Unternehmen

DAX-Konzerne erhalten Milliarden an Subventionen vom Staat

Deutschlands größte Börsenkonzerne haben in den letzten Jahren dreistellige Milliardengewinne erzielt und dabei gleichzeitig hohe staatliche Subventionen bekommen. Allein im Jahr 2023 flossen mindestens 10,7 Milliarden Euro an die 40 DAX-Unternehmen - fast doppelt so viel wie im Vorjahr, das mit 6 Milliarden Euro beziffert wurde.
29.07.2024 15:55
Aktualisiert: 29.07.2024 15:55
Lesezeit: 2 min

Dies zeigt eine Analyse des Flossbach von Storch Research Institute, einer Denkfabrik des gleichnamigen Kölner Vermögensverwalters, der über 70 Milliarden Euro Kundengelder verwaltet.

Subventionen stiegen nach 2018 stark an

Bis 2018 lagen die Subventionen jährlich bei rund zwei Milliarden Euro, doch in den Folgejahren stieg der Betrag stark an. Insgesamt flossen von 2016 bis 2023 rund 35 Milliarden Euro staatlicher Gelder an die größten Börsenkonzerne.

"Das Ausmaß, in dem profitable Konzerne mit öffentlichen Geldern unterstützt werden, hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen", schrieb Analyst Philipp Immenkötter. Die Gesamtsumme sei konservativ geschätzt, da Unternehmen Spielräume haben, was sie in Geschäftsberichten als Subventionen deklarieren. Diese Zahlen sind bemerkenswert, da die Bundesregierung gleichzeitig um Haushaltskürzungen ringt.

Für die Studie wurden die Geschäftsberichte der DAX-Konzerne ausgewertet. Im Herbst 2021 stieg die Zahl der DAX-Mitglieder im Zuge einer Reform von 30 auf 40, weshalb die heutigen 40 DAX-Mitglieder bis 2016 zurückverfolgt wurden, um Verzerrungen zu vermeiden.

Eon und Volkswagen erhielten die meisten Gelder

Zwar gebe es Argumente für Subventionen, schreibt Immenkötter. So könnten Unternehmen in Krisen wie der Corona-Pandemie gestützt und Arbeitsplätze erhalten werden. Dennoch stelle sich die Frage, "ob es wirtschaftlich notwendig ist, die DAX-Konzerne in diesem Ausmaß mit Steuergeldern zu unterstützen." Laut Studie belief sich 2023 der Netto-Gewinn der DAX-Konzerne auf 117 Milliarden Euro.

Der Energiekonzern Eon erhielt seit 2016 die meisten Subventionen mit mehr als 9,3 Milliarden Euro. Der Großteil dieser Summe resultiert aus dem Strompreisbremsegesetz und dem ErdgasWärme-Preisbremsengesetz, wodurch Zahlungen von Kunden ersetzt oder Einkaufspreise reduziert wurden. Zudem bekam Eon diverse staatliche Investitionszuschüsse. Volkswagen folgte mit 6,4 Milliarden Euro. Der Autobauer erhielt unter anderem Steuervergünstigungen und Förderungen für Forschung in der Antriebs- und Digitaltechnik. Auf Platz drei landete BMW mit 2,3 Milliarden Euro, darunter Zuschüsse für den Bau von Standorten.

Eon bezeichnete die Ausführungen der Studie zu den Preisbremsen als "irreführend". Ihr Ziel sei die Entlastung der Verbraucher gewesen, nicht die Subventionierung von Energieversorgern. Diese staatlichen Hilfen habe man unterstützt und mit großen Anstrengungen umgesetzt, betonte eine Konzernsprecherin. "So konnte verhindert werden, dass Millionen von Kunden entweder selbst in Vorleistung hätten gehen oder die enormen Preise selbst hätten tragen müssen."

Krisen und Klimawandel als Treiber der Subventionen

11 der DAX-Konzerne haben von 2016 bis 2023 jeweils mehr als eine Milliarde Euro an Subventionen erhalten, hieß es weiter in der Analyse. Der Durchschnitt (Median) betrage rund 200 Millionen Euro. Indirekte Subventionen wie der Umweltbonus für Privathaushalte beim Kauf von E-Autos wurden nicht erfasst, sie seien jedoch eine indirekte Subvention der Autoindustrie.

Der Anstieg der Subventionen liegt hauptsächlich in den Entscheidungen der Ampel-Regierung und der Großen Koalition, schrieb Immenkötter. Diese zielten darauf ab, die Wirtschaft zu transformieren und sie während der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs zu stützen. Die Gelder stammen unter anderem aus dem Klima- und Transformationsfonds und dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds.

Wird die Wirtschaft abhängig von Staatsgeldern?

Es sei jedoch zu befürchten, dass ein Großteil der Mittel private Gelder ersetze. Zudem führten Subventionen dazu, dass Konzerne in Geschäftsfelder investierten, deren langfristige Rentabilität unklar sei. "Mögliche Folgen der Subventionspolitik sind Ressourcenverschwendung, Wettbewerbsverzerrung und eine Abhängigkeit der Wirtschaft von staatlichen Geldern."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Frühstartrente kommt: Bundestag beschließt 10 Euro für Kinder
16.10.2026

Mit der Frühstartrente will der Staat Kindern monatlich zehn Euro für ein langfristiges Aktiendepot geben. Wer zuerst von der...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 47: Die Woche im Rückblick – KW 42
16.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Analyse: Europa steht geschlossen gegen China, verschärft aber den Konflikt um den Milliardenhaushalt
16.10.2026

Die EU sieht erste Fortschritte im Handelskonflikt mit China. Doch das Defizit wächst weiter, und Brüssel bereitet bereits neue...

DWN
Politik
Politik Deal um Verbrenner-Aus: Deutschland und Frankreich haben sich geeinigt
16.10.2026

Deutschland setzt sich dafür ein, dass weiter Neuwagen mit Verbrennungstechnologie zugelassen werden können. Frankreichs Präsident...

DWN
Finanzen
Finanzen Unser neues Magazin ist da: Steigende Zinsen, nervöse Börsen – Chancen für Ihr Kapital
16.10.2026

Das eigene Vermögen soll Sicherheit geben. Doch steigende Zinsen und nervöse Märkte machen derzeit Anlageentscheidungen schwieriger. Wer...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IWF-Warnung: Warum der KI-Boom eine neue Krise auslösen könnte
16.10.2026

Die Weltwirtschaft wächst, doch unter der Oberfläche braut sich eine gefährliche Mischung zusammen: Staaten häufen Rekordschulden an,...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Prognose: Einer der größten Käufer beginnt zu verkaufen
16.10.2026

Jahrelang kauften Zentralbanken Gold in außergewöhnlichem Umfang. Nun schlägt mit Kasachstan einer der größten Käufer einen anderen...

DWN
Politik
Politik Wer ist wer in den Kriegen im Nahen Osten
16.10.2026

Zehn Punkte zu Staaten, Rebellen und politischen Gruppen, die für Kriege, Lieferwege und Energiepreise entscheidend sind.