Finanzen

Aktienmarkt: Wie lange hält der KI-Hype noch an - Risiko Trump?

Bis Anfang Juli sah es an den US-Börsen und auch am deutschen Aktienmarkt noch ziemlich gut aus. Allmählich verfliegt die Euphorie wieder und die anstehenden Wahlen in den Vereinigten Staaten verunsichern Anleger. Experten sehen dunkle Wolken aufziehen.
25.07.2024 15:28
Aktualisiert: 25.07.2024 15:46
Lesezeit: 2 min
Aktienmarkt: Wie lange hält der KI-Hype noch an - Risiko Trump?
Die US-Börsen waren bei den Kurssteigerungen der vergangenen Monate tonangebend (Foto: dpa). Foto: Stephen Shaver

Bis vor wenigen Wochen bestimmten Optimismus das Geschehen an den Aktienbörsen, vor allem in den USA. Der Boom der Künstlichen Intelligenz (KI) sowie absehbar sinkende Zinsen und damit verbundene Konjunkturhoffnungen lieferten den Treibstoff für die Rally der vergangenen Monate.

Doch am Anlegerhorizont ziehen Wolken auf. Eine zweite Amtszeit von Donald Trump als US-Präsident gilt als durchaus wahrscheinlich. Furcht vor neuen Handelskonflikten macht sich breit. Auch der KI-Schwung ließ jüngst etwas nach - Anleger fragen sich, wie weit es hier noch nach oben gehen kann. Die weltweit tonangebende Wall Street zeigt insgesamt Ermüdungserscheinungen.

Dem Dax gelang es ebenfalls nicht, seine Bestmarke vom Mai bei knapp 18.900 Punkten nochmal zu überbieten. Der deutsche Leitindex notiert aktuell bei rund 18.200 Punkten. Kritiker mahnen, dass am deutschen Aktienmarkt gute Perspektiven schon größtenteils vorweggenommen worden und stattdessen viel Spielraum für negative Überraschungen besteht.

Wer wird Präsident in den USA?

Die Frage, ob das Weiße Haus nach dem Rückzug von Joe Biden dank der neuen Kandidatin Kamala Harris in demokratischer Hand bleibt oder ob Trump nach dem Attentat auf ihn wieder das Zepter übernimmt, wird sich im November entscheiden. „Aus Sicht der Finanzmärkte bedeuten die jüngsten Entwicklungen zunächst einmal „nur“ eine gewisse Unsicherheit“, kommentiert Sören Hettler, Leiter Anlagestrategie und Privatkunden bei der DZ Bank.

KI-Boom an der Börse lässt nach

Bis auf Weiteres verfolgen die Anleger erst einmal gebannt, wie in den USA die Tech-Giganten Nvidia, Apple und Microsoft um den Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt ringen - angetrieben von der Erwartung, dass KI-Anwendungen die Kassen kräftig klingeln lassen und dabei am Ende auch für deutsche Unternehmen ein Gewinn herausspringt.

Deren Ertragsaussichten erscheinen günstiger, nachdem die hohen Inflationsraten aus dem Jahr 2022 inzwischen Geschichte sind. Das schafft Spielraum für sinkende Zinsen der Notenbanken. Finanzierungskosten von Staaten, Unternehmen und Privatleuten könnten damit sinken - gute Vorzeichen für Investitionen von Unternehmen und für den Konsum.

Die KI-Welle am Aktienmarkt, die viele Techwerte hatte hochschnellen lassen, verlor jüngst jedoch an Kraft. Ein Grund: Angesichts gestiegener Chancen auf eine Regierung Trump setzen große Investoren verstärkt auf traditionellere Industriezweige, ein Stück weit zulasten der Technologiebranche. Die Aktie des hochgelobten KI-Chipherstellers Nvidia ist von seinem Höchststand Mitte Juni inzwischen gut 15 Prozent zurückgefallen. Zuletzt geriet die Google-Mutter Alphabet am Markt unter Druck, und der Elektroautobauer Tesla stürzte nach abermals enttäuschenden Quartalszahlen ab.

Ökonomen sind eher pessimistisch

Edgar Walk, Chefvolkswirt von Metzler Asset Management, etwa sieht die Luft an der Ertragsfront dünner werden. „Es dürfte für die Unternehmen zunehmend schwieriger werden, die hohen Erwartungen zu erfüllen“, auch weil die Weltwirtschaft nur moderat wachse. Gerade in Sachen KI hegen Anleger denn auch große Erwartungen - viele Unternehmen verdienen mit dem Thema zwar auch schon gutes Geld, nicht wenige müssen das aber erst noch beweisen.

Mit Blick auf die US-Präsidentschaftswahl am 5. November gibt Felix Herrmann, Chefvolkswirt von Aramea Asset Management, zu bedenken: „Anders als eine bekannte Börsenweisheit besagt, könnten die politischen Märkte längere Beine haben.“ Denn Aufbruchstimmung werde wohl unabhängig vom Wahlsieger nicht erzeugt. Vielmehr drohe eine noch größere Spaltung der US-Gesellschaft.

Vorsichtig gibt sich auch Michael Heise, Chefökonom des Vermögensverwalters HQ Trust: Ein Sieg von Trump werde allenfalls eine kurze Phase der wirtschaftlichen Belebung durch Steuersenkungen und Deregulierung bringen. Langfristig aber könnten die negativen Folgen für die Weltwirtschaft erheblich sein. Europa sehe sich dann wohl durch verstärkten Protektionismus sowie eine Infragestellung der regelgebundenen Ordnung herausgefordert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Wie Verbraucher mit Risiko umgehen – zwischen Finanzentscheidungen und digitaler Unterhaltung

Risiko ist ein Begleiter fast jeder wirtschaftlichen Entscheidung. Mal ist es größer, mal kleiner. Mal offensichtlich, mal schwer...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik EU plant Reform der DSGVO: Weniger Bürokratie für Unternehmen
25.04.2026

Die EU will zentrale Digitalregeln wie DSGVO und Cookie-Vorgaben vereinfachen und stärker aufeinander abstimmen. Führt der geplante Umbau...

DWN
Politik
Politik Großzügig, teuer, umstritten: Wie tragfähig ist unser Sozialstaat noch?
25.04.2026

Arbeit soll sich lohnen. So lautet das Versprechen. Doch zwischen Grundsicherung, Arbeitsanreizen und Fachkräftemangel werden die Zweifel...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neues E-Auto von Volkswagen: Cupra Raval im Test
25.04.2026

Der Cupra Raval rückt als günstiges Elektroauto in den Fokus der europäischen Herstellerstrategie. Kann das Modell eine neue...

DWN
Panorama
Panorama 40 Jahre nach Tschernobyl: Die langfristigen Folgen für Deutschland
25.04.2026

Die Nuklearkatastrophe von 1986 wirkt bis heute nach – auch in Deutschland. Doch wie stark ist die Strahlenbelastung 40 Jahre nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Open-XDR gegen Cyberangriffe: Wie Unternehmen den Überblick behalten
25.04.2026

Unternehmen stehen angesichts wachsender Cyberangriffe und komplexer IT-Strukturen vor der Herausforderung, Sicherheitsrisiken schneller...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Wettbewerbsfähigkeit: Draghi-Bericht setzt neue Maßstäbe in der EU-Politik
25.04.2026

Draghis Bericht zu Europas Wettbewerbsfähigkeit gewinnt in Brüssel spürbar an Einfluss und prägt zentrale wirtschaftspolitische...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: S&P 500 steigt dank Tech-Gewinnen, obwohl die meisten Aktien an der Wall Street fallen
24.04.2026

Entdecken Sie, welche überraschenden Dynamiken die Märkte in dieser volatilen Phase antreiben und warum nicht alles so ist, wie es auf...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Viega: Wie ein Sauerländer Mittelständler den Weltmarkt für Pressverbindungstechnik dominiert
24.04.2026

Was niemand sieht, hält alles am Laufen. Ein Porträt über den Sauerländer Mittelständler Viega, der mit Pressverbindungstechnik...