Wirtschaft

Deloitte-Studie besagt: Industrie muss mit schwächerem Exportwachstum rechnen

Trumps Drohung mit Zöllen verunsichert die deutsche Exportindustrie. Doch Experten sagen: Auch ohne solche Sanktionen seien in den USA keine großen Zuwächse mehr zu erwarten.
18.11.2024 14:55
Lesezeit: 2 min

Handelskriege und zunehmender Protektionismus dürften nach Einschätzung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte das Wachstum der deutschen Industrieexporte ausbremsen. "Neue Zölle von zehn Prozent oder mehr würden das ohnehin geringe Exportwachstum in die USA nahezu halbieren", sagt Oliver Bendig, Partner und Leiter der Industrieberatung bei Deloitte, anlässlich der Vorstellung einer Studie zur Entwicklung bis 2035.

Der künftige US-Präsident Donald Trump hatte im Wahlkampf Zölle von bis zu 20 Prozent auf Importe aus Europa angedroht, bei Waren aus China sogar mindestens 60 Prozent.

Schon ohne weitere Handelsbeschränkungen erwarten die Deloitte-Experten nur wenig Rückenwind durch das Amerika-Geschäft. Die USA würden zwar weiter der wichtigste Auslandsmarkt für die deutsche Industrie bleiben. Die Gewichte dürften sich in den kommenden Jahren aber in Richtung Europa und neue Märkte wie Indien und Australien verschieben. Unterstellt wurde dabei, dass sich die weltweiten Handelskonflikte nicht weiter zuspitzen.

Im Schnitt rechnen die Deloitte-Experten in diesem Szenario bis 2035 noch mit einem jährlichen Wachstum der Industrieexporte in die USA von durchschnittlich 1,8 Prozent. In China sehe es nur wenig besser aus. Die Ausfuhren in die Volksrepublik dürften noch um 2,3 Prozent pro Jahr wachsen und damit deutlich hinter den Spitzenwerten früherer Jahre zurückbleiben. Als Wachstumsmotor falle China damit aus.

Indien als neuer Wachstumsmotor

Stark zunehmen dürften dagegen die Ausfuhren in andere Länder der Asien-Pazifik-Region. Die höchsten Zuwächse erwartet Deloitte hier auf den Philippinen (plus 6,6 Prozent pro Jahr), gefolgt von Indien (5,7 Prozent), Vietnam (4,3) und Australien (4,0 Prozent).

Der Export in andere Länder Europas dürften nach der Einschätzung dagegen ebenso schwach zulegen wie die in die USA: um durchschnittlich 1,8 Prozent pro Jahr. Wegen der Größe des Marktes würde Länder wie Frankreich, Italien und die Niederlande damit aber weiter eine zentrale Rolle als Absatzmarkt spielen. "Ohne den europäischen Markt wird es für die Industrie auch künftig nicht gehen", sagt Bendig, "doch den fehlenden Rückenwind aus den USA und China wird das kaum wettmachen."

Blockbildung gefährdet China-Geschäft

Deutlich größere Verwerfungen erwarten die Deloitte-Experten bei ihrem zweiten durchgerechneten Szenario: einer verstärkten Blockbildung zwischen USA und China - auf der einen Seite Nordamerika, Europa und weite Teile Südamerikas, auf der anderen die Staaten der Brics-Organisation wie China, Russland, Indien, Brasilien und Südafrika, zu denen weitere Länder Asiens und weitere Teile Afrikas hinzustoßen könnten.

Sollte es dazu kommen, dann werde der Export nach China bis 2035 sogar um 6,0 Prozent pro Jahr schrumpfen, so die Deloitte-Prognose. Und auch Indien dürfte als Wachstumsmarkt ausfallen: Statt plus 5,7 Prozent erwarten sie Experten dann minus 5,7 Prozent pro Jahr beim Export nach Indien. Ähnlich werde es in Brasilien aussehen: Aus plus 2,6 Prozent pro Jahr dürften dann minus 2,9 Prozent werden. Im Gegenzug könnten die Ausfuhren in die USA aber sogar zunehmen, prognostizieren die Deloitte-Experten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Staatliche Datenkontrolle treibt Verbraucher in die digitale Schattenwirtschaft

Deutschland befindet sich im Jahr 2026 in einer paradoxen wirtschaftspolitischen Situation. Während die Bundesregierung versucht, durch...

DWN
Politik
Politik Energiepreise setzen Haushalte unter Druck: Wie die EU Stromkosten senken will
11.03.2026

Die EU-Kommission stellt einen neuen Energieplan vor, mit dem Haushalte in Europa spürbar bei den Stromkosten entlastet werden sollen....

DWN
Politik
Politik Steuerrecht: Ehegattensplitting vorm Aus? Mehr Arbeitszeit für Frauen nicht lukrativ
11.03.2026

Für viele Frauen lohnt es sich finanziell nicht, in den Job zurückzukehren oder ihre Teilzeit auszubauen, das Ehegattensplitting entpuppt...

DWN
Finanzen
Finanzen Gerresheimer-Aktie im freien Fall: Jahresabschluss verschoben, SDAX-Ausschluss droht – was der Bilanzskandal für Anleger bedeutet
11.03.2026

Für die Gerresheimer-Aktie reißen die schlechten Nachrichten nicht ab. Nach Bilanzfehlern und Untersuchungen der BaFin verzögert sich...

DWN
Politik
Politik EU-Rüstungsprogramm Safe: Polens Präsident lehnt EU-Rüstungskredite ab
11.03.2026

44 Milliarden für Polens Rüstung? Präsident Nawrocki blockiert ein EU-Programm und setzt auf eigene Ideen. Was steckt hinter dem...

DWN
Politik
Politik Abgelehnte Asylbewerber: Fast zwei Drittel aller Abschiebeversuche 2025 gescheitert
11.03.2026

Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Zahl der Abschiebungen deutlich zu steigern. Es dürfte ihr nicht gefallen, dass...

DWN
Politik
Politik IEA: Deutschland gibt wegen Iran-Kriegs Teil der Ölreserven frei
11.03.2026

Seit Beginn des Iran-Kriegs vor gut einer Woche schnellt der Ölpreis in die Höhe. Um dagegen anzugehen, wird jetzt ein seltenes...

DWN
Politik
Politik Spritpreise in Polen: Warum die Tankfüllung in Polen deutlich günstiger ist
11.03.2026

Die explodierenden Kraftstoffpreise treiben viele deutsche Autofahrer nach Polen, um deutlich günstiger Benzin oder Diesel zu tanken. Doch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft DIW: Iran-Krieg trifft deutsche Wirtschaft wenig - aber treibt Preise
11.03.2026

Mit dem Anstieg der Ölpreise wachsen die Sorgen um die Konjunktur in Deutschland. Das Institut der deutschen Wirtschaft ist eher...