Unternehmen

DAX-Firmen: Nur langsam mehr Frauen an der Spitze

Laut einer Studie der deutsch-schwedischen Allbright Stiftung kann Deutschland sich immer noch nicht zu anderen westlichen Industrieländern aufschließen: Das Land lag mit einem Frauenanteil von 24,7 Prozent an den Vorstandsmitgliedern der DAX-Konzerne zum 1. September deutlich hinter Spitzenreiter Großbritannien (32,1 Prozent). Welche andere Länder sind top im internationalen Vergleich und was sollten deutsche Firmen verändern?
15.10.2024 16:00
Aktualisiert: 15.10.2024 16:00
Lesezeit: 2 min
DAX-Firmen: Nur langsam mehr Frauen an der Spitze
In Großbritannien ist das öffentliche Bewusstsein für Chancengleichheit stark. Deutschland hat viel Zeit mit der Quotendiskussion verloren. (Foto: iStock.com/AndreyPopov) Foto: AndreyPopov

Im Top-Management der 40 großen im Deutschen Aktienindex DAX notierten Unternehmen ist mittlerweile jedes vierte Vorstandsmitglied eine Frau. Damit kann Deutschland nach einer Studie der Allbright Stiftung aber noch immer nicht zu anderen westlichen Industrieländern aufschließen. So lag Deutschland mit einem Frauenanteil von 24,7 Prozent an den Vorstandsmitgliedern der DAX-Konzerne zum 1. September deutlich hinter Spitzenreiter Großbritannien (32,1 Prozent).

Auf Platz zwei folgten die USA (30,1 Prozent) vor Frankreich (28,8 Prozent) und Schweden (28,2 Prozent). Schlechter als Deutschland schnitt der Studie zufolge nur Polen mit einem Frauenanteil von 18,2 Prozent an den Vorstandsmitgliedern ab. Etwas besser sah es bei den Aufsichtsräten der DAX-Unternehmen aus, in denen vier von zehn Mitgliedern weiblich waren.

Kaum Frauen an der Spitze von Vorständen und Aufsichtsräten

Betrachtet man alle 160 Unternehmen zusammen, die in den Börsenindizes DAX, MDAX und SDAX gelistet sind, erhöhte sich der Anteil der Frauen an den Vorstandsposten innerhalb eines Jahres um 2,3 Prozentpunkte auf 19,7 Prozent. Das war ein schwächerer Anstieg als bei der vorangegangenen Studie (plus 3,2 Prozentpunkte).

In den Kontrollgremien aller Unternehmen der DAX-Familie waren zum 1. September 37 Prozent aller Mitglieder weiblich. Bei den Spitzenposten änderte sich die Situation kaum: Laut Studie gab es zu dem Stichtag zehn weibliche Aufsichtsratsvorsitzende (Vorjahr: sechs) sowie sieben Vorstandsvorsitzende und damit ebenso viele wie im vergangenen Jahr.

In Deutschland sei viel Zeit mit der Quotendiskussion verloren worden, erklärten die Geschäftsführer der Allbright Stiftung, Wiebke Ankersen und Christian Berg. Die deutschen Unternehmen müssten noch viel stärker auf geeignete Maßnahmen setzen, wenn sie im internationalen Wettbewerb aufholen wollten.

Unternehmen sollten sich Ziele setzen und eigenes Vorgehen hinterfragen

So sollten sich die Unternehmen möglichst konkrete interne Ziele zur Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen setzen und dabei auch hinterfragen, welche Strukturen dem möglicherweise entgegenstehen und wo es darüber hinaus vielleicht hakt, sagte Ankersen. Möglicherweise spielten teils auch unbewusste Vorurteile bei der Auswahl von Führungskräften eine Rolle.

Dass es in Deutschland noch immer nicht richtig vorangeht mit dem Frauenanteil im Top-Management sei auch deshalb verwunderlich, weil mehr als die Hälfte der Studienabsolventinnen im Fach Betriebswirtschaftslehre weiblich sei - „und das nicht erst seit gestern“, unterstrich Ankersen.

Etwas optimistisch stimme, dass seit einiger Zeit bei der Besetzung der Finanzvorstandsposten zunehmend auch Frauen zum Zuge kämen - ein Vorstandsressort, das häufig Sprungbrett für den Vorstandsvorsitz sei. So war bei der Commerzbank erst kürzlich die langjährige Finanzchefin Bettina Orlopp an die Vorstandsspitze gerückt.

Die deutsch-schwedische Allbright Stiftung ist nach eigenen Angaben eine politisch unabhängige und gemeinnützige Stiftung mit Sitz in Stockholm und in Berlin. Sie setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Energiekrise in Europa: Die nächste gefährliche Abhängigkeit bedroht die EU
15.07.2026

Die Straße von Hormus ist blockiert, Europas Energiepreise bleiben hoch und selbst Diesel könnte knapp werden. Zwei der wichtigsten...

DWN
Politik
Politik Merz sieht Koalition auf gutem Weg - aber nicht am Ziel
15.07.2026

Die Sommerpressekonferenz des Bundeskanzlers hat Tradition. Diesmal stellte sich Amtsinhaber Friedrich Merz den Fragen der Journalisten...

DWN
Politik
Politik EU schmiedet Drohnen-Pakt mit der Ukraine
15.07.2026

Die EU und die Ukraine wollen ihre Drohnenproduktion gemeinsam ausbauen, während Kiew den Seekrieg gegen Russland auf eine neue Stufe...

DWN
Finanzen
Finanzen ASML-Aktie überrascht mit starken Quartalszahlen
15.07.2026

Die ASML-Aktie setzt ihren Höhenflug fort: Der Chipausrüster hebt nach überraschend starken Quartalszahlen erneut seine Prognose an und...

DWN
Technologie
Technologie Absatzkrise der Autobauer: Nicht nur VW und Co. verlieren
15.07.2026

Deutsche Autobauer verlieren beim Absatz, doch auch andere große Hersteller kämpfen mit Rückgängen. Am stärksten leidet dabei ein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 220 Euro pro Kopf: War das der Höhepunkt der Bahn-Investitionen?
15.07.2026

Der Bund investiert so viel wie nie in die Schiene – doch schon in wenigen Jahren droht wieder der Rückwärtsgang. Die Bahnbranche warnt...

DWN
Finanzen
Finanzen Investieren für Kinder: Diese Entscheidungen können teuer werden
15.07.2026

Beim Ansparen für ein Kind hängt das Ergebnis nicht allein von der Rendite der Anlage ab. Es ist ebenso wichtig, auf wessen Namen das...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
15.07.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...