Unternehmen

Kleine Firmen stecken mehr Zeit und Geld in Weiterbildung

Mitarbeiter von Großunternehmen lassen sich 18 Stunden im Jahr weiterbilden. Bei kleineren Betrieben ist es einer Studie zufolge deutlich mehr - dabei fällt es diesen schwerer, Beschäftigte zu begeistern.
18.06.2024 06:45
Lesezeit: 2 min

In kleineren Unternehmen in Deutschland hat Weiterbildung vielfach einen höheren Stellenwert als in mittelgroßen und großen. Das geht jüngst veröffentlichten Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (Kofa) des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft hervor. Beschäftigte in kleinen Betrieben lassen sich demnach durchschnittlich 23,9 Stunden im Jahr weiterbilden und damit länger als Mitarbeiter von mittelgroßen (19,1) und großen Unternehmen (18,1).

Für die Studie wurden Personalverantwortliche aus mehr als 950 Firmen befragt. Als klein gelten Unternehmen mit weniger als 50 Beschäftigten, als mittelgroß solche mit 50 bis 249, als groß mit 250 und mehr. Kleine Betriebe investieren demnach jährlich 1492 Euro pro Mitarbeiter in Weiterbildung, mittelgroße 1288 Euro und große 1267 Euro. Dabei profitieren Großunternehmen jedoch vielfach von Kostenvorteilen, sagte Studienautorin Susanne Seyda. Da sie mehr Personen anmelden, können sie Weiterbildungsmaßnahmen häufig günstiger einkaufen.

Der Sozialverband Deutschland sieht es kritisch, dass größere Firmen weniger Zeit und Geld in Weiterbildung stecken: «Es ist ein alarmierender Trend», sagte die Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier. Gerade vor dem Hintergrund, dass die Menschen immer länger arbeiten sollen, sei es wichtig, sie frühzeitig zu qualifizieren oder umzuschulen. So könnten sie gegebenenfalls von stark belastenden Tätigkeiten zu leichteren Tätigkeiten wechseln. Dies sei «die beste Prävention vor Arbeitslosigkeit», so Engelmeier.

Geringeres Interesse in kleinen Unternehmen

Die Bedeutung von Weiterbildung hat zuletzt stark zugenommen. Im Jahr 2016 investierten die Unternehmen laut Kofa 33,5 Milliarden Euro, um Beschäftigte weiterzubilden, 2022 waren es mehr als 46 Milliarden Euro. «In Zeiten des Fachkräftemangels wird es immer wichtiger, dass Mitarbeiter bereit sind, zusätzliche Kompetenzen aufzubauen», betonte Seyda.

Die größten Hindernisse für Weiterbildung sind laut Umfrage fehlende Zeit und mangelnde interne Kapazitäten für Organisation und Planung. Zudem gibt es eine weitere Schwierigkeit. Kleinen und mittelgroßen Betrieben fällt es häufig schwer, Beschäftigte für die Angebote zu begeistern. So klagt gut die Hälfte über ein zu geringes Interesse, in großen Unternehmen ist dies nicht so oft der Fall (36,4 Prozent). Weil Weiterbildungen in kleineren Betrieben seltener mit einem beruflichen Aufstieg verbunden sind, fehlt für Mitarbeiter ein wichtiger Anreiz.

Expertin: Mitarbeitergespräche sinnvoll

Die Notwendigkeit von Weiterbildungen wird in den Unternehmen unterschiedlich eingeschätzt. Knapp 48 Prozent der kleinen oder mittelgroßen Betriebe sehen keinen Bedarf, bei größeren ist dies deutlich seltener der Fall. Kleinere Firmen gehen das Thema Weiterbildung oft weniger systematisch an. Das hat auch damit zu tun, dass es kein Personal oder eine spezielle Abteilung gibt, um Angebote zu planen und zu organisieren.

«Das kann negative Auswirkungen haben, weil vorhandener Weiterbildungsbedarf dann möglicherweise nicht gesehen wird, Mitarbeitende schwerer zu motivieren sind oder Angebote schwerer zu finden sind, wenn nicht klar ist, welchem Zweck die Weiterbildung dienen soll», sagte Kofa-Expertin Seyda.

Sie empfiehlt regelmäßige Mitarbeitergespräche, um Interesse zu wecken und die Begeisterung in der Belegschaft zu erhöhen. Darin könnten Entwicklungspläne erstellt und Ziele vereinbart werden. Dies trage dazu bei, den Nutzen von Weiterbildungsmaßnahmen sichtbar zu machen und eine entsprechende Kultur fester zu verankern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Brady TwinLead: Wenn das Etikett plötzlich mitdenkt

Ein Etikett bleibt am Produkt, doch die Informationen dahinter können sich verändern. Mit TwinLead verbindet Brady physische...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte: Nasdaq und S&P 500 sacken ab, während Inflationssorgen steigen
14.10.2026

Welche Entwicklungen die Märkte jetzt erschüttern und wo sich überraschende Chancen auftun.

DWN
Politik
Politik Wie gewinnt man den nächsten Krieg? Ex-US-Verteidigungsminister Austin erläutert in Warschau die NATO-Strategie
14.10.2026

Der pensionierte General Lloyd Austin, der unter Präsident Joe Biden US-Verteidigungsminister war, hat beim Warsaw Security Forum die...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell unter Druck: Nach US-Inflationsschub blicken Anleger auf die Fed
14.10.2026

Der Goldpreis tendiert am Mittwochnachmittag in der Verlustzone, weil höhere US-Verbraucherpreise die Hoffnung auf eine Zinssenkung...

DWN
Politik
Politik Trumps Vereinbarung mit Putin dreht sich um weit mehr als Diesel
14.10.2026

Donald Trumps Diesel-Abkommen mit Wladimir Putin wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich: US-Gesetze begrenzen russische...

DWN
Technologie
Technologie Starlink in der Ukraine: Streit um neue Geschwindigkeitsgrenze
14.10.2026

In der Ukraine wächst der Ärger über eine offenbar neue Einschränkung beim Satelliteninternet Starlink. Nach Angaben aus dem Umfeld von...

DWN
Politik
Politik Zuckersteuer beschlossen: Kabinett bringt Extra-Steuer auf den Weg
14.10.2026

Zwischendurch hatte das Kanzleramt sie gestoppt, das Finanzministerium musste nacharbeiten - jetzt ist die Zuckersteuer in der...

DWN
Politik
Politik Grüngasquote für private Haushalte ab 2028 sorgt für Kritik
14.10.2026

Die schwarz-rote Koalition hatte sich bei der Einigung auf das neue Gebäudemodernisierungsgesetz - als Nachfolger des...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Prognose: Warum die nächsten Tage alles verändern könnten
14.10.2026

Bitcoin steht vor einer entscheidenden Bewährungsprobe. Nach massiven Kapitalabflüssen aus Bitcoin-ETFs und einem Kursrutsch auf nahezu...