Politik

Ungarn fordert Ausstieg aus EU-Asylregeln - Konflikt mit Brüssel

Ungarn hat in einem Brief an die EU-Kommission offiziell gefordert, aus den bestehenden EU-Asylregeln auszusteigen. Der ungarische Europaminister Janos Boka teilte auf der Plattform X mit, dass er sich in einem Schreiben direkt an die EU-Innenkommissarin Ylva Johansson gewandt habe. Was genau heißt das?
08.10.2024 08:27
Lesezeit: 1 min
Ungarn fordert Ausstieg aus EU-Asylregeln - Konflikt mit Brüssel
Victor Orban, ungarischer Ministerpräsident, hatte im September angekündigt, dass Ungarn aus den EU-Asylregeln aussteigen möchte (Foot: dpa). Foto: Wolfgang Kumm

Boka erklärte, dass Ungarn dem Beispiel der Niederlande folgen wolle, falls es zu einer Änderung der EU-Verträge komme, die dies ermögliche. In diesem Fall würde Ungarn die „passenden Prozeduren“ einleiten. Trotz dieser Forderung bekräftigte Boka, dass Ungarn weiterhin dem Schengen-Raum verpflichtet bleibe.

In seinem Brief betonte Boka, dass Ungarn der festen Überzeugung sei, dass eine stärkere nationale Kontrolle über die Migration aktuell die einzige Möglichkeit darstelle, um die gewünschten Ziele zu erreichen und die illegale Migration, die ein „Sicherheitsrisiko“ darstelle, einzudämmen.

Ausstieg aus EU-Asylregeln: Niederlande als Vorbild?

Bereits im September hatte der ungarische Minister angekündigt, dass Ungarn aus den EU-Asylregeln aussteigen möchte. Diesem Schritt vorausgegangen war ein ähnlicher Antrag der Niederlande an die EU-Kommission. Geert Wilders, der Vorsitzende der radikal-rechten Partei für die Freiheit (PVV), die erstmals Teil einer niederländischen Regierungskoalition ist, bezeichnete diesen Antrag als ein wichtiges Signal dafür, „dass ein neuer Wind weht in den Niederlanden“.

Ob die beiden Länder mit ihrem Vorhaben Erfolg haben werden, bleibt fraglich. Eine solche Ausnahme von den EU-Asylregeln erfordert in der Regel die Zustimmung aller 27 EU-Mitgliedstaaten. Zudem haben sich die EU-Länder bereits auf eine neue Asylreform geeinigt, die nun umgesetzt werden muss.

Die ungarische Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orban, die seit Jahren eine migrationskritische Politik verfolgt, steht deshalb regelmäßig in Konflikt mit der EU-Kommission.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Politik
Politik „Machen Sie sich auf die Auswirkungen gefasst“: EU kündigt weitere Gegenmaßnahmen zu US-Zöllen an
03.04.2025

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat die Bürger der EU auf die bevorstehenden wirtschaftlichen Folgen...

DWN
Politik
Politik US-Finanzminister warnt vor Vergeltungszöllen: Eskalation könnte die Lage verschärfen
03.04.2025

US-Finanzminister Scott Bessent hat betroffene Länder vor einer schnellen Reaktion auf die jüngste Ankündigung von Präsident Donald...

DWN
Politik
Politik AfD-Kandidat erstmals ins Verfassungsgericht gewählt: Zweidrittelmehrheit im Thüringer Landtag
03.04.2025

Die AfD hat einen Kandidaten für den Thüringer Verfassungsgerichtshof durchgesetzt: Rechtsanwalt Bernd Falk Wittig wurde mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbercheck: Dürfen Arbeitgeber frühere Chefs kontaktieren?
03.04.2025

Referenzen von ehemaligen Arbeitgebern können wertvolle Einblicke bieten – aber ist es rechtlich erlaubt, ohne Zustimmung des Bewerbers...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sichere KI statt Datenleck: Das müssen Firmen beim Chatbot-Einsatz beachten
03.04.2025

KI-Chatbots sind im Mittelstand längst Alltag – doch oft fehlt es an Sicherheitsstandards. Der Hamburger KI- und Digitalisierungsexperte...

DWN
Panorama
Panorama Orban trifft Netanjahu in Budapest trotz Haftbefehl -und erklärt Rückzug aus Internationalen Strafgerichtshof
03.04.2025

Viktor Orbán ignoriert den Haftbefehl, den der Internationale Strafgerichtshof gegen Israels Premier erlassen hat – und heißt ihn in...

DWN
Politik
Politik Russlands Verzögerung der Verhandlungen könnte auch der Ukraine nützen
03.04.2025

Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine mögliche Waffenruhe oder Friedenslösung ziehen sich weiter hin. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: DAX-Kurs fällt nach Trumps Zollankündigung - wie sollten Anleger reagieren?
03.04.2025

Die erneute Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag die Aktienmärkte stark unter Druck gesetzt. Der DAX-Kurs...