Finanzen

Ukraine-Friedensplan: Welche Aktien vom Ende des Ukraine-Krieges profitieren könnten – und welche nicht

Frieden bedeutet nicht nur geopolitische Stabilität, es zieht auch ein gigantisches Investitionsprogramm nach sich. Wer auf die richtigen Aktien setzt, könnte zu den größten Profiteuren eines Ukraine-Friedens gehören.
23.11.2025 12:27
Lesezeit: 3 min
Ukraine-Friedensplan: Welche Aktien vom Ende des Ukraine-Krieges profitieren könnten – und welche nicht
Der große Wiederaufbau: Welche Konzerne bei einem Ukraine-Frieden abkassieren und welche Aktien profitieren (Foto: iStockphoto.com/DenKuvaiev). Foto: DenKuvaiev

Ukraine-Krieg: Friedensplan stützt Banken, Bau und Chemie

Aktien von Unternehmen, die im Zusammenhang mit Waffenstillstand und Wiederaufbau in der Ukraine genannt werden, sind bereits deutlich nach oben geschnellt. Über ein Kriegsende in der Ukraine wird seit Beginn der Invasion spekuliert. Doch inzwischen sind dreieinhalb Jahre vergangen, seit Russland in die Ukraine einmarschierte – mit weitreichenden Folgen für die Märkte. Besonders stark zeigte sich dies im Energiesektor, bei der allgemeinen Inflation und zum Teil auch an den Aktienbörsen. Rüstungswerte verzeichneten kräftige Zuwächse, während in der Heimat vor allem die Geschichte von Krka Schlagzeilen machte – ein Unternehmen, das große Teile seines Geschäfts in Russland und der Ukraine tätigt.

Nach dem Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump drehte sich vieles auch politisch. Eine seiner zahlreichen kühnen Ankündigungen lautete, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Derzeit scheint das Kriegsende näher als je zuvor, die USA arbeiten an einem Ukraine-Friedensplan nach dem Vorbild des Gaza-Friedensplans. Zugleich scheint der Plan nur Russlands Wünsche zu erfüllen und es hat schon mehrfach so ausgesehen, als könnten Friedensinitiativen eine Lösung in absehbarer Zeit erreichen. Es bleibt also fraglich, was tatsächlich geschieht. Das ist die Konstante in der Politik. Auf der Wettplattform Polymarket liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine derzeit bei 14 Prozent.

Doch was würde ein Waffenstillstand oder gar ein Ukraine-Frieden für die Märkte überhaupt bedeuten? Entscheidend ist nicht nur, dass er zustande kommt, sondern wie. Ein eingefrorener Konflikt hätte andere Effekte als ein dauerhafter Frieden. Zudem könnten die Verhandlungen noch deutlich länger dauern, als es aktuell erscheint. Details und Nachhaltigkeit eines möglichen Abkommens sind von zentraler Bedeutung. Anleger stehen in den Startlöchern – doch angesichts der Unsicherheit handelt es sich um reine Spekulation. Selbst wenn einzelne Aktien im Falle eines Waffenstillstands Auftrieb erhalten, heißt das nicht, dass sie dieses Niveau halten. Vorsicht ist geboten.

Diese Aktien sollen bei einem Ukraine-Frieden steigen – oder steigen bereits

Die Schweizer Bank UBS hat schon vor einiger Zeit eine Liste veröffentlicht mit Aktien, die von einem Waffenstillstand profitieren dürften, sowie mit Titeln, die im Wiederaufbau Vorteile haben könnten. Der Waffenstillstands-Index (JPMorgan-Ukraine-Waffenstillstand-Korb) legte seit Jahresbeginn um rund 20 Prozent zu, der Wiederaufbau-Index (UBS Ukraine Reconstruction Index), um annähernd 32,1 Prozent. Zum Vergleich: Der europäische Leitindex Eurostoxx 600 stieg um 9,25 Prozent. Wie ftd.de berichtet, stehen auf der Liste für den Waffenstillstand sechs Banktitel, davon vier polnische und zwei österreichische – Raiffeisen und Erste. Eine Öffnung des Luftraums würde die Kosten der Airlines senken, die derzeit wegen Umfliegung der Ukraine und Russlands belastet sind.

Zugleich hoffen Anleger auf sinkende Treibstoffkosten. Im Bauwesen sind der österreichische Ziegel- und Dachziegelhersteller Wienerberger, der deutsche Chemiekonzern BASF sowie der dänische Isolierstoff-Spezialist Rockwool aufgeführt. Ebenfalls genannt werden die deutschen Chemiewerte Lanxess und Evonik Industries. Im Chemiesegment finden sich zudem die finnischen Holz- und Biomaterialunternehmen Stora Enso und UPM-Kymenne. Ein Wiedererstarken des Konsumentenvertrauens könnte auch Aktien von Coca-Cola und des polnischen Modehändlers LPP antreiben. Nach Jahresrendite führen Banken, gefolgt von Airlines. Am Ende steht der schweizerisch-ukrainische Konzern Ferrexpo, drittgrößter Exporteur von Eisenerzpellets weltweit.

Ukraine-Friedensplan: Die Kosten für den Wiederaufbau

Die Weltbank schätzt die Kosten für den Wiederaufbau der Ukraine im nächsten Jahrzehnt auf mehr als 524 Milliarden Dollar – das 2,8-Fache des nominalen ukrainischen BIP im Jahr 2024. Beim Wiederaufbau dürften Baukonzerne im Fokus stehen: Heidelberg Materials, Buzzi, Holcim, Budimex, CRH, Kingspan Group, Geberit sowie Wienerberger und Rockwool. Für Energieausrüstung und Industriegüter stünden Siemens, Schneider, Voestalpine und ArcelorMittal bereit. Kabel- und Industrieausrüstung könnten von Nexans, Rexel, Prysmian und NKT geliefert werden. Für Spezialmaterialien nennt UBS zudem den finnischen Stahlhersteller Outokumpu.

Polnische und österreichische Aktien

Auch auf dieser Liste tauchen polnische und österreichische Banken auf. Grund: Österreich war traditionell Brücke zwischen West- und Osteuropa, seine Banken größte Investoren in Mittel- und Osteuropa. Hinzu kommt, dass Raiffeisen einer der wenigen westlichen Player ist, die noch immer stark in Russland präsent sind.

Großes Potenzial beim Wiederaufbau erwartet Nachbar Polen. Es ist nicht nur eines der größten EU-Länder, sondern auch das Land, das die meisten ukrainischen Flüchtlinge aufgenommen hat. Zudem verbindet beide Nationen eine historische Nähe – Ukrainisch ist dem Polnischen verwandter als dem Russischen. Der polnische Blue-Chip-Index WIG20 legte seit Jahresbeginn um mehr als 33 Prozent zu und gehört damit zu den weltweit stärksten Aktienindizes. Haupttreiber sind erwartete Rüstungsinvestitionen und die Erholung der deutschen Wirtschaft.

Wie nachhaltig ist der Boom der Rüstungsaktien?

Rüstungswerte stiegen seit Kriegsbeginn stark, verstärkt durch den Gaza-Krieg und zuletzt durch die Ankündigung der EU, massiv aufzurüsten. Der europäische Verteidigungshaushalt trieb die Kurse – sie übertrafen sogar die „Magnificent Seven“ und wurden teurer als Tech-Aktien.

Wird ein Frieden die Begeisterung für Rüstung mindern, wenn die Nachfrage auf den Schlachtfeldern nachlässt? Danach sieht es aktuell aus: Die Rheinmetall-Aktie beispielsweise büßte in der abgelaufenen Woche rund 10 Prozent an Wert ein, nachdem die Berichte über den Ukraine-Friedensplan der USA die Runde machten. „Wenn die Kämpfe in der Ukraine aufhören, erwarte ich, dass Verteidigungsaktien etwas nachgeben. Aber ich glaube, dass der fundamentale Treiber weiterbesteht“, sagte Toni Meadows, Investmentdirektor bei BRI Wealth Management, zu Reuters. „Wenn Putin und Trump noch da sind, bleibt Europas Bedarf an hohen Verteidigungsausgaben.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Prognose der Deutschen Bank: US-Dollar verliert an Stärke
15.04.2026

Die Deutsche Bank sieht eine veränderte Ausgangslage an den Devisenmärkten und rät Marktteilnehmern zu einer Neuausrichtung ihrer...

DWN
Finanzen
Finanzen Finanzspritze vom Bund: Eine Milliarde Euro für Länder und Kommunen
15.04.2026

Der Bund greift hoch verschuldeten Kommunen unter die Arme. Doch nicht nur sie werden entlastet - sondern auch die reichsten Bundesländer.

DWN
Politik
Politik „Strategische Partnerschaft“ mit Deutschland: Mehr Militärhilfe für die Ukraine beschlossen
15.04.2026

Die Militärhilfe für die Ukraine nimmt Fahrt auf. Nach neuen Rüstungskooperationen Deutschlands legt auch Großbritannien nach. Auch die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Heidelberger-Druck-Aktie: Druckmaschinenhersteller steigt in Drohnenabwehr ein
15.04.2026

Das für Druckmaschinen bekannte Unternehmen Heidelberg steigt ins Rüstungsgeschäft ein. Die Traditionsfirma will ihren Standort in...

DWN
Finanzen
Finanzen Riester-Reform: Lohnt sich der alte Vertrag zur Riester-Rente noch?
15.04.2026

Der neu beschlossene Riester-Nachfolger für eine bessere Altersvorsorge bringt höhere Rendite-Chancen als die klassische Riester-Rente,...

DWN
Politik
Politik YouGov-Umfrage: AfD klar stärkste Kraft - Union stürzt auf schlechtesten Wert seit vier Jahren
15.04.2026

In einer YouGov-Umfrage kann sich die AfD deutlich von den anderen Parteien absetzen. Auch Grüne und Linke legen zu. Die einzigen, die...

DWN
Finanzen
Finanzen Kaufkraft-Ranking in Krisenzeiten: Wo die regionalen Einkommen am meisten wert sind
15.04.2026

Das Verhältnis aus Einkommen und Lebenserhaltungskosten entscheidet über die reale Kaufkraft der Haushalte: Wo viel verdient wird, ist es...

DWN
Politik
Politik Tabaksteuer-Erhöhung finanziert Entlastungsprämie 2026: Doch nicht nur Raucher gehen bei der Ausgleichprämie leer aus
15.04.2026

Günstigeres Tanken und eine 1.000-Euro-Prämie: Doch die Entlastungen kommen noch längst nicht bei den Bürgern an. Auch werden viele...