Wirtschaft

Mitarbeiter dringend gesucht: Die Arbeitswelt für Generationen X, Y und Z

Die Chancen für Arbeitnehmer auf dem Arbeitsmarkt stehen aufgrund des Fachkräftemangels so gut wie noch nie. Unternehmen buhlen mit neuen Benefits um die besten Mitarbeiter und versuchen, diese anzuwerben.
08.08.2024 06:02
Aktualisiert: 08.08.2024 07:02
Lesezeit: 4 min
Mitarbeiter dringend gesucht: Die Arbeitswelt für Generationen X, Y und Z
Durch den Fachkräftemangel müssen Arbeitgeber versuchen, sich breit aufzustellen und verschiedenste Zielgruppen anzusprechen (Foto: dpa). Foto: Julian Stratenschulte

Da die Anhänger der Generation X in den nächsten Jahren aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden werden, ist es umso wichtiger, die Generationen Y und Z nachhaltig an das eigene Unternehmen zu binden. Aber auch von der langjährigen Expertise der Generation X lässt sich profitieren.

Daher ist es als Arbeitgeber von enormer Relevanz zu wissen, wie sich die einzelnen Generationen am Arbeitsmarkt gezielt ansprechen und langfristig für das eigene Unternehmen gewinnen lassen. Denn: jede der Zielgruppen besitzt individuelle Werte und Bedürfnisse, die sich von der Kindheit bis in die frühen Erwachsenenjahre gebildet haben und durch die zu dieser Zeit bestehenden Ereignisse beeinflusst sind.

Generation X – erfahrene Mitarbeiter mit großem Fokus auf Familie

Zu der Generation X zählen laut der Umfrage zu „Wertorientierungen und Lebenseinstellungen nach Generationen“ vom Institut für Demoskopie Allensbach alle Menschen, die im Zeitraum von 1966 bis 1980 geboren wurden. Für die Generation X besitzt die Familie einen hohen Stellenwert. Dies sollten Arbeitgeber bei ihren Arbeitsbedingungen berücksichtigen, indem sie flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit für das Arbeiten in Teilzeit anbieten. Dadurch haben die Arbeitnehmer, neben ihrem Beruf, genügend Zeit für die Familie. Viele Menschen aus der Generation X haben pflegebedürftige Eltern oder Schwiegereltern, sodass sich Unterstützung bei der Pflege von Angehörigen als attraktives Job-Benefit für diese Zielgruppe eignet. Umsetzbar ist dies zum Beispiel im Rahmen von Beratungsangeboten, Zuschüssen zu hauswirtschaftlichen Leistungen oder durch die bereits erwähnten flexiblen Arbeitszeitmodelle.

Viele Eltern der Menschen aus der Generation X arbeiteten hart und hatten wenig Zeit für ihre Kinder. Folglich mussten die Kinder damals schon früh lernen, auf eigenen Beinen zu stehen. Daraus lässt sich für Unternehmen die Handlungsempfehlung ableiten, den Mitarbeitern der Generation X Vertrauen und eigenen Entscheidungsspielraum einzuräumen. Auch aufgrund ihrer Lebenserfahrung sind viele aus der Generation X in der Lage, gewisse Entscheidungen selbstständig zu treffen und deren Konsequenzen abzuschätzen.

Generation Y – Generation Sinnhaftigkeit

Die Generation Y umfasst laut dem Institut für Demoskopie Allensbach alle Menschen, die im Zeitraum von 1981 bis 1995 geboren wurden. Die Menschen aus der Generation Y werden auch als Millennials bezeichnet.

Die Personen aus der Generation Y wuchsen mit einer Fülle an Möglichkeiten auf, was sich unter anderem durch den Zugriff auf eine Vielzahl an Informationen mittels des Internets begründen lässt. Daraus folgt, dass sie, im Gegensatz zu ihrer Vorgängergeneration, verschiedene Dinge stärker reflektieren. Aus diesem ausgeprägten Reflexionsvermögen lässt sich die große Bedeutung der Sinnhaftigkeit im Arbeitsalltag ableiten. Personen aus der Generation Y sollten einen Nutzen in ihren Tätigkeiten sehen. Wichtig ist es auch, als Arbeitgeber oder Führungskraft offen für die kritischen Stimmen der Millennials zu sein und sich dieser anzunehmen. Nur so fühlen sich Mitarbeiter gehört. Den Wissensdurst der Millennials können Arbeitgeber durch eine Vielzahl an Weiterbildungsprogrammen befriedigen und dadurch selbst von dem neu erworbenen Wissen ihrer Mitarbeiter profitieren. Auch Coaching- und Mentoringprogramme werden von den Millennials gut aufgenommen.

Aufgrund des ausgeprägten Reflexionsvermögens der Generation Y sollten Unternehmen nicht nur Dienstleistungen oder Produkte anbieten, sondern sich auch als starke Marke präsentieren, die transparent, ehrlich und authentisch ist. Die Menschen aus der Generation Y sind ganz besonders offen gegenüber anderen Weltansichten, wie beispielsweise dem Veganismus oder der gleichgeschlechtlichen Ehe. Daher sollte das Unternehmen, in dem sie arbeiten, sich ebenfalls aufgeschlossen gegenüber anderen Sichtweisen zeigen. Durch ein solches Image wirkt das Unternehmen attraktiv auf die Millennials.

Im Gegensatz zur Generation X sind die Menschen aus der Generation Y mit den neuen Technologien aufgewachsen und sehr technikaffin. Arbeitgeber sollten aus diesem Grund in moderne Arbeitsgeräte investieren, um diese Generation anzusprechen.

Generation Z – die neue individuelle Generation auf dem Arbeitsmarkt

Zu der Generation Z zählen laut dem Institut für Demoskopie Allensbach alle Menschen, welche nach dem Jahr 1995 geboren sind.

Die Generation Z zeichnet sich laut der Umfrage zu „Wertorientierungen und Lebenseinstellungen nach Generationen“ vom Institut für Demoskopie Allensbach dadurch aus, dass der Wunsch nach guten Freunden, engen Beziehungen, viel Spaß haben und das Leben zu genießen, im Vergleich zu den Generationen X und Y, besonders ausgeprägt ist. Daraus lässt sich ableiten, dass dieser Generation eine gute Work-Life Balance besonders wichtig ist. Arbeitgeber sollten daher flexible Arbeitszeiten und Homeoffice anbieten. Auch die Möglichkeit, eine Workation durchzuführen, also für eine festgelegte Dauer vom Ausland aus für das eigene Unternehmen zu arbeiten, bietet sich als attraktives Job-Benefit an, ebenso wie das Mitbringen des eigenen Hundes zum Arbeitsplatz.

Gleichzeitig sollte aber berücksichtigt werden, dass viele Arbeitnehmer aus der Generation Z frisch aus dem Studium oder der Ausbildung kommen und daher meist noch keine oder wenig Arbeitserfahrung aufweisen. Folglich benötigen Sie entsprechend Unterstützung und Geduld im Einarbeitungsprozess und Arbeitsalltag. Ein ausführliches und lang angelegtes Onboarding kann daher als echter Vorteil gegenüber anderen Unternehmen gesehen werden. Auch mit individuellen Weiterbildungs- und Fortbildungsprogrammen kann die Zielgruppe gefördert werden.

Die Generation Z legt zudem großen Wert auf Individualität. So ist es ihnen, verglichen mit ihren Vorgängergenerationen, beispielsweise wichtiger, eigene Meinungen und Ansichten zu besitzen. Das fand das Institut für Demoskopie Allensbach in einer Umfrage unter ausgewählten Generationen zur Bedeutung von Individualität heraus. Führungskräfte sollten diesen Wert daher besonders berücksichtigen und individuell auf die einzelnen Mitarbeiter eingehen. Möglich ist dies, indem sich Mitarbeiter eigene Projekte auswählen oder zusätzliche Tätigkeiten, für die sie sich interessieren, übernehmen dürfen.

In sozialer Hinsicht erlebte die Generation Z eine relativ friedliche und tolerante Kindheit und Jugend: Das dritte Geschlecht wurde bzw. wird zunehmend akzeptiert und durch die Vielzahl an verschiedenen Ethnien innerhalb Deutschlands wuchs die Generation Z in einem Land mit großer kultureller Vielfalt auf. Wie bei der Generation Y sollten sich Unternehmen daher auch bei der Generation Z als weltoffene Arbeitgeber mit einer offenen und wertschätzenden Unternehmenskultur positionieren.

Eine weitere Gemeinsamkeit mit der Generation Y stellt die Technikaffinität dar. Mit dem Unterschied, dass Millennials auch noch die Zeit ohne Internet und Co. erlebt haben. Für die Ansprache der Generation Z sollten Unternehmen daher ebenfalls in moderne Arbeitsgeräte investieren und gegebenenfalls auch offen für Technikwünsche der Generation sein.

So simpel die Einteilung in Generationen auch erscheinen mag – grundsätzlich lässt sich sagen, dass jeder Mensch individuell ist und eigene Wünsche, Bedürfnisse und Werte besitzt. Die Kategorisierung in Generationen darf daher nicht als enges Konstrukt, sondern vielmehr als Möglichkeit zur groben Einteilung in Zielgruppen gesehen werden. Diese kann einen groben Anhaltspunkt für Arbeitgeber darstellen, um die einzelnen Zielgruppen anzusprechen. Gleichzeitig sollte bei der Auswahl der Job-Benefits aber vor allem darauf geachtet werden, dass diese auch mit der eigenen Unternehmenskultur übereinstimmen.

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