Immobilien

CO2-Bepreisung: Eigentümern und Mietern drohen starke Kostensteigerungen

Abgesehen von den finanziellen Sorgen, die schon ausgelöst wurden wegen dem kontroversen Gebäudeenergiegesetz und der EU-Gebäudeenergieeffizienzrichtlinie zur energetischen Sanierung, drohen deutschen Gebäudeeigentümern und Mietern zusätzlichen Belastungen in der nahen Zukunft. Der Grund: Eine Reform der CO2-Bepreisung. Vor allen ein Gebäudetyp ist anfällig und steht im Fokus.
07.10.2024 06:02
Aktualisiert: 01.01.2030 09:00
Lesezeit: 2 min
CO2-Bepreisung: Eigentümern und Mietern drohen starke Kostensteigerungen
Die CO2-Bepreisung ist ein klimapolitischer Ansatz, der in einer Reihe von Ländern weltweit angewandt wird (Foto: dpa).

Deutsche Haushalte könnten vom Jahr 2027 mit starken Kostensteigerungen konfrontiert werden wegen einer Reform bei der Kohlendioxidemissionen (CO2) -Bepreisung. Diese würde besonders energetisch schlechte Gebäude betreffen, so eine Studie des Münchner Forschungsinstituts für Wärmeschutz.

Die Analyse, im Auftrag des Bundesverbandes Energieeffiziente Gebäudehülle, warnte, dass Gebäude in schlechten Energieeffizienzklassen zum „unkalkulierbaren Kostenrisiko“ für ihre Bewohner und Eigentümer werden könnten. Im schlechtesten Fall wären die Kosten viele Tausende Euro pro Jahr.

Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Bundesverbandes Energieeffiziente Gebäudehülle, der Hersteller von Dämmstoffen und Fenstern repräsentiert, sagte dass viele Eigentümer und Mieter in Zukunft aufgrund veralteter Fassaden, Dächer und Fenster ihrer jeweiligen Gebäude mit hohen zusätzlichen Kosten konfrontiert werden würden. „Der energetisch schlechte Zustand vieler Gebäude in Deutschland wird sich ab 2027 neuerdings rächen.“

Neue Sanierungsoffensive in Deutschland „dringend notwendig“

Hinrichs sagte eine neue Sanierungsoffensive in Deutschland sei dringend notwendig, um die Bürger vor erheblichen Zusatzbelastungen zu schützen. Die Bundesregierung müsse die Anreize für Maßnahmen, die den Energiebedarf von Gebäuden reduzieren, wieder ins Zentrum rücken.

Energetisch schlechte Häuser – ein „unkalkulierbares Kostenrisiko“

Laut Studienautor Andreas Holm vom Forschungsinstitut für Wärmeschutz sei heute bereits absehbar, dass der europäische Emissionshandel nicht genug Emissionszertifikate für den Gebäudebereich zur Verfügung stelle. Es seien daher hohe CO2-Preise zu erwarten. Viele Gebäude in schlechten Energieeffizienzklassen seien für die Bewohner und Eigentümer besonders riskant und könnten zum „unkalkulierbaren Kostenrisiko" werden.

Hintergrund: Was ist die CO2-Bepreisung?

Im deutschen Gebäude sowie im Verkehrsbereich gilt derzeit eine nationale CO2-Bepreisung. Der CO2-Preis von derzeit 45 Euro pro Tonne steigt im kommenden Jahr auf 55 Euro. Ab dem Jahr 2026 beginnt dann ein Emissionshandel mit einem festgelegten Preiskorridor - dieser sieht einen Mindestpreis von 55 Euro für ein sogenanntes Emissionszertifikat und einen Höchstpreis von 65 Euro vor. Der nationale Emissionshandel soll 2027 in einen europäischen Emissionshandel für Gebäude und Verkehr überführt werden.

Das globale Bild

Die CO2-Bepreisung von Kohlendioxid ist ein klimapolitischer Ansatz, der in einer Reihe von Ländern weltweit angewandt wird. Die Bepreisung funktioniert, indem Emittenten für die von ihnen verursachten Tonnen an Kohlendioxidemissionen (CO2) zur Kasse gebeten werden. CO2 wird vor allem durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe freigesetzt, die für die Stromerzeugung, die industrielle Produktion, den Verkehr und die Energienutzung in Wohn- und Geschäftsgebäuden verwendet werden.

Die Bepreisung hat sich zu einem wichtigen politischen Instrument entwickelt, um die Auswirkungen der Treibhausgasverschmutzung einzudämmen und Investitionen in sauberere, effizientere Alternativen zu fördern. Nach Angaben des in London ansässigen CDP, eine gemeinnützige Organisation für Investoren, Unternehmen und Städte, steigt die Zahl der Länder, in denen Kohlenstoff-Preispolitik eingeführt werden, kontinuierlich von Jahr zu Jahr.

Deutschland: Jeder vierte dämmt oder tauscht Heizungen und Fenster aus

Laut einer aktuellen Immowelt-Umfrage hat jeder vierte Immobilieneigentümer in Deutschland in den vergangenen 12 Monaten energetische Sanierungen am Wohneigentum vornehmen lassen. Im Durchschnitt wurden dabei 37.000 Euro in die Modernisierung investiert. Mehr als die Hälfte der Befragten (55,1 Prozent) hat staatliche Hilfen in Anspruch genommen. Am häufigsten wurden bei den Sanierungen Fenster ausgetauscht (47,1 Prozent), gefolgt von der Heizung (43,4 Prozent) und einer neuen Dämmung (42,3 Prozent).

Und laut Immobilienfinanzierungsfirma BSK-Immobilien benutzen rund 31 Prozent der deutschen Haushalte nachhaltige Technologien wie Photovoltaikanlagen, Wärmepumpen oder Batteriespeicher. Besonders Photovoltaikanlagen seien beliebt, weil sie Energiekosten langfristig senken und die Unabhängigkeit von Energieversorgern erhöhen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Politik
Politik Neues Heizgesetz: Chancen für die Wärmewende oder Kostenfalle?
11.06.2026

Die Debatte um das neue Heizgesetz spaltet die Politik. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht im...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schwarz-Gruppe wächst: 300 neue Standorte für Lidl und Kaufland
11.06.2026

Die Schwarz-Gruppe treibt ihr Wachstum weiter voran. Im Geschäftsjahr 2025/26 vergrößerten Lidl und Kaufland ihr Filialnetz weltweit um...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB reagiert auf Iran-Krieg: Erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren
11.06.2026

Wegen des inflationstreibenden Ölpreisschocks infolge des Iran-Kriegs hebt die Europäische Zentralbank die Zinsen wieder an. Der wichtige...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Wer wird Weltmeister? Prognosen widersprechen sich deutlich
11.06.2026

Spanien, Frankreich, England, Argentinien, die Niederlande? Während die Wettmärkte auf die bewährten Favoriten setzen, erwarten einige...

DWN
Technologie
Technologie Frequenzstreit: Aus für das Antennenfernsehen ab 2031?
11.06.2026

In wenigen Jahren enden zentrale Nutzungsrechte für Funkfrequenzen. Telekommunikationskonzerne fordern diese schon heute vehement ein....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Selbst die Chinesen waren erstaunt, wie schnell diese Fabrik errichtet wurde
11.06.2026

Wir haben uns die Produktion des elektrisch angetriebenen BMW iX3 angesehen, die auf 400 Hektar ehemaliger Ackerflächen am Rande der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tante Enso greift bei Tegut zu
11.06.2026

Die Supermärkte von Tegut stehen zum Verkauf. Für einen Teil davon ist die Zukunft nun geklärt. Das Bundeskartellamt hat grünes Licht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kieler Forscher senken Wachstumsprognose für 2027
11.06.2026

Der Iran-Krieg trifft die deutsche Wirtschaft stärker als bislang erwartet und dämpft den erhofften Aufschwung. Während staatliche...