Technologie

KI-Boom auch in Deutschland: Startups machen Hoffnung

In Deutschland gibt es über 680 Start-ups für die zukünftige Schlüsseltechnologie – 35 Prozent mehr als im Vorjahr. Welche deutschen KI-Start-ups haben großes Potenzial und welche bahnbrechenden Entwicklungen kommen auf uns zu?
04.08.2024 07:05
Aktualisiert: 04.08.2024 16:00
Lesezeit: 2 min
KI-Boom auch in Deutschland: Startups machen Hoffnung
Künstliche Intelligenz: Die Anzahl deutscher KI-Startups in den Bereichen Betrieb und Produktion hat sich im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. (Foto: iStock.com, Alexander Sikov) Foto: Alexander Sikov

KI soll Arbeit effizienter, Produkte preiswerter, Herstellungsprozesse automatisieren sowie Einkaufsprozesse verbessern. Jetzt hat eine Jury die innovativsten deutschen KI-Start-ups ausgewählt. Die Macher der KI-Start-up-Landschaft 2024 und die Experten vom AppliedAI Institute for Europe in München AppliedAl sind den neusten Entwicklungen und Trends der Startups-Szene auf der Spur:

Auffallend ist diesmal die breite Palette an Bereichen, in denen die jungen Unternehmen unterwegs seien. „Von der Produktion über Forschung und Entwicklung bis zum Kundenservice – für viele komplexe Anwendungen entwickeln deutsche KI-Start-ups Lösungen“, sagt Philip Hutchinson, Senior AI Strategist beim AppliedAI Institute for Europe, zur Wirtschaftswoche.

Trend zu branchenübergreifende Anwendungen

Die fünf Hauptindustrien, in denen die KI-Startups tätig sind, umfassen die Bereiche 1) branchenübergreifende Anwendungen, 2) Gesundheit und Sozialwesen, 3) Fertigung, 4) Transport, Mobilität und Lagerung sowie 5) Groß- und Einzelhandel. Es ist ein starker Anstieg von KI-Startups zu verzeichnen, die sich auf branchenübergreifende Anwendungen und die Fertigung konzentrieren.

Darüber hinaus hat sich die Anzahl der KI-Startups in den Bereichen Betrieb und Produktion im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt. Auffallend ist, dass auch immer mehr generative KI-Startups in diesen eher traditionellen Industrien tätig sind. Dies unterstreicht das wachsende Potenzial zur Effizienzsteigerung, Kostensenkung sowie Verbesserung der Qualitätskontrolle und der operativen Prozesse.

Hinsichtlich der zum Einsatz kommenden KI-Technologien zeigt sich eine Fokussierung der KI-Startups auf die Bereiche Computer Vision (22,1 %) und Natural Language Processing (19,7 %).

Vielversprechende KI-Startup-Hoffnungen

Das appliedAI Institute for Europe veröffentlicht jedes Jahr die KI-Startup-Landscape - Deutschlands wichtigste und umfangreichste Analyse der KI-Startup-Szene. Hier ein kleiner Einblick für 2024 an deutschen KI-Hoffnungen der Zukunft:

Akirolabs

Akirolabs entwickelt eine Plattform, die Unternehmen hilft, ihre Einkaufsprozesse zu verbessern. Das Unternehmen, 2021 in Berlin gegründet, hat im Januar eine Seed-Runde in Höhe von 5 Millionen Dollar abgeschlossen und kürzlich eine siebenstellige Förderung der Investitionsbank Berlin und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gewonnen.

AlephAlpha

AlephAlpha, gegründet 2019 in Heidelberg, trainiert große Sprachmodelle ähnlich denen hinter ChatGPT. Die KI der Gründer kann Texte generieren, Fragen beantworten und auch Bilder analysieren. Unternehmen und Behörden können diese Technologie nutzen, um ihr internes Wissen besser zu organisieren und Kundenanfragen effizienter zu bearbeiten.

Cognigy

Cognigy aus Düsseldorf entwickelt künstliche Intelligenz, mit der Unternehmen smarte Chatbots und virtuelle Assistenten bauen können. Die Bots sollen helfen, den Kundenservice zu automatisieren und die Interaktion mit Kunden über verschiedene Kanäle hinweg zu verbessern.

Constellr

Constellr aus Freiburg im Breisgau analysiert Satellitenbilder und ermittelt unter anderem die Oberflächentemperatur auf der Erde. Die Daten helfen zum Beispiel Landwirten, den Zustand ihrer Felder in Echtzeit zu überwachen und präzise Bewirtschaftungsentscheidungen zu treffen.

Fernride

Fernride entwickelt Autopiloten für Lkw. Damit sollen etwa Lastwagen auf Logistik-Höfen ferngesteuert werden oder autonom von A nach B fahren.

Kopernikus Automotive

Kopernikus Automotive bietet autonome Fahrsysteme für Fahrzeuge in geschlossenen Bereichen wie Parkhäusern und Logistikzentren. Die Technologie des Start-ups ermöglicht es, Fahrzeuge ohne menschliches Eingreifen zu navigieren und zu parken.

Graswald.ai

Graswald.ai erstellt hochrealistische 3D-Modelle von Produkten. So können zum Beispiel Online-Shops ihren Kunden dreidimensionale Ansichten von Möbeln oder Sportschuhen bieten. Auch Augmented-Reality-Darstellungen auf dem Smartphone werden damit möglich.

Helsing

Helsing aus München entwickelt KI für militärische Anwendungen. Die Algorithmen der Gründer sollen etwa in Eurofighter-Kampfjets Radarsignale auswerten. Kürzlich konnte das Start-up 450 Millionen Euro in einer Finanzierungsrunde einsammeln.

Standort: KI-Hochburg Berlin

Als deutsche KI-Hauptstadt entpuppt sich Berlin: 209 KI-Unternehmen haben sich hier angesiedelt, gefolgt von München samt Vororten (139) und Hamburg (65). Unter den Bundesländern führt entsprechend Berlin vor Bayern, Baden-Württemberg, NRW und Hamburg.

Extrem hohe Überlebensrate

Ein weiteres positives Signal für die Branche: Nur 41 Start-ups aus dem vergangenen Jahr sind dieses Jahr nicht mehr auf der Liste. Nur vier wurden liquidiert, die übrigen sind ins Ausland abgewandert oder aufgekauft worden. „Die Überlebensrate der deutschen KI-Start-ups ist extrem hoch“, unterstreicht Hutchinson.

Für die Abwanderung ins Ausland gebe es verschiedene Gründe – unter anderem auch die Gesetzgebung. So zog etwa ein Start-up weg, das die Gesichter von Autofahrern scannt und abgleicht, ob sie einen Führerschein besitzen. Für die Gesichtserkennung setzt der Al Act der EU, der im August in Kraft tritt, unter anderem aus Gründen des Datenschutzes strenge Regeln.

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Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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