Technologie

Nvidia-Aktie vor Ausbruch? Chipkonzern will mit neuem Computersystem KI-Dominanz festigen

Nvidia ist beim Thema Künstliche Intelligenz einer der wichtigsten Player auf dem Weltmarkt. Dank des KI-Hypes befindet sich die Nvidia-Aktie im Bullenmodus, Anleger freuen sich über ein Kursplus von mehr als 230 Prozent in den vergangenen 12 Monaten seit Mitte März 2023. Und jetzt legt der US-Chipkonzern mit einem neuen Computersystem nach, mit dem er seine führende Rolle bei Technik für Künstliche Intelligenz ausbauen möchte.
19.03.2024 10:04
Aktualisiert: 19.03.2024 10:27
Lesezeit: 3 min
Nvidia-Aktie vor Ausbruch? Chipkonzern will mit neuem Computersystem KI-Dominanz festigen
Dank KI-Hype ist die Nvidia-Aktie das Maß aller Dinge (Foto: dpa).

Firmenchef Jensen Huang stellte eine neue Generation von Nvidias Computerplattform vor. Nvidia sieht das System mit dem Namen Blackwell als "Antrieb einer neuen industriellen Revolution" durch KI. Das System sei beim Anlernen von Künstlicher Intelligenz vier Mal leistungsstärker als die aktuelle Generation Grace Hopper.

Nvidias Computersysteme dominieren in Rechenzentren beim KI-Training. Der Konzern will auch seine Rolle bei der Erzeugung von Inhalten mit Hilfe Künstlicher Intelligenz ausbauen. Das "Blackwell"-System sei darin 30 Mal besser als "Hopper", betonte Huang am Montag auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz GTC in San Jose. Zudem gibt es von Nvidia dafür neue Software, die über Schnittstellen auch via Cloud genutzt werden kann.

Nvidia: Computersystem der Zukunft entwickelt

Huang zeigte sich überzeugt, dass in der Zukunft die meisten Inhalte nicht vorgefertigt aus Speichern abgerufen werden, sondern dass KI-Software sie ausgehend aus der aktuellen Situation frisch erzeugen werde. Nvidia habe das Computersystem für diese Zukunft entwickelt. So werde man sich zum Beispiel mit Gebäuden per Chatbot unterhalten können, anstelle irgendwo Daten einzusehen.

Mit Grace Hopper hätte man zum Beispiel den Chatbot ChatGPT innerhalb von drei Monaten mit 8.000 Nvidia-Chips und einem Stromverbrauch von 15 Megawatt trainieren können, sagte Huang. Mit Blackwell schaffe man das in derselben Zeit mit 2.000 Chips und 4 Megawatt Strom.

ChatGPT ist der Chatbot der Entwicklerfirma OpenAI, der vor über einem Jahr den aktuellen Hype rund um Künstliche Intelligenz auslöste. Solche Software wird mit gewaltigen Mengen an Informationen trainiert und kann auf dieser Grundlage zum Beispiel Sätze auf dem sprachlichen Niveau eines Menschen und Bilder aus Text-Vorgaben generieren. Nvidia wolle die Technologie auch nutzen, um Wettervorhersagen zu erzeugen, sagte Huang. Dafür entwickelt der Konzern eine Welt-Simulation mit dem Namen "Earth 2".

Nvidia setzt auch auf Roboter

Nvidia bündele seine Chips für Maxwell in Computersysteme mit rund 600.000 Bauteilen und einem Gewicht von mehr als 1,3 Tonnen, betonte Huang. Die ursprünglich für Grafikkarten entwickelten Nvidia-Technologien bewähren sich schon seit Langem bei der Rechenarbeit für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz. Konkurrenten wie Intel und AMD konnten bisher keinen Anschluss finden. Das lässt das Geschäft - und den Börsenwert - von Nvidia rasant wachsen. Große KI-Unternehmen wie Microsoft, Google und Amazon planen bereits den Einsatz von Blackwell.

Nvidias neuer "KI-Superchip" ist nach dem amerikanischen Mathematiker David Blackwell benannt. Nvidia will damit auch den Einsatz sogenannter "digitaler Zwillinge" vorantreiben, in denen Unternehmen ihr gesamtes Geschäft im Computer simulieren können. Bevor man etwas in der realen Welt baut, werde man es künftig zunächst digital simulieren, betonte Huang.

Mit diesem Konzept macht Nvidia auch Apples Computerbrille Vision Pro nützlicher für den Einsatz in Unternehmen. Nvidias 3D-Umgebung Omniverse, mit der Firmen "digitale Zwillinge" ihrer Produkte und Fabriken erstellen können, kommt auf das Apple-Gerät. Die Technologie wird oft bei der Gestaltung von Objekten verwendet. Huang demonstrierte sie am Montag bei der hauseigenen Entwicklerkonferenz GTC unter anderem am Beispiel des südkoreanischen Autobauers Hyundai. So konnte ein Designer verschiedene Farbvarianten eines Automodells in unterschiedlichen Umgebungen ansehen - und sich auch virtuell ans Lenkrad setzen. Apple will mit der 3.499 Dollar (rund 3.200 Euro) teuren Vision Pro einen sogenannten "räumlichen Computer" etablieren, mit dem man sich digitale Inhalte auch innerhalb der realen Umgebung anzeigen lassen kann.

Nvidia setzt auch auf Roboter. "Alles, was sich bewegt, wird robotisch sein", sagte der Firmenchef. Das Ziel sei, dass Roboter allein schon dadurch lernen können, dass sie Menschen beobachten. "Der ChatGPT-Moment für Robotik könnte unmittelbar bevorstehen", sagte Huang. Eine zentrale Rolle sollen dabei Simulationen spielen, in denen Roboter für die reale Welt lernen.

Nvidia-Aktie outperformt Intel und AMD

Auch bei der Kursentwicklung können die Konkurrenten AMD und Microsoft nicht mit Nvidia mithalten. Während der Nvidia-Kurs in den vergangenen 12 Monaten 232 Prozent zulegen konnte, verzeichnet die AMD-Aktie ein Plus von annähernd 100 Prozent, die Microsoft-Aktie kletterte lediglich etwas mehr als 50 Prozent.

Auch bei der Kursentwicklung dürfte die Nvidia-Aktie das Maß aller Dinge bleiben. Die Analysten empfehlen das Papier durchweg zum Kauf - und auch die Kursziele sind teilweise astronomisch hoch: Das US-Analysehaus Bernstein Research beispielsweise hob den fairen Wert für Nvidia nach Quartalszahlen auf 1.000 US-Dollar an, die Einstufung lautet "Outperform". Mitte März 2024 kostet die Nvidia-Aktie annähernd 870 US-Dollar. (dpa)

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