Unternehmen

Weiterverwertung statt Schrottpresse: VW plant Stromgroßspeicher in Norddeutschland

VW entdeckt eine neue Nutzungsmöglichkeit für ausgediente E-Auto-Batterien. In großer "Power Centern" sollen sie künftig Ökostrom für Flauten speichern. Die erste Anlage soll schon 2025 am Netz sein.
09.06.2024 10:24
Lesezeit: 2 min
Weiterverwertung statt Schrottpresse: VW plant Stromgroßspeicher in Norddeutschland
Mitarbeiter öffnen die ausgediente Batterie eines Elektroautos im Batterie-Recycling im VW-Werk Salzgitter. Nun sollen sie weiter verwendet werden - als Speicher. (Foto. dpa) Foto: Julian Stratenschulte

VW entdeckt eine neue Nutzungsmöglichkeit für ausgediente E-Auto-Batterien. In großer "Power Centern" sollen sie künftig Ökostrom für Flauten speichern. Die erste Anlage soll schon 2025 am Netz sein.

Der Volkswagen-Konzern steigt in den Betrieb von großen Batteriespeichern für das Stromnetz ein. Im kommenden Jahr werde in Deutschland das erste sogenannte "Power Center" ans Netz gehen, das Ökostrom zwischenspeichert, kündigte Technik-Vorstand Thomas Schmall am Freitag in Berlin an. Der Standort werde im Norden Deutschlands sei, der erste Spatenstich soll in den nächsten sechs bis acht Wochen erfolgen. «Und wir werden Anfang nächsten Jahres ans Netz gehen», sagte Schmall. «Wir sind dann in der konkreten Umsetzung.»

Betreiben soll die Anlage die VW-Ladenetzsparte Elli. Die Kapazität werde zunächst bei 700 Megawattstunden liegen und lasse sich später auf eine Gigawattstunde ausbauen, sagte Schmall. Das entspreche in etwa der Kapazität eines Gaskraftwerks. Weitere «Power Center» sollen folgen. Damit erschließe sich der Konzern ein neues Geschäftsfeld in einem wachsenden Markt.

Puffer für Wind- und Solarstrom

Die Anlagen sollen als Puffer für Wind- und Solarenergie dienen und so helfen, das Stromnetz zu stabilisieren. "Unsere Investitionen in stationäre Batteriespeicher sind daher ein wesentlicher Beitrag zur nachhaltigen Transformation der Energieversorgung", sagte Schmall. Denn nach wie vor müssten bei einem Überangebot immer wieder Windräder und Solaranlagen abgeschaltet werden. Das lasse sich mit großen Batteriespeichern ändern.

VW geht davon aus, dass sich der Bedarf an solchen Batteriespeichern in Deutschland in den kommenden Jahren verzehnfachen wird. Bisher seien in der Bundesrepublik insgesamt nur Speicher für eine Gigawattstunde verfügbar. "Das verdoppeln wir allein mit diesem einen Power Center", so Schmall.

Zweiter Einsatz für alte E-Auto-Batterien

Zudem erschließe Europas größter Autobauer ein weiteres Einsatzgebiet für ausgediente E-Auto-Batterien, deren Leistung im Auto nicht mehr ausreicht, die aber noch genug Strom für Großspeicher aufnehmen können. Bei der ersten Anlage werde man zunächst zwar auf fabrikneue Batterien zurückgreifen müssen, da es noch nicht genügend Rückläufer aus Elektroautos gebe, räumte Schmall ein. "Die kommen ja jetzt erst auf uns zu." In Zukunft wolle man in den "Power Centern" aber gezielt ausgemusterte E-Auto-Batterien einsetzen, bevor sie im dritten Schritt wiederverwertet werden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte VW in Kassel ein kleineres Power Center eröffnet, mit dem die Konzernsparte Elli seither am Handel an der Strombörse teilnimmt. Zum Einsatz kommen dort ausgediente Batteriesysteme aus dem inzwischen eingestellten Elektro-Kleinstwagen E-Up. Auch andere Autobauer wie BMW und Audi nutzen ausgediente Batterien als stationäre Stromspeicher, bisher aber nur für die eigene Energieversorgung oder an Ladestationen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kurzarbeit in Deutschland: 133 Millionen Stunden verloren – ein Warnsignal
09.05.2026

Die Zahl ausgefallener Arbeitsstunden durch Kurzarbeit steigt weiter an und signalisiert eine wachsende Belastung für die deutsche...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Warum Europas Unternehmen unter Regulierung leiden
09.05.2026

Zwar gilt die EU vielen als Anker für Stabilität, doch im Mittelstand wächst der Unmut. Die regulatorische Dichte aus Brüssel wird...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wenn Führungskräfte scheitern: Warum Unternehmen Ideen oft nicht umsetzen
09.05.2026

Viele Führungskräfte scheitern nicht an Strategie oder Marktbedingungen, sondern daran, wie sie ihre Ideen im Unternehmen vermitteln und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Volvo EX60: Warum dieses Elektro-SUV Mercedes, BMW und Audi nervös machen dürfte
09.05.2026

Volvo baut mit dem EX60 nicht einfach ein neues Elektro-SUV, sondern eine Wette auf die Zukunft der Marke. Der Wagen soll beweisen, dass...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Streit um Obi-Orange: Warum Farben über Marken-Erfolg entscheiden
09.05.2026

Der Baumarkt Obi steht vor dem Bundesgerichtshof (BGH) im Streit um den rechtlichen Schutz seiner markanten Hausfarbe Orange. Der Fall...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Milliardenbaustelle Deutschland: Warum Großprojekte oft scheitern – und was sich strukturell ändern muss
09.05.2026

Vom Hauptstadtflughafen bis zum Bahnknoten Stuttgart: Deutschlands Großprojekte entwickeln sich oft zu Dauerbaustellen mit Kosten in...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Investitionen: Big Tech verbrennt Milliarden und muss Rendite liefern
09.05.2026

Die großen US-Techkonzerne melden starkes Wachstum, doch die Euphorie bekommt Risse. Microsoft, Amazon, Meta und Alphabet pumpen enorme...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: S&P 500 und Nasdaq wieder auf historischen Höchstständen
08.05.2026

Ein Handelstag der extremen Kontraste: Warum an der Börse Euphorie herrscht, während die Alltagssorgen wachsen.