Politik

Merz fordert Scholz auf: Notfalls Machtwort zur Migration sprechen

Im Streit um strengere Maßnahmen zur Migration setzt CDU-Vorsitzender Friedrich Merz nun direkt Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) unter Druck. Merz forderte ihn auf, in der Frage der Rückweisungen von Asylbewerbern an der Grenze notfalls klare Ansagen zu machen.
06.09.2024 22:41
Aktualisiert: 06.09.2024 22:41
Lesezeit: 2 min
Merz fordert Scholz auf: Notfalls Machtwort zur Migration sprechen
Friedrich Merz, CDU-Bundesvorsitzender und CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, spricht bei einem Pressestatement vor Schloss Neuhardenberg (Foto: dpa). Foto: Michael Kappeler

Vor dem für Dienstag geplanten neuen Migrationsgipfel äußerte Merz in Neuhardenberg: "Wenn der Kanzler bis dahin einen Konsens in seiner Koalition erreicht, ist das gut. Falls nicht, sollte er seine Richtlinienkompetenz nutzen und sagen: Wir machen das jetzt so." Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) mahnte, dass die Vorschläge rechtlich abgesichert sein müssten.

Dobrindt kritisiert die Grünen

"Er hat unsere Unterstützung. Wir werden das mittragen", erklärte der Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag bei einer Klausurtagung der Fraktionsführung. Merz betonte nochmals, dass Grenzkontrollen und die konsequente Rückweisung von Flüchtlingen Voraussetzungen für die Teilnahme der Union am nächsten Migrationsgespräch zwischen Regierung, Opposition und Bundesländern seien. Diese Maßnahmen müssten "umfassend, nicht nur halbherzig" umgesetzt werden.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt kritisierte, dass nicht alle drei Ampel-Parteien gleichermaßen handeln würden. "Es scheitert eindeutig an einer Partei, den Grünen." Dobrindt forderte Scholz dazu auf, die Grünen als Koalitionspartner "in den Griff zu bekommen".

FDP setzt auf Einigung bei Rückweisungen

Die FDP-Bundestagsfraktion setzt in der Migrationspolitik auf die nächste Verhandlungsrunde mit Bundesregierung, Union und Ländern. "Die Bürger erwarten, dass wir Ordnung und Kontrolle in der Migrationspolitik schaffen, und nun ist es unsere Aufgabe als demokratische Parteien, das gemeinsam umzusetzen", sagte der Fraktionsvorsitzende Christian Dürr nach der Herbstklausur der Fraktion in Hamburg.

Besonders wichtig sei es, Drittstaaten stärker in die deutsche und europäische Migrationspolitik einzubinden und "die Kontrolle über die Grenzen zurückzuerlangen". Wesentliche Maßnahmen seien hierbei insbesondere Rückweisungen an den deutschen Grenzen, die oft grüne Grenzen seien. "Deshalb müssen wir diskutieren, wie diese Rückweisungen so effizient sein können, dass wir (...) Ordnung und Kontrolle zurückgewinnen." Auch mit Blick auf die Wirtschaft betonte Dürr: "Es muss einfacher sein, nach Deutschland zu kommen, um zu arbeiten, als um nicht zu arbeiten."

Habeck: "Nicht mein Stil"

Außenministerin Baerbock warnte unterdessen vor vereinfachten Lösungen in der Asylpolitik. "Vorschläge, die hart klingen, aber nicht umsetzbar sind, weil sie gegen das Grundgesetz oder Europarecht verstoßen, eignen sich vielleicht für populistische Schlagzeilen, machen unser Land aber kein Stück sicherer", erklärte die Grünen-Politikerin im "Spiegel" in Bezug auf Forderungen aus der Union nach schärferen Asylregelungen.

"Terrorismus bekämpft man nicht im Panikmodus", sagte Baerbock. Sie kritisierte auch Merz' Forderung nach einem "faktischen Aufnahmestopp" für Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan, die er nach der Messerattacke in Solingen gefordert hatte. "Mir ist unverständlich, warum Vorschläge auf alle Syrer abzielen und nicht zwischen einem islamistischen Täter und einer Familie, die vor dem IS geflohen ist, unterscheiden."

Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) äußerte sich ebenfalls zu Merz: "Das ist nicht meine Art, mit Ultimaten zu arbeiten", sagte er, auch wenn Merz seine Position offenbar relativiert habe. Es gehe darum, einen Raum für Gespräche zwischen Regierung und Opposition zu schaffen. "Man schadet sich selbst, wenn man diesen Raum immer weiter verkleinert."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gestiegene Betriebskosten: Wachsender Druck auf Produktionsbetriebe

Die deutsche Wirtschaft steht im Jahr 2026 vor enormen Herausforderungen, welche die Gewinnspannen der Betriebe spürbar verringern. Laut...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gold für mehr als acht Milliarden Dollar: Russland meldet weitere Verkäufe
23.09.2026

Russlands Zentralbank verkauft seit Jahresbeginn kontinuierlich Gold. Fast 56 Tonnen verschwanden bereits aus den offiziellen Reserven, ihr...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: US-Indizes schließen uneinheitlich, da Trump ein Iran-Abkommen nach den Zwischenwahlen für möglich hält
22.09.2026

Politische Signale und starke Einzelwerte bewegen die Märkte im späten Handel.

DWN
Politik
Politik Mehrheit fordert Rücktritt von Kanzler Merz
22.09.2026

Mehr als die Hälfte der Befragten spricht sich für einen Rücktritt des Kanzlers aus. Unter den Anhängern einer Partei ist der Anteil...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Planet Labs: Berlin bekommt eine neue Satellitenfabrik
22.09.2026

In der Hauptstadt soll ein neuer Produktionsstandort für Satelliten entstehen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in den USA, will aber...

DWN
Politik
Politik Ehemaliger Topberater des Weißen Hauses: Trump gibt Tech-Milliardären beängstigend viel Macht
22.09.2026

Künstliche Intelligenz könnte die Welt ähnlich tiefgreifend verändern wie einst das Manhattan-Projekt. Doch diesmal liegt die...

DWN
Finanzen
Finanzen Heizkosten steigen 2026: So teuer wird das Heizen
22.09.2026

Für viele Haushalte wird das Heizen 2026 teurer – besonders bei Öl und Holzpellets. Eine neue Prognose zeigt, welche Heizarten stärker...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs springt über 85.000 Dollar. Was hat die Erholung ausgelöst?
22.09.2026

Der Bitcoin-Kurs ist wieder deutlich gestiegen und kletterte über 85.000 Dollar. Bemerkenswert ist der Rebound, da kurz zuvor zwei...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenz: So schützen Unternehmer ihr Privatvermögen
22.09.2026

Gerät die Firma ins Wanken, kann es schnell um mehr gehen als das Unternehmen. Plötzlich stehen auch Haus, Depot und Ersparnisse auf dem...