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IHKs und Mittelstand: So unterstützen die großen Kammern Unternehmen

Vom 18. Jahrhundert bis heute: Die Industrie und Handelskammern (IHKs) gestalten Deutschlands wirtschaftlichen Fortschritt. Sie überstanden Krisen und fördern nun Innovation und Mittelstand in einer Zeit des digitalen Wandels. Lesen Sie hier, wie die IHKs zur Förderung von Innovation, Internationalisierung und Startups beitragen.
21.03.2024 07:57
Lesezeit: 3 min
IHKs und Mittelstand: So unterstützen die großen Kammern Unternehmen
Auszeichnung von Top-Azubis durch die IHK München im Oktober 2022: IHKs bieten ein breites Dienstleistungsangebot, von Aus- und Weiterbildung bis hin zur Internationalisierung und Innovation. (Foto: Matthias Balk/IHK-Regionalausschuss München).

Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) passen sich seit ihrer Entstehung im 18. Jahrhundert kontinuierlich an die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen an, die sich zunehmend wandeln. Während der industriellen Revolution unterstützten sie das Wirtschaftswachstum durch die Modernisierung von Bildungswesen und Produktion. Auch in schwierigen Zeiten, wie während der Weltwirtschaftskrise und des Nationalsozialismus, behielten die IHKs ihre wichtige Rolle bei. Sie trugen nach 1945 entscheidend zum deutschen Wirtschaftswunder bei.

Sie bieten derzeit ein breites Dienstleistungsangebot, das von Aus- und Weiterbildung über Rechts- und Steuerberatung bis hin zur Internationalisierung und Innovation reicht. Damit sollen sie nach ihrem gesetzlichen Auftrag unter anderem das unternehmerfreundliche Klima stärken.

IHK München und Oberbayern: Zwischen Sorgen und Wirtschaftsstärke

Die IHK für München und Oberbayern, die größte ihrer Art mit rund 420.000 gesetzlichen Mitgliedern, spielt eine Schlüsselrolle in einer der dynamischsten Wirtschaftsregionen Deutschlands. Ein bedeutender Anteil ihrer Mitglieder gehört dem Mittelstand an, was ihre zentrale Bedeutung unterstreicht. Die genaue Anzahl oder der Prozentsatz ihrer mittelständischen Unternehmen variiert laut Angaben der IHK München und Oberbayern je nach Definition des Mittelstandsbegriffs.

Die mittelständische Wirtschaft sieht sich auch in Bayern vor vielfältigen Herausforderungen, die eine gezielte Unterstützung erfordern. „Derzeit sehen die Unternehmen einen besonders hohen Bedarf bei der wirtschaftspolitischen Interessenvertretung, bei Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und gegen den Bürokratieaufbau“, teilte die IHK München und Oberbayern auf Anfrage der Deutschen Wirtschaftsnachrichten (DWN) mit. Zur Ermittlung der aktuellen Problemlagen führe sie regelmäßig Umfragen unter ihren Mitgliedern durch, darunter auch dreimal im Jahr die Konjunkturumfrage. „In den Krisenlagen der vergangenen Jahre (Corona, Energiepreise) hat die IHK die Bedürfnisse der Gesamtwirtschaft konsequent kommuniziert und damit zu vielen entsprechenden politischen Maßnahmen beigetragen“, fügte die IHK München hinzu.

Anpassungsfähigkeit und Herausforderungen der Zukunft

Die IHKs sollen ihre Angebote kontinuierlich an die dynamische Welt der Startups und die Bedürfnisse des Mittelstands anpassen. Ihre Fähigkeit, auf neue Markttrends mit innovativen Programmen flexibel zu reagieren, macht sie zu einer unverzichtbaren Ressource für Startups und mittelständische Unternehmen. Sie unterstützt nicht nur bei der Digitalisierung und der Erschließung internationaler Märkte, sondern begleitet Unternehmen auch auf ihrem Wachstumspfad.

Damit überschreiten die IHKs die Grenzen eines reinen Netzwerks für etablierte Unternehmen. Sie fungieren außerdem als bedeutende Akteure im wirtschaftlichen Ökosystem. Die Förderung des generationenübergreifenden Austauschs demonstriert ihre Rolle bei der Unterstützung von Gründungen, Innovationen und Vernetzung.

Wirtschaftsexperten betrachten die IHKs als unverzichtbare Institutionen für die Wirtschaft. Insbesondere im Bereich der Unternehmensnachfolge erweisen sie sich als essenzielle Unterstützer, indem sie Unsicherheiten entgegenwirken und den Übergang erleichtern können. Laut einer Studie des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn haben in Deutschland im Zeitraum von 2022 bis 2026 etwa 190.000 Unternehmen mit Nachfolgeproblemen zu kämpfen. Besonders betroffen ist Nordrhein-Westfalen mit fast 40.000 Unternehmen, gefolgt von Bayern mit fast 35.000 und Baden-Württemberg mit mehr als 27.000. Die unternehmensbezogenen Dienstleistungen, das produzierende Gewerbe und der Handel sind die Branchen, die am meisten von Nachfolgeproblemen betroffen sein könnten.

IHKs: Entstehung und Entwicklung

In Deutschland gibt es derzeit insgesamt 79 IHKs. Sie werden in der Dachorganisation, dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), zusammengefasst. Gleichzeitig kann jede Einrichtung die Interessen der Unternehmen ihres Bezirks gegenüber der Politik und Verwaltung vertreten. Die regionale Verteilung der IHKs sorgt dafür, dass die spezifischen Bedürfnisse und Interessen der Wirtschaft je nach Bundesland vertreten sind.

Seit ihrer Gründung im 19. Jahrhundert haben die IHKs in Deutschland das wirtschaftliche Wachstum maßgeblich unterstützt. Sie halfen auch, das deutsche Kaiserreich wirtschaftlich zu integrieren. Sie behielten in Krisenzeiten wie der Weimarer Republik und während des Nationalsozialismus ihre Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg trugen sie wesentlich zum Wirtschaftswunder bei, indem sie versuchten, den Wiederaufbau und die Demokratisierung der Wirtschaft zu beschleunigen. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands spielten die IHKs eine entscheidende Rolle beim Aufbau Ostdeutschlands. Sie förderten da die Marktwirtschaft und schufen neue Arbeitsplätze. Das führte zu einem schnelleren Zusammenwachsen der Wirtschaft in betreffenden Regionen.

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Farhad Salmanian

Zum Autor:

Farhad Salmanian arbeitet bei den DWN als Online-Redakteur. Er widmet sich den Ressorts Politik und Wirtschaft Deutschlands sowie der EU. Er war bereits unter anderem für die Sender BBC und Radio Free Europe tätig und bringt mehrsprachige Rundfunkexpertise sowie vertiefte Kenntnisse in Analyse, Medienbeobachtung und Recherche mit.

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