Politik

Energiekrise: Ostdeutsche zahlen höhere Energiekosten als westdeutsche Haushalte

Geringere Einkommen und höhere Energiekosten: Die Rechnungen insbesondere für Strom und Wärme schlagen in Ostdeutschland stärker ins Kontor, und zwar um fast 22 Prozent! Zu diesem Ergebnis kommt das Vergleichsportal Verivox. Am höchsten sei die Belastung in Thüringen, am geringsten in Bayern. Was sind die Hintergründe?
27.08.2024 09:11
Aktualisiert: 01.01.2030 09:00
Lesezeit: 2 min
Energiekrise: Ostdeutsche zahlen höhere Energiekosten als westdeutsche Haushalte
Die Ausgaben für Energie belasten ostdeutsche Haushalte überproportional stark. Kaufkraftbereinigt liegen die Kosten für Wärme, Strom und Sprit rund 22 Prozent höher als im Westen. (Foto: dpa) Foto: Hauke-Christian Dittrich

Hohe Kosten für Strom und Wärme belasten viele deutsche Haushalte, besonders in den vergangenen Jahren. Eine neue Auswertung vom Vergleichsportal Verivox zeigt nun: In Ostdeutschland sind sie sogar höher als in anderen Teilen des Landes. Wie kann das sein?

Energiekosten belasten ostdeutsche Haushalte nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox überproportional stark. Bereinigt um Unterschiede in der Kaufkraft liegen die Kosten für Wärme, Strom und Sprit demnach um knapp 22 Prozent höher als im Westen. Am höchsten sei die Belastung in Thüringen, am geringsten in Bayern.

Geringe Einkommen führen zur Schieflage

Ein deutscher Durchschnittshaushalt mit rund zwei Mitgliedern – genau gesagt sind es 2,03 Menschen – gibt laut Verivox aktuell 4.297 Euro pro Jahr für Energie aus. In den westdeutschen Bundesländern liegt ein Durchschnittshaushalt mit 4.280 Euro leicht darunter, in den ostdeutschen Ländern mit 100 Euro mehr als im Westen aber deutlich darüber.

Unter Berücksichtigung der geringeren Einkommen klafft aber eine deutlich größere Lücke. Kaufkraftbereinigt fallen im Westen laut Verivox jährliche Energiekosten von 4.139 und im Osten von 5.042 Euro an – also über ein Fünftel Differenz.

Spitzenreiter sind nach dieser Rechnung Haushalte in Thüringen, die demnach 23 Prozent über dem Bundesdurchschnitt liegen, gefolgt von Bremen und Sachsen mit je 20 Prozent mehr, Sachsen-Anhalt mit einem Plus von 19 Prozent und Mecklenburg-Vorpommern mit 18 Prozent.

Westdeutsche Haushalte weniger belastet

Die geringste Belastung bedeuten Energiekosten laut Verivox im kaufkraftstarken Bayern, das 10 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt liege. Baden-Württemberg liegt 8 und Hessen 5 Prozent darunter.

Das verfügbare Haushaltseinkommen liegt laut Verivox in Westdeutschland im Schnitt bei 58.333 Euro, in Ostdeutschland hingegen bei 48.977 Euro – rund 16 Prozent weniger.

Gleichzeitig werden für die gleiche Menge an Energie im Osten höhere Preise fällig. Beim Tanken zeigt sich dem Vergleichsportal zufolge zwar kein nennenswerter Unterschied, bei Strom und Wärme geht es aber um einige Prozent.

„Müssen Haushalte in den alten Bundesländern rund 7 Prozent ihrer Kaufkraft für Strom, Wärme und Sprit aufbringen, sind es in den neuen Bundesländern rund 9 Prozent“, erklärte Thorsten Storck von Verivox. „Die Energiepreisunterschiede zwischen Ost und West lassen sich zum Teil durch die Netzgebühren erklären. Die Kosten für Betrieb, Unterhaltung und Ausbau des Stromnetzes liegen in Ostdeutschland bei Strom rund 3 Prozent höher, bei Gas rund 10 Prozent.“

Ausblick: 70 Prozent sorgen sich vor hohen Kosten

Die Energiekrise ist noch lange nicht vorbei: 70 Prozent der Deutschen sorgen sich weiter um die Entwicklung der Energiepreise, laut der Verivox-Umfrage. Über die Hälfte der Haushalte versucht demnach, die hohen Kosten durch energiesparendes Verhalten auszugleichen.

Rund 78 Prozent der Befragten sehen ihr Budget durch hohe Heizkosten belastet. Dieser Wert ist sogar noch einmal um drei Prozentpunkte höher ausgefallen als in einer früheren Verivox-Umfrage aus dem März 2022, nach Ausbruch des Ukraine-Kriegs.

Mittlerweile gehören die Strompreise in Deutschland zu den höchsten der Welt – und belegen momentan mit rund 32,80 Cent pro Kilowattstunde Rang neun im internationalen Verivox-Vergleich.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Die Ökonomie der Aufmerksamkeit: Warum Unternehmen um jede Minute kämpfen

Im Internet ist Geld nicht länger die einzige Währung. Eine ebenso große Rolle spielt die Währung Aufmerksamkeit. Wer im Überfluss an...

Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

DWN
Finanzen
Finanzen Euro-Stablecoins: Wie Europa die Kontrolle über seine Währung verlieren könnte
18.07.2026

Der Euro ist die zweitwichtigste Währung der Welt, doch in der digitalen Finanzwelt spielt er bislang kaum eine Rolle. Während nahezu...

DWN
Politik
Politik NATO-Verteidigungsausgaben: Wer für das neue Fünf-Prozent-Ziel zahlt
18.07.2026

Die NATO rüstet auf wie seit Jahrzehnten nicht mehr, doch zwischen den Mitgliedstaaten liegen Welten. Während Polen und die baltischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Das Maschinenherz Deutschlands kommt zum Stillstand: Das Problem ist größer als in der Automobilbranche
18.07.2026

In den meisten Ländern der Europäischen Union wächst die Maschinenproduktion dank einer Investitionswelle. Nicht so in Deutschland. Der...

DWN
Finanzen
Finanzen Marktbericht: „Böse Überraschung“, während der KI-Ausverkauf anhält
17.07.2026

Turbulenzen an den Märkten: Erfahren Sie, welche Kräfte den Technologiesektor jetzt bewegen und wie Experten die Lage einschätzen.

DWN
Politik
Politik Leihmutterschaft: CDU-Politiker fordert Spahns Rücktritt
17.07.2026

Die CDU ist strikt gegen eine Zulassung von Leihmutterschaften. Dass ihr Frontmann im Bundestag nun privat einen anderen Weg gegangen ist,...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Upvest: Der unsichtbare Riese hinter Revolut, N26 und Co.
17.07.2026

Die Schnittstellen-Technologie von Upvest etabliert sich zusehends zum Standard im europäischen Wertpapierhandel. Nach N26 und Revolut...

DWN
Finanzen
Finanzen Mercedes-Aktie: Autobauer investiert eine Milliarde Euro in Ungarn – Strategie gegen chinesische Konkurrenz?
17.07.2026

Mercedes hat eine Milliarde Euro in Ungarn investiert. Nach dem Ausbau soll das Werk in Kecskemét jährlich mehrere hunderttausend Autos...

DWN
Politik
Politik EU-Kritik an Deutschland: Mängel bei Pressefreiheit und Lobby-Transparenz
17.07.2026

Rüge aus Brüssel für die Bundesregierung: Im neuen Rechtsstaatsbericht bescheinigt die EU-Kommission Deutschland anhaltende Defizite....