Immobilien

Mehr Druck auf den Büromarkt: Firmen reduzieren Flächen wegen Homeoffice

Keine Entlastung für den ohnehin schon sehr angespannten Büroimmobilienmarkt: Unternehmen verkleinern ihre Büroflächen aufgrund des etablierten Trends zum Homeoffice. Schon jede vierte deutsche Firma hat ihre Bürofläche reduziert oder plant es. Welche Firmen sind die Spitzenreiter und was bedeutet das für das Segment, das bekannt ist als Sorgenkind des Gewerbeimmobilienmarkts?
15.09.2024 08:53
Aktualisiert: 15.09.2024 13:15
Lesezeit: 2 min
Mehr Druck auf den Büromarkt: Firmen reduzieren Flächen wegen Homeoffice
Die Arbeit im Home-Office hat sich nach der Corona-Zeit fest etabliert. (Foto: dpa) Foto: Helena Dolderer

Das regelmäßige Arbeiten im Homeoffice hat sich verankert. Firmen reduzieren daher schrittweise ihren Büroflächenbedarf – besonders Großunternehmen und Dienstleister, die den Großteil der Büroflächen nutzen. Einer Studie des ifo-Instituts zufolge haben rund 6,2 Prozent aller deutschen Unternehmen ihre Büroflächen bereits verkleinert, während weitere 8,3 Prozent es in den kommenden fünf Jahren planen.

Die Homeoffice-Quote in Deutschland liegt seit knapp zwei Jahren stabil bei einem Viertel der Beschäftigten und zwei Drittel der Unternehmen.

Einzelne Unternehmen hätten zwar ihre Angestellten zur Rückkehr ins Büro aufgefordert, doch das regelmäßige Arbeiten im Homeoffice habe sich verankert, so ifo-Forscher Simon Krause. „Die Firmen passen daher schrittweise ihren Büroflächenbedarf an. Da die Mietverträge oft langfristig abgeschlossen werden, tritt der Gesamteffekt erst zeitverzögert ein. Basierend auf unseren Studien erwarten wir, dass langfristig die Nachfrage nach Büroflächen wegen Homeoffice um etwa 12 Prozent sinken wird.“

Büromarkt: Herausforderungen ohne Ende

Die Reduzierung der Büroflächen stellt den schon angespannten Immobilienmarkt und besonders den Büroimmobilienmarkt vor noch weiteren Herausforderungen.

Auf dem ZIA-Finance Day gegen Mitte des Jahres sagte Helaba Bank Chefvolkswirtin Gertrud Traud es sehe weiterhin schwierig aus auf dem Büromarkt. Traud betonte, die zwei wichtigsten Faktoren für die Büro-Zukunft seien zum einen die Lage und zum anderen der Nachhaltigkeitsfaktor.

Die klassische Büroarbeit hat es spätestens seit Corona schwer, sich gegen das Home-Office zu behaupten. Immer mehr Arbeitnehmer stimmen mit den Füßen ab, während Arbeitgeber und Firmen sich zunehmend fragen, warum sie teure Gewerberäume in der Innenstadt behalten sollen und ob man nicht mit verkleinerten Co-Working-Spaces Platz und Geld sparen könnte.

Mit Blick auf die Zukunft der gesamten Immobilienmarkts kommentierte ifo-Forscher Krause: „In Kombination mit wirtschaftlichen Unsicherheiten, gestiegenen Zinsen und Baukosten ist keine schnelle Erholung in Sicht.“

Gute Nachricht: Weniger Büroflächenabbau in Industrie, Handel und Baugewerbe

Laut der ifo-Studie haben 11,8 Prozent der großen Dienstleistungsfirmen sich bereits verkleinert und 14,0 Prozent planen dies innerhalb der nächsten fünf Jahre. Weniger Büroverkleinerungen gibt es jedoch in der Industrie (5,6 Prozent erfolgt, 6,8 Prozent geplant) und im Handel (1,7 Prozent erfolgt, 4,5 Prozent geplant). Auch im Baugewerbe sind Verkleinerungen eher geringer (0,2 Prozent erfolgt, 1,6 Prozent geplant), wie auch bei kleinen Unternehmen (4,2 Prozent erfolgt, 6,1 Prozent geplant).

Den neuesten Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zufolge ist der Anteil der Homeoffice-Arbeiter in den verschiedenen Branchen sehr unterschiedlich: Besonders häufig arbeiten IT-Dienstleister von zuhause aus. Sie arbeiten zu 74,7 Prozent zumindest zeitweise daheim. Auch Mitarbeiter von Versicherungen, Verwaltungen oder Unternehmensberatungen arbeiten häufig im Home-Office. Hingegen ist dies in anderen Branchen nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. In Gesundheitsberufen, in der Baubranche oder auch im Einzelhandel sind dementsprechend Home-Office-Tätigkeiten selten.

Auf europäischer Ebene liegt Deutschland mit einem Gesamtwert von 22,4 Prozent leicht über dem Durchschnitt. Am weitesten verbreitet ist die Arbeit zuhause in den Niederlanden. Hier arbeiten mehr als die Hälfte aller Berufstätigen zumindest teilweise im Home-Office. Auch in Finnland und Schweden sind die Anteile mit mehr als 40 Prozent hoch. Schlusslicht in Europa sind Rumänien und Bulgarien mit einem Home-Office-Anteil von unter 4 Prozent.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Edelmetalle in einer neuen Marktphase

Gold über 5.500 US-Dollar, Silber über 100 US-Dollar pro Unze

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt und Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Globale Finanzmärkte unter Druck: Welche Risiken die Yen-Aufwertung mit sich bringt
30.01.2026

Der japanische Yen entwickelt sich zunehmend zu einem Risikofaktor für die internationalen Finanzmärkte. Welche Kettenreaktionen drohen...

DWN
Technologie
Technologie Drohnenabwehr ohne Kollateralschäden: Deutsches Start-up Argus Interception entwickelt neue Soft-Kill-Technologie
30.01.2026

Unbemannte Systeme verändern militärische und zivile Sicherheitskonzepte in Europa spürbar. Welche technologischen und politischen...

DWN
Finanzen
Finanzen TKMS-Aktie auf Rekordhoch: Norwegen bestellt weitere U-Boote bei Thyssenkrupp Marine Systems
30.01.2026

Norwegen setzt beim Ausbau seiner Marine weiter auf TKMS-U-Boote und erweitert den Großauftrag deutlich. Auch andere Staaten beobachten...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkt: Mehr als drei Millionen Arbeitslose in Deutschland
30.01.2026

Die Arbeitslosenzahl steigt im Januar saisonüblich an. In diesem Jahr wurde allerdings eine wichtige Schwelle überschritten.

DWN
Politik
Politik Begrenzte Waffenruhe: Russland stimmt Ukraine-Waffenruhe bis Sonntag zu – Chance für Frieden oder Kalkül?
30.01.2026

Eine überraschende Entwicklung deutet auf Entspannung im Ukraine-Krieg hin: Russland signalisiert Zustimmung zu einer begrenzten...

DWN
Finanzen
Finanzen Trump setzt auf Kevin Warsh als Fed-Chef: Neuer Kurs für die US-Notenbank?
30.01.2026

US-Präsident Donald Trump bringt mit Kevin Warsh einen möglichen neuen Fed-Chef ins Spiel. Doch kann ein Machtwechsel die Geldpolitik...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation in Deutschland steigt wieder über zwei Prozent: Lebensmittelpreise steigen
30.01.2026

Die Inflation in Deutschland zieht zu Jahresbeginn wieder an und belastet viele Verbraucher spürbar. Besonders bei Lebensmitteln steigen...

DWN
Politik
Politik Tarifverhandlungen: Verdi ruft bundesweit zu Warnstreiks im Nahverkehr auf
30.01.2026

Die Gewerkschaft ver.di hat für Montag bundesweite Streiks im kommunalen Nahverkehr angekündigt. Vielerorts dürften Busse und Bahnen...