Politik

Verbotene Arbeiterpartei PKK reklamiert Anschlag in Ankara für sich

In Ankara wird ein türkischer Rüstungshersteller angegriffen. Für die Regierung stand schnell fest, wer dahintersteckt. Nun äußert sich die verbotene türkische Arbeiterpartei dazu.
25.10.2024 16:34
Lesezeit: 2 min

Die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK hat den Anschlag mit fünf Toten in Ankara für sich reklamiert. Das schrieb die PKK-nahe Nachrichtenagentur ANF unter Berufung auf die HPG, den militärischen Arm der Organisation. Der Anschlag sei von einem autonomen Team des "Unsterblichkeitsbataillons" ausgeführt worden.

Der Angriff ereignete sich kurz nach einer Äußerung der Ultranationalisten der Partei MHP, die Regierungspartner der AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan ist. Sie hatte eine mögliche Freilassung des PKK-Führers Abdullah Öcalan thematisiert. In der Mitteilung der HPG wurde ein Zusammenhang explizit bestritten.

Angriff richtete sich gegen Rüstungsunternehmen

Der Angriff am Mittwoch richtete sich gegen eines der bedeutendsten türkischen Rüstungsunternehmen. Vier der Toten waren Angestellte der Firma Tusas. Neben den Todesopfern gab es auch 22 Verletzte bei dem Angriff, der sich in einem Außenbezirk der Hauptstadt Ankara ereignete. Zwei mutmaßliche Angreifer seien getötet worden, ein Mann und eine Frau, so Innenminister Ali Yerlikaya.

Die PKK sprach von zwei toten "Helden". Tusas sei ein "militärisches Ziel", weil die von der Firma hergestellten Waffen "Zivilisten in Kurdistan" töteten. Laut Experten setzt die türkische Regierung Drohnen des Unternehmens im Kampf gegen die PKK ein.

Luftangriffe als Reaktion

Die türkische Regierung hatte wenige Stunden nach dem Anschlag mit Luftangriffen auf Ziele im Nordirak und in Syrien reagiert. Die PKK hat ihr Hauptquartier in den nordirakischen Kandil-Bergen. Präsident Erdogan sagte, der Anschlag sei Folge einer "Infiltration aus Syrien". In Nordsyrien geht Ankara regelmäßig gegen die syrische Kurdenmiliz YPG vor, die sie als Ableger der PKK sieht. Kurdenmilizen in Syrien schrieben von getöteten Zivilisten, die türkische Regierung sprach von toten "Terroristen".

PKK kämpft gegen den türkischen Staat

In der Türkei hat die PKK in der Vergangenheit immer wieder schwere Anschläge verübt, auch in Ankara. Die PKK kämpft seit den 80er Jahren gegen den türkischen Staat und verübt immer wieder Anschläge. Sie wird von der Türkei, der Europäischen Union und den USA als Terrororganisation eingestuft.

Der Chef der ultranationalistischen MHP Devlet Bahceli hatte am Dienstag eine Freilassung des seit mehr als zwei Jahrzehnten inhaftierten PKK-Anführers als Möglichkeit ins Gespräch gebracht, für den Fall, dass Öcalan die Entwaffnung der Organisation verkündet.

Neuer Friedensprozess?

Beobachter werteten dies als ein Zeichen dafür, dass es möglicherweise zu einem neuen Friedensprozess zwischen Regierung und PKK kommen könnte. Der letzte Versuch war 2015 gescheitert. Öcalan hatte über einen Besucher am Mittwoch eine Mitteilung veröffentlichen lassen und sich mit folgenden Worten zitieren lassen: "Wenn die Bedingungen gegeben sind, habe ich die theoretische und praktische Kraft, diesen Prozess von der Ebene des Konflikts und der Gewalt auf eine politische und rechtliche Ebene zu bringen."

Von der PKK hieß es, man begrüße Öcalans Botschaft und werden sie den Entwicklungen entsprechend evaluieren. Der Anschlag sei lange geplant worden und habe nichts mit der aktuellen politischen Diskussion zu tun.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Sk-Hynix-Aktie jagt Samsung vom Börsenthron
23.06.2026

Der KI-Boom schreibt einen neuen Börsenkönig: Sk Hynix hat Samsung nach 26 Jahren von der Spitze Südkoreas verdrängt. Doch während...

DWN
Politik
Politik Ostsee unter Druck: Mysteriöse Schiffe bedrohen Europas kritische Infrastruktur
23.06.2026

Mysteriöse Schiffe, gekappte Datenkabel und wachsende Angst vor russischer Sabotage setzen Europas kritische Infrastruktur unter Druck....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Standort Deutschland: Gutverdiener sehnen sich nach Job im Ausland
23.06.2026

Viele Deutsche stöbern laut einer Umfrage aktiv in ausländischen Stellenanzeigen. Hauptmotive: Eine bessere Bezahlung und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Palantir-Chef: „Die Ukraine kann gewinnen“
23.06.2026

Palantir zählt zu den umstrittensten Technologieunternehmen der Welt. In einem exklusiven Interview erklärt Europa-Chef Louis Mosley,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Tech-Aktien unter Druck trotz Hoffnungen auf US-Iran-Friedensabkommen
22.06.2026

Spannungen an den Weltmärkten: Welche Entwicklungen Sie jetzt im Auge behalten müssen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Infrastruktur-Finanzierung: Bauindustrie fordert neue Debatte über Pkw-Maut
22.06.2026

Die deutsche Bauindustrie schlägt zur dauerhaften Sanierung des Verkehrsnetzes die Einführung einer Pkw-Maut vor. Durch den Wechsel von...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg wird für Netanyahu zur politischen Falle
22.06.2026

Benjamin Netanyahu drängte Donald Trump zum Krieg gegen Iran. Doch nun droht ausgerechnet dieser Iran-Krieg den israelischen Premier...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Fast 400 Jahre Biergeschichte – Brauerei Wolters beantragt Insolvenz
22.06.2026

Die Insolvenz reiht sich in einen bundesweiten Markttrend ein: Anhaltende Absatzschwäche und gestiegene Rohstoff- und Energiekosten machen...