angespannt. Abseits des Hypes um Halbleiter für die künstliche Intelligenz (KI) haben Wettbewerber wie STMicroelectronics zuletzt über eine entgegen den Erwartungen sinkende Nachfrage aus dem Automobilsektor geklagt – ein Geschäftsfeld, in dem Infineon stark vertreten ist. Im ersten Geschäftsquartal hielt sich das Geschäft noch gut, Konzernchef Jochen Hanebeck hielt Anfang Februar an den Wachstumserwartungen der Sparte im laufenden Geschäftsjahr trotz der Verlangsamung der Nachfrage im Bereich Elektromobilität fest. Probleme hat Infineon mit verbrauchernahen Anwendungen, hier werden weiter hohe Lagerbestände abgebaut. Hanebeck rechnete zuletzt erst in der zweiten Kalenderhälfte mit einer Erholung.

Für das zweite Geschäftsquartal hat Infineon weitere Rückgänge in Aussicht gestellt, wobei sich der Umsatzrückgang im Vergleich zum Vorquartal leicht abschwächen dürfte. Das Unternehmen erwartet einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro und eine Segmentergebnis-Marge von 18 Prozent. Im Vorquartal betrug der Umsatz 3,7 Milliarden Euro bei einer Marge von 22,4 Prozent. Im Vorjahreszeitraum hatte Infineon dank des damaligen Chipbooms Umsätze von mehr als vier Milliarden und eine Marge von 28,6 Prozent erzielt.

Die Prognose für das Geschäftsjahr musste Infineon zum ersten Quartal einkassieren. Neben der Marktschwäche belasten negative Währungseffekte die Entwicklung. Infineon geht für 2023/24 (per Ende September) von einem Umsatz von etwa 16 Milliarden Euro in der Mitte der Spanne (plus/minus 500 Millionen) aus. Dies würde ein Umsatzminus im Vergleich zum Vorjahr von rund zwei Prozent bedeuten. Ursprünglich hatte der Chiphersteller eine Milliarde Euro mehr in Aussicht gestellt. Etwa die Hälfte des Rückgangs des erwarteten Umsatzes geht dabei den Angaben zufolge auf Währungseffekte zurück. Dabei unterstellt Infineon einen Euro-Dollar-Wechselkurs von 1,10.

Die Segmentergebnis-Marge, die das operative Ergebnis abbildet, erwartet Infineon bei einem niedrigen bis mittleren 20er-Prozentsatz, nach zuvor avisierten 24 Prozent. Im vergangenen Geschäftsjahr standen hier noch 27 Prozent zu Buche. Hanebeck hatte zum Jahresauftakt von einer "schwierigen Großwetterlage" gesprochen und das laufende Geschäftsjahr als „Übergangsjahr“ bezeichnet.

Was Analysten sagen

Marktexperten rechnen mit einem Quartal im Rahmen der Unternehmenserwartungen. Laut UBS-Experte Francois-Xavier Bouvignies hielten viele Investoren jedoch die Umsatzprognose für das Automobilgeschäft für das laufende Geschäftsjahr für zu hoch. Überhaupt stehen Aussagen über die weitere Entwicklung im Mittelpunkt des Interesses.

In einem von Infineon veröffentlichten Konsens gehen die Analysten im Mittel ihrer Schätzungen für das zweite Quartal von einem Umsatz von 3,6 Milliarden sowie einer Segmentergebnis-Marge von 18,2 Prozent aus. In der zweiten Geschäftsjahreshälfte dürfte das Unternehmen sequenziell wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren.

Für das gesamte Geschäftsjahr sind die Analysten zurückhaltend und erwarten den Umsatz mit 15,6 Milliarden Euro am unteren Ende der von Infineon ausgegeben Spanne. Die Marge wird bei 21,4 Prozent gesehen.

Die Anleger hätten Zweifel an den Jahreszielen, schrieb Tammy Qiu von der Privatbank Berenberg jüngst in einer Studie mit Blick auf die schwächere Entwicklung der Aktie im laufenden Jahr. Sie rechnet dabei mit einer Anpassung. Dennoch zeigte sie sich zuversichtlich, dass der Halbleitermarkt von einer Erholung nicht mehr allzu weit entfernt sei.

Simon Coles von Barclays sieht es als zentrale Frage, ob der Chiphersteller seine Ziele für die Autosparte senken wird. Der Experte rechnet aber erst mit möglichen Kürzungen im Jahr 2025, auch wenn der Autoendmarkt wegen des langsameren Wachstums bei E-Autos abbremsen dürfte.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...

DWN
Politik
Politik Recht auf Reparatur: So sparen Sie künftig Geld bei Handy, Waschmaschine & Co.
25.03.2026

Schluss mit der Wegwerf-Kultur: Das neue „Recht auf Reparatur“ soll die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Smartphones deutlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BASF-Aktie: Mega-Werk in China eröffnet – Wachstumschance oder riskante Wette?
25.03.2026

Der Chemieriese BASF setzt voll auf Expansion: Mit der offiziellen Eröffnung des neuen Verbundstandorts in Zhanjiang nimmt der...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Hammer 2026: Steigende Preise und Zins-Schock durch Iran-Krieg
25.03.2026

Immobilienkäufer stehen vor einer Doppelbelastung: Erstmals seit 2022 ziehen die Preise wieder an (+3,2 %), während der Iran-Krieg die...