Wirtschaft

Homeoffice - gekommen, um zu bleiben

Die neuesten Erhebungen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Arbeit im Home-Office in Deutschland auf hohem Niveau bleibt und sich nach der Corona-Zeit fest etabliert hat.
07.07.2024 17:20
Aktualisiert: 07.07.2024 17:25
Lesezeit: 2 min

23,5 Prozent der Erwerbstätigen haben im Jahr 2023 teilweise im Home-Office gearbeitet. Damit sind die Home-Office-Tätigkeiten nur leicht rückläufig zu den Vorjahren (2022: 24 Prozent; 2021: 25 Prozent) und liegen weiterhin deutlich über dem Niveau der Zeit vor Corona. 2019 haben lediglich 12,8 Prozent der Beschäftigten teilweise im Home-Office gearbeitet.

Der Anteil der Home-Office-Arbeiter ist in den verschiedenen Branchen jedoch sehr unterschiedlich. Besonders häufig arbeiten IT-Dienstleister von zuhause aus. Sie arbeiten zu 74,7 Prozent zumindest zeitweise daheim. Auch Mitarbeiter von Versicherungen, Verwaltungen oder Unternehmensberatungen arbeiten häufig im Home-Office. Hingegen ist dies in anderen Branchen nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. In Gesundheitsberufen, in der Baubranche oder auch im Einzelhandel sind dementsprechend Home-Office-Tätigkeiten selten

Generell arbeiten auch weniger Angestellte als Selbstständige von zuhause aus. Bei Angestellten hängt die Häufigkeit der Arbeit im Home-Office sowohl vom Alter der Beschäftigten als auch von der Unternehmensgröße ab. In Kleinbetrieben mit weniger als 50 Mitarbeitern liegt der Anteil der Home-Office-Tätigkeiten bei nur 13 Prozent, in mittleren Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern bei ca. 23 Prozent und in Großunternehmen immerhin bei 34 Prozent. Dabei liegt der Home-Office-Anteil in der Altersgruppe der 25- bis 44-Jährigen mit über 26 Prozent am höchsten.

Im europäischen Vergleich eher Durchschnitt

Auf europäischer Ebene liegt Deutschland mit einem Gesamtwert von 22,4 Prozent leicht über dem Durchschnitt. Am weitesten verbreitet ist die Arbeit zuhause in den Niederlanden. Hier arbeiten mehr als die Hälfte aller Berufstätigen zumindest teilweise im Home-Office. Auch in Finnland und Schweden sind die Anteile mit mehr als 40 Prozent hoch. Schlusslicht in Europa sind Rumänien und Bulgarien mit einem Home-Office-Anteil von unter 4 Prozent.

Home-Office bietet Vor- und Nachteile

Wer im Home-Office arbeitet, spart sich die Arbeitswege und kann sich oft seine Zeit flexibel einteilen. Aus einer Studie der AOK aus dem Jahr 2019 geht jedoch auch hervor, dass Beschäftigte im Home-Office häufiger unter Stress und psychischen Belastungen leiden. Erschöpfung, Schlafprobleme und Konzentrationsstörungen treten bei Beschäftigten, die viel zuhause arbeiten, öfter auf.

Stress entsteht besonders dann, wenn Beschäftigte auch abends oder am Wochenende im Home-Office arbeiten und private Aktivitäten dadurch vernachlässigen. Auch werden Mitarbeiter, die zuhause arbeiten, oft außerhalb der üblichen Bürozeiten kontaktiert. Deshalb sei es notwendig, eine gute Balance zwischen Home-Office-Tätigkeiten und der Arbeit im Betrieb zu gestalten, die insgesamt gesundheitsförderlich ist, so die Studie weiter.

Beschäftigte im Home-Office sind sehr zufrieden

Trotz der beschriebenen Nachteile bestätigen Heimarbeiter jedoch eine höhere Arbeitszufriedenheit als Arbeitnehmer, denen diese Option nicht zur Verfügung steht. Die empfundene Selbstbestimmung, Autonomie und Flexibilität überwiegt die beschriebenen Nachteile. Auch Arbeitgebern bietet die Heimarbeit Vorteile. Home-Office-Arbeiter melden sich seltener krank, sind oft produktiver und arbeiten konzentrierter.

Obwohl viele Unternehmen nach der Pandemie jetzt wieder auf Präsenz im Büro setzen, bleibt die Arbeit im Home-Office bei den Arbeitnehmern sehr beliebt. Viele von ihnen wären sogar bereit, auf einen Teil ihres Gehaltes zu verzichten, um die Option Home-Office wahrnehmen zu können, wie eine aktuelle Capterra Studie herausfand. Als Grund für die anhaltende Beliebtheit des Arbeitens von zuhause aus nannten die Befragten eine bessere Work-Life-Balance, die eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben meint. Unternehmen hingegen fürchten teilweise, dass durch eine Ausweitung der Heimarbeit die Teamarbeit leidet und auch die Unternehmenskultur Schaden nimmt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation sinkt leicht: Tankrabatt bremst Teuerung in Deutschland teilweise
12.06.2026

Der staatliche Tankrabatt zeigt Wirkung und hat den jüngsten Inflationsschub in Deutschland vorerst gestoppt. Im Mai stiegen die...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 29: Die Woche im Rückblick – KW 24
12.06.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in sieben Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Trump verkündet schon wieder bevorstehenden Iran-Deal – Teheran widerspricht umgehend
12.06.2026

Kurz nach der Ankündigung neuer US-Militärschläge folgt die überraschende politische Wende: US-Präsident Donald Trump sieht ein...

DWN
Politik
Politik Britischer Premier unter Druck: Verteidigungsminister tritt im Etatstreit zurück
12.06.2026

Der britische Regierungschef Keir Starmer steht vor den Trümmern seiner Kabinettsdisziplin: Verteidigungsminister John Healey hat im...

DWN
Finanzen
Finanzen Kryptowährungen gehören der Vergangenheit an – oder sind sie die Zukunft?
12.06.2026

Bitcoin hat massiv an Wert verloren, viele Privatanleger bleiben skeptisch. Doch ausgerechnet Zentralbanken und Finanzinstitute sehen in...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street schließt im Plus, während sich die Märkte auf das Rekord-Debüt von SpaceX vorbereiten
11.06.2026

Geopolitische Spannungen und gigantische Vorbereitungen sorgen für ein Wechselbad der Gefühle auf dem Börsenparkett – was Anleger...

DWN
Politik
Politik Eskalation am Golf: Iran erklärt Straße von Hormus für gesperrt
11.06.2026

Trotz einer offiziellen Waffenruhe eskaliert der Konflikt zwischen den USA und dem Iran massiv. Als Reaktion auf erneute US-Luftangriffe...

DWN
Politik
Politik Neues Heizgesetz: Chancen für die Wärmewende oder Kostenfalle?
11.06.2026

Die Debatte um das neue Heizgesetz spaltet die Politik. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht im...