Finanzen

Wann kommt das Vermögensregister - und muss man wirklich davor Angst haben?

Das EU-Vermögensregister ist eines der heißesten Themen des Jahres 2024 und verursacht bereits große Wellen – obwohl es noch gar nicht eingeführt wurde. Viele Menschen fühlen sich unzureichend über die Details aufgeklärt, was die Verbreitung zahlreicher Missverständnisse fördert. Salomon Negusse, Geschäftsführer von SMG Negusse Finance, externer CFO und Spezialist für Vermögensplanung, nimmt sich fünf typische Mythen vor und klärt auf!
Autor
11.10.2024 16:03
Lesezeit: 3 min
Wann kommt das Vermögensregister - und muss man wirklich davor Angst haben?
Vermögensexperte klärt 5 Mythen zum Thema Vermögensregister auf (Foto: istockphoto/niphon). Foto: niphon

Sie haben bestimmt schon das Wort EU-Vermögensregister oder einfach Vermögensregister mehrmals in diesem Jahr gehört. Es ist keine Überraschung, da die Einführung dieses Registers für 2025 geplant ist und das Thema „Vermögen“ ohnehin jede Person betrifft, vor allem Unternehmer. Doch was genau steckt hinter dem Register? Das Thema klärt für die DWN Salomon Negusse, Geschäftsführer von SMG Negusse Finance, externer CFO und Vermögensexperte, auf.

EU-Vermögensregister: Schritt zur Bekämpfung von Geldwäsche oder Bedrohung der Privatsphäre?

Bereits seit Juli 2021 arbeitet die EU an der Umsetzung des Vermögensregisters. Dieses soll bei der neuen EU-Geldwäschebehörde AMLA (Anti-Money-Laundering and Countering the Financing of Terrorism Authority) angesiedelt sein und einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung leisten. Ab 2025 könnten Vermögenswerte ab einem Schwellenwert von 200.000 Euro – auch im Ausland – erfasst werden. Zu den betroffenen Vermögensgegenständen zählen unter anderem Bargeld, Immobilien, Aktien, Kunstgegenstände und wertvolle Fahrzeuge.

Kritiker äußern Bedenken hinsichtlich eines möglichen Eingriffs in die Privatsphäre, da sensible Vermögensdaten umfassend erfasst werden sollen. Zudem wird befürchtet, dass das Register über die Geldwäschebekämpfung hinaus als Kontrollinstrument dienen oder gar als Basis für künftige Vermögensabgaben oder -steuern genutzt werden könnte.

Trotz der geäußerten Bedenken gibt es aktuell keinen Anlass zur Panik, betont Negusse. Die konkrete Umsetzung des Registers ist noch nicht vollständig geklärt, und der Prozess wird schrittweise erfolgen. Zudem ist es wichtig zu betonen, dass das primäre Ziel des Registers die Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung ist. Es soll rechtmäßig erworbenes Vermögen nicht benachteiligen.

5 Mythen über das Vermögensregister

Die Diskussion um das europäisches Vermögensregister hat zahlreiche Missverständnisse und Mythen hervorgerufen, bestätigt Negusse. Als Vermögensexperte weiß er genau, mit welchen Irrtümern man das Thema Vermögensregister verbindet.

1. Das Register betrifft alle Bürger

Im Gegensatz zu der weit verbreiteten Meinung betrifft das Register nicht die gesamte Bevölkerung. Es werden lediglich Vermögenswerte erfasst, die den Schwellenwert von 200.000 Euro überschreiten. Daher wird der durchschnittliche Bürger von dieser Regelung nicht tangiert.

2. Es führt automatisch zu neuen Steuern

Das Vermögensregister schafft zwar theoretisch die Grundlage für Vermögenssteuern, jedoch gibt es derzeit keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Register und der Einführung neuer Steuern. Es dient primär zur Bekämpfung von Geldwäsche.

3. Die Umsetzung ist bürokratisch aufwendig

Moderne digitale Systeme ermöglichen eine effiziente Erfassung von Vermögenswerten. Anders als früher, als Bürokratie und Papierarbeit viel Aufwand verursachten, kann die digitale Erfassung den Prozess heute deutlich vereinfachen.

4. Es ist eine „Schnüffelsteuer“

Kritiker bezeichnen das Register oft als „Schnüffelsteuer“. In Wirklichkeit sind viele der relevanten Vermögensinformationen bereits in anderen öffentlichen Registern verfügbar, wie z. B. bei Immobilien oder Fahrzeugen.

5. Die Mehrheit der Bevölkerung ist dagegen

Tatsächlich zeigen Umfragen, dass eine Mehrheit der Bevölkerung in Europa Vermögenssteuern unterstützt. Das weist darauf hin, dass das Register auf Zustimmung stoßen könnte, wenn es zur Erhebung solcher Steuern benötigt wird.

5 Fakten zum EU-Vermögensregister

Vermögensexperte Salomon Negusse betont, dass eine proaktive Position in Fragen des Vermögensregisters wichtig ist: Sich stetig zu informieren, ist in dieser Angelegenheit besonders wichtig, meint er:

„Das EU-Vermögensregister bringt zweifellos Veränderungen mit sich, sollte aber nicht als Grund für übermäßige Angst betrachtet werden. Eine informierte, proaktive Herangehensweise wird dafür sorgen, dass Betroffene gut vorbereitet sind.“

Salomon Negusse trägt hierzu bei und benennt die Fakten zum Thema Vermögensregister:

1. Ziel ist Transparenz

Das Hauptziel des Registers ist es, mehr Transparenz in die Vermögensstrukturen zu bringen und so die Bekämpfung von Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu erleichtern.

2. Geplanter Start 2025

Der offizielle Start des EU-Vermögensregisters ist für das Jahr 2025 vorgesehen. Derzeit laufen die Vorbereitungen und die genaue Ausgestaltung des Registers ist noch im Prozess.

3. Erfassung verschiedener

Vermögenswerte neben Immobilien werden auch andere Vermögensgegenstände wie Aktien, Bargeld, Kunstwerke und Edelmetalle erfasst. Auch Auslandsvermögen soll Teil des Registers sein.

4. Teil eines größeren EU-Pakets

Das Vermögensregister ist nicht isoliert, sondern ein Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets der EU zur Bekämpfung von Finanzkriminalität, das über das Register hinausgeht.

5. Datenschutzbedenken

Es gibt Bedenken in Bezug auf den Datenschutz, besonders was die Vereinbarkeit des Registers mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) betrifft. Auch das Risiko eines möglichen Datenmissbrauchs steht zur Diskussion.

Das EU-Vermögensregister ist ein komplexes Thema, das auf die Schaffung von Transparenz und die Bekämpfung von Finanzkriminalität abzielt. Gleichzeitig gibt es jedoch auch ernstzunehmende Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre und möglicher langfristiger steuerlicher Folgen. Um die tatsächliche Reichweite und die Auswirkungen des Registers zu begreifen, ist es unerlässlich, sich differenziert und fundiert mit den verschiedenen Aspekten auseinanderzusetzen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Neue deutsch emiratische Investitionen stärken Dubais Standortrolle

Die Zeiten, in denen eine Firma vor allem am eigenen Standort und nur begrenzt darüber hinaus florieren wollte, sind vorbei. Heute sind...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Iana Roth

                                                                            ***

Iana Roth ist Redakteurin bei den DWN und schreibt über Steuern, Recht und HR-Themen. Zuvor war sie als Personalsachbearbeiterin tätig. Davor arbeitete sie mehrere Jahre als Autorin für einen russischen Verlag, der Fachliteratur vor allem für Buchhalter und Juristen produziert.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Krypto-Rally an der Wall Street
18.09.2026

Unerwartete Entwicklungen bewegen die US-Märkte und sorgen für Aufsehen unter Anlegern.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Suezkanal: Warum Maersk jetzt die riskante Abkürzung nimmt
18.09.2026

Die Sicherheitslage im Roten Meer verschärft sich, doch ausgerechnet jetzt kehren große Reedereien auf die Route durch den Suezkanal...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Aus einem Hobby wird ein Unternehmen: Sie hatte eine Idee, er musste seinen Job kündigen
18.09.2026

Aurelija Mališauskienė, Gründerin des Unternehmens „Minimali“, begann während ihres Elternurlaubs mit der Herstellung von...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkttrend „Boomerang Hiring“ – erst gekündigt, dann zurückgeholt
18.09.2026

Die Wiedereinstellung ehemaliger Arbeitnehmer wird auch in Deutschland zum wachsenden Trend auf dem Arbeitsmarkt: Wie Arbeitgeber mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Benzinpreis aktuell: Warum Tanken trotz billigerem Öl Rekorde bricht
18.09.2026

Rohöl kostet weniger als auf dem Höhepunkt der Energiekrise 2022, der Euro steht stärker zum Dollar. Trotzdem zahlen Autofahrer in...

DWN
Politik
Politik UN-Generalversammlung: Deutschland reist ohne Merz nach New York
18.09.2026

Bundeskanzler Friedrich Merz sagt seine Reise zur UN-Generalversammlung wegen der innenpolitischen Lage ab. Die Bundesregierung betont...

DWN
Politik
Politik CO2-Speicherung unter der Nordsee: Dänemark startet Regelbetrieb
18.09.2026

Dänemark macht bei der unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid den nächsten Schritt. Das Projekt „Greensand“ wechselt vom...

DWN
Politik
Politik Übergewinnsteuer für Ölkonzerne: EU-Kommission bremst Klingbeil
18.09.2026

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil drängt auf eine europäische Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne. Doch aus Brüssel kommt...