Politik

SPD-Kanzlerkandidat: Bleibt Scholz oder übernimmt Pistorius? Showdown in der K-Frage

Führt Olaf Scholz als SPD-Kanzlerkandidat die Partei in den Wahlkampf? Oder könnte doch noch Boris Pistorius ins Rennen gehen? Trotz einer Schaltkonferenz der Parteispitze und fünf Interviews des Bundeskanzlers bleibt die K-Frage in der SPD weiter offen. Die Stimmen für den SPD-Kanzlerkandidaten Pistorius werden jedenfalls lauter.
20.11.2024 10:30
Aktualisiert: 20.11.2024 10:30
Lesezeit: 2 min
SPD-Kanzlerkandidat: Bleibt Scholz oder übernimmt Pistorius? Showdown in der K-Frage
Boris Pistorius (SPD), Bundesminister der Verteidigung, spricht bei Airbus Helicopters. Wird er doch noch SPD-Kanzlerkandidat? (Foto: dpa) Foto: Sven Hoppe

Knapp drei Monate vor der geplanten Neuwahl des Bundestags ist weiterhin ungeklärt, wer als SPD-Kanzlerkandidat den Wahlkampf anführen wird. Nach einer Schaltkonferenz der Parteiführung gab es am Abend keine neuen Erkenntnisse. Auch die TV-Interviews von Kanzler Olaf Scholz nach dem G20-Gipfel schafften keine Klarheit. Scholz betonte in den Gesprächen mehrfach die Unterstützung der Parteispitze und hob die Geschlossenheit der SPD hervor. Heute Vormittag wird er in Berlin zurückerwartet. In der SPD wird diskutiert, ob Boris Pistorius, der beliebte Verteidigungsminister, als Kanzlerkandidat eine bessere Wahl wäre als Scholz. Angesichts des Umfragetiefs der SPD – mit 15 bis 16 Prozent nur etwa halb so stark wie die Union – wird die K-Frage heiß debattiert. Sowohl Befürworter von Scholz als auch Stimmen für Pistorius äußerten sich zuletzt. Mehrfach wurde gefordert, die Entscheidung schnell zu klären.

SPD-Spitze tagt – kein Fortschritt bei der K-Frage

Während Scholz noch in Rio war, diskutierte die Parteiführung in Berlin über den Wahlkampf. Dabei gab es keine Neuigkeiten. Laut Willy-Brandt-Haus handelte es sich um eine routinemäßige Vorbereitung auf die Bundestagswahl und den bevorstehenden Parteitag. Scholz war nicht zugeschaltet. In der ARD sprach der Kanzler von einem "Routinetreffen" und nicht von einer Entscheidung zur K-Frage in der SPD. Zum Abschluss des G20-Treffens gab Scholz fünf Interviews, in denen die K-Frage eine zentrale Rolle spielte. "Die SPD und ich wollen gemeinsam gewinnen", sagte er in der ARD und weiteren Sendern. Bei ProSieben/Sat.1 erklärte er: "Ich kann mich über die Unterstützung der Parteiführung nicht beklagen." Im ZDF betonte er: "Ich fühle mich sehr klar unterstützt und nicht alleine."

Zugleich zeigte sich Scholz zuversichtlich, dass die Debatte die SPD nicht spaltet. "Sie werden sehen, dass die SPD geschlossen bleibt", sagte er bei Welt TV. Im ZDF fügte er hinzu: "Die SPD steht zusammen."

Pistorius und die Bedeutung der Taurus-Entscheidung

Verteidigungsminister Pistorius erklärte am Montag in Passau, dass eine Kanzlerkandidatur nicht Teil seiner Lebensplanung sei, fügte jedoch hinzu: "In der Politik sollte man nie etwas ausschließen." Auf die Frage, ob Scholz SPD-Kanzlerkandidat bleibe, sagte Pistorius in einem Interview der Mediengruppe Bayern: "Ja." Ob er bereitstünde, falls Scholz verzichtet, wollte er nicht kommentieren: "Hypothetische Fragen beantworte ich nicht, weil eine Antwort morgen schon überholt sein könnte." Scholz äußerte sich bei Welt TV zu Pistorius: "Ich bin mir seiner Loyalität sehr sicher."

Scholz hob in den Interviews die Wahlkampfthemen der SPD hervor: Stärkung der Bundeswehr, innere Sicherheit, soziale Fragen wie Rente und Pflege sowie die Modernisierung der Infrastruktur. "Wir machen hier kein Entweder-Oder", sagte er bei ProSieben/Sat.1. Auch die Weigerung von Scholz, Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine zu liefern, könnte den Wahlkampf prägen. "Es ist kein direktes Wahlkampfthema, aber eine Frage, die die Wähler bei ihrer Entscheidung berücksichtigen werden", erklärte Scholz in der ARD. Ähnlich äußerte er sich bei Welt TV: "Die Bürgerinnen und Bürger werden entscheiden, ob sie den Kurs der Besonnenheit, den ich vertrete, weiter unterstützen."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Steuererklärung per App: Steuererklärung mit einem Klick startet im Juli bundesweit
16.02.2026

Am Handy mit einem Klick die Steuererklärung machen? Was lange wie ein unerfüllbarer Wunsch klang, soll ab Juli möglich werden....

DWN
Politik
Politik EU-Rechnungshof: Milliarden aus dem Corona-Aufbaufonds unzureichend vor Betrug geschützt
16.02.2026

Der Europäische Rechnungshof warnt vor erheblichen Defiziten beim Schutz von Milliardenmitteln aus dem Corona-Aufbaufonds der EU. Welche...

DWN
Technologie
Technologie KI-Einsatz in Unternehmen: Warum die Wirtschaft bislang nur punktuell profitiert
15.02.2026

Künstliche Intelligenz gilt als möglicher Hebel für höhere Produktivität in Unternehmen und Volkswirtschaften, doch ihr...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Eurozonen-Wirtschaft: Übergang in einen neuen Konjunkturzyklus
15.02.2026

Die Eurozonen-Wirtschaft tritt laut Prognosen der Bank Citadele in einen neuen Konjunkturzyklus ein, getragen von sinkenden Zinsen und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mittelstand unter Druck: Datev-Analyse belegt beunruhigende Zahlen
15.02.2026

Die wirtschaftliche Lage im deutschen Mittelstand spitzt sich weiter zu: Kleine und mittelgroße Unternehmen stehen immer stärker unter...

DWN
Finanzen
Finanzen Investitionsstrategien im KI-Zeitalter: Kriterien für langfristige Wertschöpfung
15.02.2026

Künstliche Intelligenz prägt Investitionsentscheidungen und verändert die Bewertungsmaßstäbe an den Finanzmärkten. Wie lassen sich im...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Schlüsselindustrien im Umbruch: Deutschlands Rolle am europäischen Markt
15.02.2026

Deutschland steht vor neuen wirtschaftlichen Weichenstellungen in einem sich wandelnden europäischen Umfeld. Wie lässt sich unter diesen...

DWN
Politik
Politik Grenzwerte: Umweltbundesamt bestätigt ausreichende Luftqualität in Deutschland
15.02.2026

Die Europäische Union gibt Grenzwerte vor, die in den Ländern eingehalten werden müssen. Die Luftqualität in Deutschland hat im...