Panorama

Neue Regeln für E-Scooter: Das ist geplant

Für die Nutzung von E-Scootern stehen neue Regeln an. Das Bundesverkehrsministerium hat dazu einen Entwurf vorgelegt. Eine Neuerung betrifft verpflichtende Blinker. Bis die neuen Regelungen umgesetzt werden, dauert es jedoch noch. Beim Fußgänger-Fachverband Fuss stößt der Entwurf auf Kritik, auch der ADAC fordert Nachbesserungen.
31.07.2024 12:01
Lesezeit: 2 min

Anpassung an Radverkehrsregeln

Das Verkehrsministerium legte einen Entwurf zur Änderung der Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung und anderer Vorschriften vor. Dies war bereits bei der Zulassung 2019 vorgesehen. Es geht um verhaltensrechtliche Regelungen - im Kern: Die Regeln zu E-Scootern sollen, wo möglich, denen des Radverkehrs angeglichen werden.

Das bedeutet beispielsweise: E-Scooter-Fahrer sollen künftig wie Radfahrer bei einer roten Ampel den Grünpfeil nutzen dürfen. Der Entwurf schlägt vor, dass die Freigabe von Gehwegen oder Fußgängerzonen mit dem Zusatzzeichen "Radverkehr frei" auch für E-Scooter gelten soll. Bei solchen Freigaben ist weiterhin Schrittgeschwindigkeit einzuhalten und besondere Rücksicht auf Fußgänger zu nehmen.

Für diese verhaltensrechtlichen Regelungen ist eine Übergangsfrist von einem Jahr vorgesehen, so das Ministerium. Generell soll die neue Verordnung im April 2025 in Kraft treten, die Anpassungen an den Radverkehr jedoch erst ein Jahr später.

Rolle der Kommunen

In dieser Übergangsfrist könnten die Kommunen prüfen, ob auf für den Radverkehr freigegebenen Gehwegen oder Fußgängerzonen ein Verbot für Elektrokleinstfahrzeuge ausgesprochen werden sollte, so das Ministerium. Die zuständigen Behörden vor Ort könnten dann entscheiden, ob auch E-Scooter auf diesen Gehwegen erlaubt sein sollen.

Verband: Fußgänger sind Wissing egal

Der Fachverband Fuss nannte die Pläne eine "grobe Attacke" auf Fußgänger. Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) wolle E-Scooter auf mehr Gehwegen und in mehr Fußgängerzonen zulassen und den Mindestabstand zu Fußgängern von 1,5 Metern beim Überholen abschaffen. Besonders Leih-E-Scooter würden oft gefährlich gefahren. Wissing wolle zudem das Abstell-Chaos verfestigen, indem er das Parkrecht für E-Scooter in der Straßenverkehrsordnung festschreibe. Nach einer Übergangszeit ab Anfang 2026 sollten E-Scooter laut Fuss nur noch auf markierten Flächen abgestellt werden dürfen.

Blinker werden Pflicht

Neu ist auch, dass neu zugelassene E-Scooter verpflichtend mit Blinkern ausgestattet sein müssen. Dies soll ab Anfang 2027 gelten. Nach einer Marktanalyse zeichne sich ab, dass neuere Fahrzeuge zunehmend schon standardmäßig über Blinker verfügen.

Laut einer Begleitung der Bundesanstalt für Straßenwesen zu E-Scootern empfinden viele Nutzer die Handanzeige der Fahrtrichtungsänderung als unsicher. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat begrüßt die verbindlichen Blinker bei Neufahrzeugen. Auf E-Scootern könne das Handzeichen, für das der Lenker nur mit einer Hand gehalten werde, zu instabiler Fahrweise führen.

ADAC fordert besseren Opferschutz

Aus Sicht des ADAC bleibt ein zentrales Problem unberücksichtigt, nämlich der bisher fehlende Opferschutz. Bei E-Scootern besteht aufgrund ihrer maximalen Geschwindigkeit von 20 km/h keine Gefährdungshaftung, so eine Sprecherin. "Daher muss derjenige, der heute schuldlos durch einen E-Scooter zu Schaden kommt, dem E-Scooter-Fahrer ein persönliches Verschulden nachweisen, um von der Versicherung Schadenersatz zu erhalten."

Viele Unfälle

Im vergangenen Jahr hat sich die Zahl der Todesopfer und Verletzten bei E-Scooter-Unfällen verdoppelt. 22 Menschen starben nach Angaben des Statistischen Bundesamts auf Deutschlands Straßen, 2022 waren es elf Tote gewesen.

Insgesamt gab es bundesweit 9.425 E-Scooter-Unfälle mit Personenschaden. Das waren 14,1 Prozent mehr als im Jahr davor. Häufigste Unfallursachen waren die falsche Nutzung der Fahrbahn oder Gehwege sowie Fahren unter Alkoholeinfluss. Besonders viele Unfälle passieren in Großstädten.

TÜV-Verband begrüßt Änderungen

Für den TÜV-Verband sagte der Fachbereichsleiter Fahrzeug und Mobilität, Richard Goebelt, es sei notwendig, die Sicherheit und Akzeptanz der E-Scooter zu verbessern, vor allem vor dem Hintergrund der steigenden Beliebtheit.

Besonders die Anpassungen an die technischen Anforderungen der Fahrzeuge seien essenziell, um die Betriebssicherheit der E-Scooter zu steigern. Goebelt nannte etwa die Einführung der Blinker, eine Verschärfung der Batterieprüfungen oder voneinander unabhängige Vorder- und Hinterradbremsen.

Länder und Verbände können bis 9. August Stellung zum Entwurf des Verkehrsministeriums nehmen. Auch der Bundesrat muss den Änderungen zustimmen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen DeFi-Hashing nutzt die Rechenleistung künstlicher Intelligenz, um das Vermögen der Nutzer zu mehren.

Major economies are actively promoting the establishment of a unified capital market regulatory framework and plan to strengthen the...

DWN
Politik
Politik Armenien-Wahl wird zum Testfall für Europas Machtanspruch
05.06.2026

Armenien steht vor einer Wahl, die weit über Jerewan hinausreicht. Im Südkaukasus entscheidet sich, ob Russland ein weiteres...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Bank-Analyse: S&P 500 wird zur Milliardenfalle für sorglose Anleger
05.06.2026

Der S&P 500 rennt von Rekord zu Rekord, doch ausgerechnet die Deutsche Bank sieht darin ein Warnsignal. Der rasante Anstieg erinnert an...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Astrolight: Laser statt Funk für Militär und Weltraum
05.06.2026

Klingt nach "Star Wars": Das litauische Start-up Astrolight entwickelt Lasertechnologie für den Weltraum, die sich aber auch auf der Erde...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Der KI-Boom bekommt seinen Börsentest
05.06.2026

Erst kam ChatGPT, jetzt drängt Claude an die Börse. Das Anthropic IPO könnte zeigen, ob der KI-Boom wirklich tragfähig ist oder Anleger...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gegenwind für den Standort: Bund verteidigt Kurs nach Pharma-Investitionsstopps
05.06.2026

Nachdem große Pharmakonzerne angekündigt haben, geplante Milliardeninvestitionen in Deutschland auf Eis zu legen, bezieht die...

DWN
Politik
Politik "Ein reines Belastungspaket": Scharfe Kritik an Warkens Pflegereform - "erschüttert und wütend"
05.06.2026

Für die Pflegeversicherung liegt jetzt ein Sanierungskonzept vor, das den Alltag für viele teurer macht. Nun erhält Warken starken...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EY-Analyse: Deutsche Autobauer verlieren Umsatz und hinken hinterher
05.06.2026

Fehlstart ins Jahr: Während die internationale Konkurrenz beim Umsatz zulegen kann, verlieren Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW deutlich...

DWN
Politik
Politik Rentenreform: Abschaffung der Frührente würde Milliarden sparen
05.06.2026

Kommt das Aus für die Frührente? 9,5 Milliarden Euro an Einsparungen, 125.000 erhaltene Arbeitskräfte: Das Forschungsinstitut DIW nennt...