Wirtschaft

So sparen Unternehmer Kosten und Nerven

Dank diverser Vergleichsportale kann man besonders günstige Stromanbieter relativ leicht ausfindig machen und dadurch Kosten sparen. Mittlerweile gibt es sogar Dienstleister, die das Monitoring und den Wechselservice komplett übernehmen.
10.06.2024 09:34
Lesezeit: 4 min

Strom gilt in Deutschland als besonders teuer

Die hohen Strompreise gelten – neben Fachkräftemangel, hohen Bürokratiekosten und einer überalterten Bevölkerung – als klarer Standortnachteil. Freiberufler sowie Handwerker und Gewerbetreibende sollten deshalb unbedingt über einen Anbieterwechsel nachdenken.

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat im Jahr 2022 nicht nur bei Öl und Gas, sondern auch beim Strom zu einem regelrechten „Preisbeben“ geführt. In diesem Jahr explodierte nämlich der Strompreis an der European Energy Exchange (EEX) in der Spitze von 75 auf über 650 Euro/MWh (siehe Grafik) und hat sich mittlerweile wieder auf 67 Euro/MWh beruhigt. Diese Preiszuwächse haben sich aufgrund langfristiger Verträge und staatlicher Strompreisbremsen zwar nicht in vollem Umfang auf die Stromrechnungen der Verbraucher durchgeschlagen, seit der Liberalisierung des deutschen Strommarktes im Jahr 1998 hat sich für Endverbraucher der Preis für eine Kilowattstunde dennoch mehr als verdoppelt.

Deutscher Strompreis fährt Achterbahn

Quelle: European Energy Exchange (EEX)

Laut dem Internet-Vergleichsportal Verivox bezahlen deutsche Stromkunden pro Jahr fast 5,5 Milliarden Euro zu viel. Als besonders teuer gelten die Grundversorgungstarife der örtlichen Stromversorger. Verivox-Energieexperte Thorsten Storck weist darauf hin, dass man in Deutschland seit mehr als 25 Jahren einen Stromanbieter frei wählen könne. Dass dennoch fast ein Viertel der Stromkundinnen und -kunden freiwillig im teuersten Tarif verharrt, sei erstaunlich, schließlich kostet im bundesdeutschen Durchschnitt eine Kilowattstunde (kWh) Strom im Grundversorgungstarif derzeit 44,36 Cent. Bei den günstigsten verfügbaren Tarifen mit Preisgarantie fällt der Preis im Bundesschnitt mit 24,7 Cent/kWh deutlich niedriger aus.

Im Grunde genommen werden diejenigen bestraft, die seit Jahren oder gar Jahrzehnten den Grundversorgungstarif ihrer ortsansässigen Anbieter nutzen. Diese setzen offensichtlich auf die Bequemlichkeit ihrer Stammkundschaft und können durch deren überhöhte Preise die Wechselprämien und deutlich günstigere Tarife neuer Kunden finanzieren. Der gesunde Menschenverstand würde eher rechtfertigen, lokalpatriotische treue Kunden über besonders attraktive Preise zu belohnen. Weil dem aber nicht so ist, sollten Stromverbraucher ihre Komfortzone verlassen und „keine Skrupel haben“, zu günstigeren Anbietern zu wechseln. In Privathaushalten lassen sich dadurch pro Jahr mehrere hundert Euro sparen, bei Unternehmen dürften die Ersparnisse sogar deutlich höher ausfallen und sich dadurch positiv auf die Gewinnermittlung auswirken.

Was für Wechselwillige wichtig ist

Ein großer Vorteil des Grundversorgertarifs besteht darin, dass man diesen mit einer relativ kurzen Frist von 14 Tagen kündigen darf und man durch die Auswahl eines günstigeren Anbieters somit besonders viel sparen kann. Bei angekündigten Preiserhöhungen oder im Falle eines Umzugs hat man zudem ein Sonderkündigungsrecht. Wer seinen bisherigen Vertrag bereits gekündigt hat, kann direkt einen neuen Tarif abschließen. Bei noch bestehenden Vertragsverhältnissen sollte man zunächst die Vertragslaufzeit sowie die Kündigungsfrist in Erfahrung bringen, um den Wechsel zu einem neuen Stromanbieter rechtzeitig zu veranlassen.

Besonders interessant: Für den Fall, dass Unternehmen bestimmte Bedingungen erfüllen, sind sie möglicherweise zum Bezug von sogenanntem Gewerbestrom berechtigt. Dieser ist in der Regel günstiger als Haushaltsstrom, häufig aber an bestimmte Mindestabnahmemengen gekoppelt. In diesem Fall würde sich ein Wechsel etwas komplizierter gestalten, der geldwerte Vorteil in Form von niedrigeren Stromkosten dürfte im Gegenzug allerdings noch höher ausfallen.

Derzeit buhlen über 1.000 Stromanbieter um potenzielle Neukunden und bieten für die Vertragsdauer besonders günstige Strompreise in Verbindung mit Bonus-Zahlungen. Problem dabei: Nach Ende der Vertragslaufzeit folgen häufig üppige Preiserhöhungen. Dann hoffen die Anbieter auf die Trägheit des Kunden und das Verbleiben in dem „überteuerten“ Vertrag. Dass das ständige Überwachen der Stromverträge und Beobachten des Strommarktes Arbeit macht, Manpower bindet und dadurch Verwaltungskosten verursacht, liegt auf der Hand. Deshalb macht es für Unternehmer möglicherweise Sinn, diese Aufgabe an externe Dienstleister mit entsprechender Expertise auszugliedern und ihnen einen Teil der Kostenersparnis zukommen zu lassen – eine klassische Win-Win-Situation.

Monitoring und Wechselservice „outsourcen“

Um Interessenskonflikte zu vermeiden, sollte man bei der Auswahl eines Wechselservice-Anbieters darauf achten, dass dieser von den Energieversorgern keine Provisionen für die Vermittlung neuer Kunden erhält. Dies trifft u.a. auf die folgenden Anbieter zu: Wechselpilot.com, Cheapenergy24.de, Esave.de und Wechselstrom.eu.

Benjamin Reichenbach, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer der Cheapenergy24 GmbH, weist mit Blick auf das Einsparen von Energiekosten darauf hin, dass beim Abschluss neuer Tarife in der Regel einmalige Wechselprämien hauptverantwortlich für die erzielten Einsparungen seien. Dies führt dazu, dass der Abschluss eines Neukundentarifs – verglichen mit dem Bestandskundentarif – für den Verbraucher stets günstiger sei.

Ein großer Vorteil des Outsourcing der Energiekostenkontrolle eines Unternehmens besteht darin, dass der Wechselservice-Anbieter rechtzeitig vor Auslaufen der Vertragslaufzeit oder im Falle von Preiserhöhungen automatisch ein neues, kostengünstigeres Angebot unterbreitet. Unter dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ kann man dieses dann bei Vergleichsportalen wie zum Beispiel check24.de oder verivox.de auf Plausibilität überprüfen. Beide Portale wurden übrigens von der Stiftung Warentest (Finanztest 12/2021) von insgesamt acht Anbietern mit der Note „Befriedigend“ und damit besser als die Wettbewerber eingestuft.

By the way: Wer seine Energiekosten weiter reduzieren möchte, sollte über den Wechsel seines Gas-Anbieters ebenfalls nachdenken. Auch hier wird Vertragstreue in der Regel eher bestraft als belohnt. Mit Blick auf die hohen Energiepreise und deren deutlich gestiegenen Schwankungen gilt mehr denn je die alte Kaufmannsregel: Im Einkauf liegt der Gewinn. Da laut verivox.de die deutschen Strompreise weltweit zu den Top-9 gehören und in Europa lediglich in Liechtenstein, Irland und Italien noch höhere Niveaus herrschen, sollte sich die Bundesregierung hinsichtlich der schwindenden Wettbewerbsfähigkeit möglichst bald Gedanken über wirksame Preisbremsen machen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Verteidigungsfähigkeit: Bericht zu Verteidigungsbereitschaft der EU offenbart Lücken
28.09.2026

Signifikante Lücken bei der Luftverteidigung, bei Drohnen und bei Munitionsbeständen: Vor dem Treffen der europäischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
28.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Politik
Politik Erneuerbare Energien: Solarstromproduktion übertrifft Vorjahreswert
28.09.2026

Bereits Ende September hat die Solarstromproduktion in Deutschland den Vorjahreswert übertroffen. Welche Faktoren zu diesem Rekord...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
28.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-China-Handelskonflikt: Expertin warnt vor 50 verlorenen Jahren
28.09.2026

Chinas Exportmaschine setzt Europas Industrie zunehmend unter Druck, und ausgerechnet Deutschland trifft der neue Wettbewerb besonders...

DWN
Politik
Politik Klima-Transformation: Das steckt hinter dem Umbau der Stahlindustrie
28.09.2026

Weg von Kohle, hin zu Wasserstoff: Die deutsche Stahlindustrie steckt Milliarden in die Produktion von grünen Stahl. Doch die...

DWN
Panorama
Panorama Auswandern nach Andalusien: „In meinem Herzen habe ich zwei Seelen“
28.09.2026

Jens Halbroth und seine Frau Claudia suchten jahrelang nach einem neuen Lebensmittelpunkt. Sie reisten mit Motorrad und Wohnmobil durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Kryptowerte-Steuertransparenz-Gesetz: Was DAC8 für Bitcoin-Anleger bedeutet
28.09.2026

Bisher musste das Finanzamt Kryptogeschäfte oft mühsam nachvollziehen. Mit DAC8 ändert sich das: Seit 2026 sammeln Anbieter neue...