Politik

Kosten sparen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Ja, aber wie viele?

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk soll Kosten senken - indem kleinere Sender gestrichen werden. Wie viel Geld genau das einspart, versucht ein externes Gutachtens vergeblich zu beziffern. Vermutlich: zu wenig.
09.10.2024 09:00
Lesezeit: 2 min

9.022.866.803,59 Euro, also fast zehn Milliarden Euro - so hoch war der Gesamtertrag des Rundfunkbeitrags im vergangenen Jahr. So viel haben die Deutschen für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gezahlt. Und zum Jahr 2025 sollen die Rundfunkbeiträge erneut angehoben werden, von 18,36 Euro pro Haushalt im Monat um 58 Cent auf 18,94 Euro pro Monat. Unabhängig davon, ob Empfangsgeräte verhanden sind oder nicht. Das Bundesverfassungsgericht bestätigte 2018 in einem grundsätzlichen Urteil, dass dieser Rundfunkbeitrag so rechtens ist. Doch es gibt viel Kritik an dem Modell.

Externes Gutachten bleibt nebulös

Klar ist: Die Rundfunkanstalten müssen im Rahmen einer Rundfunkreform ihre Kosten senken. Fieberhaft wird überlegt, wo das Sparbeil zuschlägt, so dass die Verletzungen nicht allzu heftig ausfallen. Geopfert werden sollen offenbar vor allem die kleinen Spartensender. Wieviel Geld das einspart, weiß man aber gar nicht. Oder möchte man es nicht wissen? Ein neues Gutachten zum öffentlich-rechtlichen Fernsehen legt sich jedenfalls nicht fest, wie viel Geld der Wegfall von manchen kleineren Sendern einsparen könnte. „Längerfristig könnten Veränderungen der Beauftragung zu Kostenersparnissen führen“, heißt es in dem Sondergutachten, das die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) für die Bundesländer erstellt hat. Ein konkretes Einsparpotenzial für den Zeitraum der nächsten vier Jahre lasse sich für die Einstellung von Partner- oder Spartenprogrammen von ARD und ZDF auf Grundlage der vorliegenden Zahlen zugleich nicht benennen.

Das planen die Länder von 3sat bis ZDFinfo

Es stehen noch keine Namen fest, welche TV-Kanäle wegfallen könnten. Es geht um kleinere Sender - einige werden auch Spartensender genannt, weil sie sich auf einen bestimmten Bereich konzentrieren. Bei dem von den Ländern definierten Bereich der Information, Bildung und Doku mit den Sendern Tagesschau24, Phoenix, ARD-alpha und ZDFinfo soll es eine Verringerung geben. Dabei kann ein Angebot eines TV-Kanals ins Internet überführt werden oder auch ganz wegfallen, das sollen die Sender selbst entscheiden.

Unter einem Kulturangebot listen die Länder zwar weiterhin die TV-Sender 3sat und Arte auf. Allerdings fügen sie hinzu: In Abstimmung mit den beteiligten öffentlich-rechtlichen europäischen Veranstaltern sollen die Inhalte von 3sat „teilweise oder vollständig“ in das Arte-Programm und dessen Digitalangebote „überführt werden“. Auch bei den Angeboten für Jüngere wollen die Länder die Zahl reduzieren. Bislang listen sie in dem Bereich den Kindersender KiKA, das Internet-Angebot funk und die TV-Sender ZDFneo und ARD One auf.

Erst langfristige Effekte

In ihrem KEF-Gutachten verweisen die Finanzexperten darauf, dass Einsparungen bei der Einstellung von Angeboten aufgrund laufender vertraglicher Verpflichtungen erst im Anschluss beziehungsweise nur über einen längeren Zeitraum erzielt werden könnten. „Zudem ist zu bedenken, dass bei einer Umstellung von linearen auf non-lineare Angebote lediglich die linearen Verbreitungskosten entfallen.“

Die KEF listete auch eine frühere eigene Einschätzung auf, wonach der Aufwand für die Partner- und Spartenprogramme im Verhältnis zum Gesamtaufwand der Rundfunkanstalten vergleichsweise gering sei. Dieser stellt sich laut KEF-Gutachten geplant für das Jahr 2024 so dar: ZDFneo rund 114 Millionen Euro, KiKA rund 92 Millionen, 3sat 86,3 Millionen Euro, funk rund 46 Millionen, Phoenix gut 42 Millionen, ZDFinfo rund 39 Millionen, Tagesschau24 gut 11 Millionen, One rund 10 Millionen und ARD-alpha fast 10 Millionen Euro.

Die Länder arbeiten derzeit an einer Rundfunkreform und listen in einem Entwurf auch eine Reduzierung von TV-Sendern auf. Die Länder wollen die Strukturen der Medienhäuser effizienter machen. Es geht um Kosteneinsparungen auch mit Blick auf die Entwicklung der Rundfunkbeitragshöhe.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ifo-Umfrage: Deutsche Firmen bleiben bei Klimainvestitionen zurückhaltend
31.08.2026

Der klimafreundliche Umbau der deutschen Wirtschaft erfordert erhebliche Investitionen. Eine Ifo-Umfrage zeigt jedoch, dass viele...

DWN
Politik
Politik Schwarzes Meer blockiert: Jetzt rückt Polen als Getreidekorridor auf
31.08.2026

Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer erhöhen die Nachfrage nach europäischen Agrargütern. In den Häfen herrscht deshalb Hochbetrieb....

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin vererben: Wenn das Testament nicht reicht
31.08.2026

Die Blockchain kennt keinen Erbschein. Wer Bitcoin, Ethereum oder andere Kryptowerte vererben will, muss auch den Zugriff sichern. Sonst...

DWN
Politik
Politik Rentenreform: Wirtschaftsweise Grimm nimmt Mütterrente ins Visier
31.08.2026

Veronika Grimm erhöht den Druck auf die Bundesregierung: Die Wirtschaftsweise verlangt tiefgreifende Änderungen bei mehreren...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo EX60 im Test: Ein schwedischer Triumph
31.08.2026

Der lange erwartete neue Volvo verbindet Ruhe und Vernunft mit technischer Raffinesse und souveränen Reserven. In mehreren Bereichen setzt...

DWN
Politik
Politik EU-Referendum: Island entscheidet sich gegen Brüssel – die Hintergründe
31.08.2026

Am Samstag stimmten die Isländer darüber ab, ob sie bereit sind, die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union wieder...

DWN
Finanzen
Finanzen Zinserwartungen bewegen XRP-Kurs: XRP Ledger verliert beim Stablecoin RLUSD gegen Ethereum
31.08.2026

Der XRP-Kurs zeigt sich nach einer starken August-Rally am Montag volatil. Auf der einen Seite belasten die US-Zinserwartungen den Kurs des...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Sparpläne bei Volkswagen verärgern IG Metall – Zeichen stehen auf Konflikt
31.08.2026

Bei Volkswagen spitzt sich die Lage zu: Der Vorstand plant härtere Einschnitte, die Gewerkschaft warnt vor einem schweren Konflikt. Selbst...