Politik

Krankenkassen: Wenig Widerspruch gegen E-Patientenakte

Die Auguren hatten Recht: Die Deutschen haben scheinbar nicht gegen die elektronische Patientenakte auszusetzen. Die deutschen Versicherer AOK, Techniker, Barmer und DAK mit insgesamt mehr als 50 Millionen Versicherten melden, dass es eher wenig Widersprüche von den Kassenpatienten gibt.
28.10.2024 17:05
Lesezeit: 2 min

Die bevorstehende flächendeckende Einführung der elektronischen Patientenakte stößt bisher kaum auf Widerstand bei den 75 Millionen gesetzlich Krankenversicherten. Wie eine Abfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den größten deutschen Versicherern AOK, Techniker, Barmer und DAK mit insgesamt mehr als 50 Millionen Versicherten ergab, hat bisher nur ein geringer Anteil Widerspruch gegen das geplante automatische Anlegen einer E-Patientenakte eingelegt.

Seit dem Sommer läuft eine Informationskampagne der Kassen. Alle Versicherten werden schriftlich auf die Einführung der E-Patientenakte (ePA) für alle im Januar und die Möglichkeit hingewiesen, gegen ihre Einrichtung Widerspruch einzulegen.

Widerspruch im "niedrigen einstelligen Prozentbereich"

Bis Ende September sei der Anteil der rund 27 Millionen AOK-Versicherten, die Widerspruch einlegten, mit einem Prozent sehr gering ausgefallen, teilte ein Sprecher des AOK-Bundesverbands mit. Eine Sprecherin der Techniker Krankenkasse (11,7 Millionen Versicherte) sagte, die Widerspruchsquote bei der TK liege bisher im niedrigen einstelligen Prozentbereich.

Die Barmer (8,6 Millionen Versicherte) hat nach eigenen Angaben mittlerweile fast 90 Prozent ihrer Versicherten angeschrieben. "Uns haben nur wenige Widersprüche erreicht", sagte ein Sprecher. Die Widerspruchsquote liege deutlich unter den von der Bundesregierung erwarteten 20 Prozent. Eine konkrete Zahl könne man erst zum Ende der Informationskampagne im Januar nennen.

Die DAK-Gesundheit meldet nach Anschreiben fast aller ihrer 5,5 Millionen Versicherten eine Widerspruchsquote von rund einem Prozent. "Diese geringe Quote bestätigt uns darin, dass unsere Versicherten sich gut informiert fühlen und die Vorteile der ePA für alle erkennen", sagte Franz-Helmut Gerhards, bei der DAK für die Digitalisierungsstrategie verantwortlich.

GKV-Spitzenverband: Digitalisierung mehr als überfällig

Die Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV), Doris Pfeiffer, sprach mit Blick auf die Rückmeldungen der ersten Wochen der Informationskampagne von einem sehr guten Zwischenergebnis, "denn es zeigt, dass die Menschen Vertrauen in unser Gesundheitswesen haben". Die elektronische Patientenakte sei "eine große Chance, die Versorgung der Menschen nachhaltig zu verbessern", sagte sie.

Bewährungsstunde in der Arztpraxis: Testbetrieb ab 15. Januar

Als wählbares Angebot, um das sich Versicherte selbst kümmern müssen, waren E-Akten bereits 2021 eingeführt worden. Sie werden bisher aber kaum verwendet. Nun wird das Prinzip nach einem Gesetz der Ampel-Koalition umgekehrt: Ab dem 15. Januar sind die Kassen verpflichtet, für alle gesetzlich Versicherten eine E-Akte bereitzustellen, außer für die, die dem zuvor widersprochen haben. Ab Mitte Januar soll es dann zunächst in zwei Modellregionen (Franken und Hamburg) Tests im Praxisbetrieb geben, ab Anfang März ist laut Gesundheitsministerium die deutschlandweite Nutzung der E-Patientenakte vorgesehen. Von Datenschützern wird die Widerspruchslösung kritisiert.

Befunde, Medikamente, Laborwerte per App immer abrufbar

Die Akte soll ein digitaler Speicher etwa für Angaben zu Medikamenten, für Befunde und Laborwerte sein und Patienten ein Leben lang begleiten. Die Versicherten können selbst Dokumente dort einfügen, Ärzte müssen Daten aus aktuellen Behandlungen einstellen. Die sich so langsam füllende E-Akte soll künftig etwa bei einem Arztwechsel oder Umzug helfen oder auch in Notfällen, wenn Mediziner dadurch schneller Informationen zur Krankengeschichte oder zum Medikamentenplan eines Patienten bekommen.

Die Versicherten haben über eine App ihrer Krankenkasse Zugriff auf die E-Akte und steuern dort, welche Dokumente einsehbar sind. Sie können nach Angaben von Gesundheitsministerium und Krankenkassen Dokumente sperren und auch wieder löschen oder auch die ganze Akte später wieder löschen lassen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stromausfall oder Blackout: Deutsche Firmen sind schlecht auf einen Ernstfall vorbereitet
11.02.2026

Trotz einer verschärften Sicherheitslage ist die deutsche Wirtschaft nur unzureichend gegen hybride Bedrohungen wie Cyberangriffe oder...

DWN
Politik
Politik Europas Verhandlungskurs auf dem Prüfstand: Russlands Finanzlage im Ukrainekrieg unter Druck
11.02.2026

Russlands wirtschaftliche Grenzen im Ukrainekrieg treten immer deutlicher hervor, während Europa über Gespräche mit dem Kreml nachdenkt....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Energiepreise unter Druck: KI-Rechenzentren treiben US-Strompreise in die Höhe
11.02.2026

Der Ausbau von KI-Rechenzentren treibt den Stromverbrauch in den USA nach oben und erhöht regional die Strompreise. Wie stark verändert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche Wirtschaft: Krisen kosten Deutschland fast 1.000 Milliarden Euro
11.02.2026

Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, Zoll-Streit: Seit 2020 reiht sich eine Krise an die andere. Das kommt die deutsche Wirtschaft teuer zu...

DWN
Panorama
Panorama Allensbach-Studie: Weniger Rückhalt der Deutschen für Energiewende
11.02.2026

Fossile Energieträger wie Kohle und Gas sollen in Deutschland schrittweise durch erneuerbare Energien ersetzt werden - für mehr...

DWN
Politik
Politik Neuwahlen Ukraine: Selenskyj könnte Präsidentenwahl für 15. Mai ansetzen
11.02.2026

Die USA wollen ein schnelles Ende des Ukraine-Kriegs: Einem Bericht der Financial Times zufolge könnte Präsident Selenskyj die Flucht...

DWN
Politik
Politik Epstein Files: Von Adel bis Politik - das „Wer ist wer“ der Epstein-Akten
11.02.2026

Royals, Regierungsmitglieder und Diplomaten: Das Netzwerk des US-Multimillionärs und Sexualstraftäters Jeffrey Epstein umspannte die Welt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Polizeieinsatz in Grünheide: Tesla gegen IG Metall
11.02.2026

Wenige Wochen vor der Betriebsratswahl kommt es im Werk von US-Elektroautobauer Tesla in Grünheide zu einem Eklat. Damit spitzt sich der...