Politik

Mobilfunkanbieter erwägen Klage bei Huawei-Verbot für 5G-Netz

Das 5G-Netz soll das Internet in Deutschland auf Trab bringen - und damit viele Lebensbereiche digitaler machen. Welche Rolle soll dabei Technik aus China spielen?
23.05.2024 17:09
Aktualisiert: 23.05.2024 17:09
Lesezeit: 3 min

Deutsche Mobilfunkanbieter erwägen eine Klage im Fall eines möglichen 5G-Netzumbaus. Für einen rückwirkend notwendigen Umbau des Netzes würde Telefónica „Schadensersatzansprüche gegen die Bundesrepublik Deutschland prüfen“, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Zudem bestünde die Möglichkeit, eine potenzielle Entscheidung zur Untersagung von Komponenten oder Lieferanten gerichtlich überprüfen zu lassen. Auch die Deutsche Telekom bekräftigte, im Falle eines Verbotes von Technik chinesischer Hersteller „Entschädigungsforderungen im Sinne unserer Aktionärinnen und Aktionäre prüfen“ zu wollen. Der Magenta-Konzern hatte dies in den vergangenen Monaten bereits mehrfach angekündigt.

Der Einsatz chinesischer Komponenten in künftigen deutschen Handynetzen wird nach Angaben des Bundesinnenministeriums weiter geprüft. „Insgesamt ist der Stand, dass die Prüfung zu den kritischen 5G-Komponenten noch läuft“, sagte ein Sprecher in Berlin. Ob die noch laufende Prüfung bedeutet, dass die politischen Gespräche ebenfalls weitergehen, blieb unklar. „Etwaige Gespräche innerhalb der Bundesregierung sind vertraulich, daher können wir Gespräche nicht bestätigen“, sagte der Sprecher des Bundesinnenministeriums. Mobilfunkanbieter bringen sich derweil bereits für mögliche Klagen in Stellung.

Ampel will in Sachen 5G-Netz eine rasche Lösung herbeiführen

Gestern nun haben Kanzler Olaf Scholz (SPD) und mehrere Minister über das Thema beraten. Die Ampel-Regierung hat sich nach Angaben aus Regierungskreisen auf den Umgang mit Komponenten chinesischer Hersteller wie Huawei und ZTE für das künftige deutsche Mobilfunknetz geeinigt. „Es gibt eine Entscheidung über das weitere Vorgehen“, hieß es. „Die Bundesregierung handelt auf der Grundlage der Nationalen Sicherheitsstrategie und der China-Strategie, um mögliche Sicherheitsrisiken und Abhängigkeiten zu reduzieren.“ Details wurden nicht genannt. Gleichzeitig soll die Prüfung des Bundesinnenministeriums zu kritischen Komponenten in 5G-Mobilfunknetzen aber weitergehen und „in Kürze“ abgeschlossen sein.

Mit dabei waren demnach Innenministerin Nancy Faeser (SPD), Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) sowie Außenministerin Annalena Baerbock und Wirtschaftsminister Robert Habeck (beide Grüne). Eine zeitnahe Lösung wird angestrebt, womöglich noch vor der parlamentarischen Sommerpause, die Anfang Juli beginnt.

Das Innenministerium hatte sich im September bereits festgelegt, Huawei und ZTE mit Verboten radikal aus dem Netz zu drängen. Die drei Mobilfunkanbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland (O2) sollten ihre Kernnetze bis Ende 2025 von kritischen Komponenten chinesischer Herkunft befreien. Bis 2026 sollten im Zugangsnetz möglichst die großen Metropolen – allen voran die Hauptstadt Berlin - frei von chinesischen Bauteilen sein.

Im Ressort von Digitalminister Wissing gab es jedoch Bedenken. Dort argumentierte man, es gebe bereits strenge Vorschriften. Ein Sprecher betonte am Donnerstag: „Die Darstellung, dass das Bundesministerium für Digitales und Verkehr eine Entscheidung über Sicherheitsfragen beim Mobilfunknetzausbau blockiert, weisen wir entschieden zurück.“

Grüne: Verbaute Komponenten schnell wieder entfernen

Die beiden Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz und Misbah Khan warnten in einer gemeinsamen Stellungnahme vor dem Einsatz der Technologie. Je weniger Technologien aus autoritären Staaten in deutschen Telekommunikationsnetzen verbaut sei, desto besser. „Und je schneller wir verbaute Technologie wieder entfernen, desto sicherer“, erklärten sie. „Viel zu große Abhängigkeiten von einzelnen Anbietern müssen schnellstmöglich reduziert werden.“

Digitalpolitiker von SPD und der FDP zeigten sich dafür offen, den Netzbetreibern eine deutlich längere Frist für den Rückbau einzuräumen. „Ein Ausbau der Huawei-Komponenten im 5G-Netz bis 2029 ist ein guter und notwendiger Schritt“, sagte der digital politische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Maximilian Funke-Kaiser. Der SPD-Digitalexperte Jens Zimmermann erklärte, wichtig sei, dass nun das 5G-Verfahren „rechtssicher“ abgeschlossen und mögliche weitere Zeitverluste durch Klageverfahren verhindert werden können. „Von daher halte ich die Frist für vertretbar und verantwortbar, wenn die Netzbetreiber endlich die bislang ignorierten Signale der Politik ernst nehmen und ihre Netze – und zwar möglichst vor Ablauf der Frist – sicherer machen und von problematischen Abhängigkeiten endlich Abstand nehmen“, sagte er.

Vertreter von Grünen und CDU äußerten hingegen Unbehagen. „Bis zum Jahr 2029 kann extrem viel passieren. Wirtschaftspolitische Überlegungen derart vor sicherheitspolitischen zu gewichten, birgt ein ganz enormes Risiko. Glasklar muss sein, wer die politische Verantwortung im Schadensfall trägt“, erklärten von Notz und Khan. Der CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter sagte: „Ich halte eine Ausbaufrist bis 2029 für gefährlich, weil es die Bedrohung durch chinesische Komponenten, die bereits jetzt unsere Wirtschaft wie auch Sicherheitsbehörden gefährden, bewusst ignoriert beziehungsweise länger bestehen lässt.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs im freien Fall: KI-Aktien ziehen Milliarden ab
14.07.2026

Der Bitcoin-Kurs stürzt ab, Milliarden fließen aus den großen Krypto-Fonds und selbst institutionelle Anleger ziehen sich zurück....

DWN
Panorama
Panorama Goldener Windbeutel 2026: LaVita landet auf Platz eins
14.07.2026

Goldenen Windbeutel 2026: 66.000 Verbraucher haben abgestimmt. Der überteuerte Saft von LaVita ist die dreisteste Werbelüge des Jahres....

DWN
Politik
Politik Terrorgefahr? Iranische Drohungen sorgen für neue Sicherheitswarnungen in Deutschland
14.07.2026

Ein iranischer Zeitungsbeitrag sorgt in Berlin für wachsende Besorgnis. Politiker mehrerer Parteien sehen darin mehr als bloße Propaganda...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chemieindustrie: Warum Deutschland seine industrielle Basis verspielt
14.07.2026

Sie steht selten im Rampenlicht, doch ohne sie läuft fast nichts: Europas Chemieindustrie liefert die Grundlage für Medikamente,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Sandisk-Aktien brechen um 13 Prozent ein, da Chip-Ausverkauf die Wall Street erschüttert
13.07.2026

Turbulente Zeiten an der Börse: Erfahren Sie, welche Ereignisse die Technologieriesen jetzt ins Wanken bringen.

DWN
Finanzen
Finanzen Eurozone: Inflation fällt überraschend deutlich – was das für die EZB-Zinspolitik bedeutet
13.07.2026

Die Inflation in der Eurozone ist im Juni stärker gesunken als erwartet. Nach dem Preisschub durch den Krieg im Nahen Osten und hohe...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft E-Auto-Produktion in Europa legt zu: Neue Studie zeigt überraschende Entwicklung
13.07.2026

Die europäischen Strafzölle auf Elektroautos aus China sollten heimische Produktionsstandorte stärken. Erste Daten deuten tatsächlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Lululemon-Aktie: Michael Burry sieht jetzt eine Chance
13.07.2026

Die Lululemon-Aktie hat in den vergangenen Monaten deutlich an Wert verloren. Mehrere Rückschläge, interne Probleme und ein schwieriges...