Politik

Trump-Regierung: Weiterer TV-Mann und Wall-Street-Finanzier nominiert

Ein Wall-Street-Finanzier, ein TV-Arzt und eine ehemalige Wrestling-Unternehmerin als Bildungsministerin: Donald Trump sorgt mit seinen neuen Kandidaten für das künftige US-Kabinett weiterhin für Überraschungen. Trotz zunehmender Kritik bleibt der designierte Präsident jedoch bei seiner umstrittenen Nominierung des radikalen Republikaners Matt Gaetz für das Amt des Justizministers.
20.11.2024 13:19
Aktualisiert: 20.11.2024 13:19
Lesezeit: 3 min

Von der Wall Street zu Importzöllen

Trumps nächster Kandidat für das Amt des Handelsministers ist Howard Lutnick, ein führender Unterstützer der Trump-Regierung an der Wall Street. Lutnick, Geschäftsführer der New Yorker Finanzfirma Cantor Fitzgerald, leitet derzeit das Team, das die Amtsübergabe Trumps im Weißen Haus für den 20. Januar vorbereitet. Als Handelsminister würde Lutnick unter anderem Trumps Pläne für neue Importzölle umsetzen müssen. Der designierte Präsident hatte im Wahlkampf hohe Zölle auf ausländische Waren angekündigt und versprochen, dass diese Zölle Unternehmen dazu bringen würden, wieder in den USA zu produzieren. Ökonomen warnen jedoch, dass solche Maßnahmen, wie sie Trump bereits während seiner ersten Amtszeit verhängte, vor allem Preiserhöhungen für amerikanische Verbraucher zur Folge haben könnten.

Laut Medienberichten versuchte Lutnick vergeblich, Finanzminister zu werden. Er und der Finanzmanager Scott Bessent hätten in den vergangenen Tagen Trump um den Posten gebeten. Lutnick habe unter anderem den Tech-Milliardär Elon Musk für sich gewonnen, der Trump während des Wahlkampfs unterstützte und seit der Wahl viel Zeit mit ihm verbringt. Nun soll Lutnick stattdessen das Handelsministerium übernehmen.

Ex-Wrestling-Unternehmerin wird Bildungsministerin

Den Posten des Bildungsministers hätte sich vermutlich Linda McMahon gewünscht, die in Trumps erster Amtszeit die Leitung einer Behörde für kleine Unternehmen innehatte. Jetzt soll die 76-Jährige Amerika zur „Nummer eins bei Bildung in der Welt“ machen, wie Trump in einer Mitteilung schrieb. Während des Wahlkampfs hatte er noch angekündigt, das Bildungsministerium abzuschaffen.

McMahons berufliche Laufbahn hatte wenig mit dem Bildungswesen zu tun. Zusammen mit ihrem Ehemann Vince McMahon baute sie die Wrestling-Liga WWE auf. Zeitweise führte sie das Unternehmen, bevor sie 2009 in die Politik ging und erfolglos versuchte, in den US-Senat gewählt zu werden. Trump unterstützt sie schon seit Jahren. Derzeit leitet McMahon zusammen mit Lutnick das Team, das die Machtübergabe vorbereitet.

TV-Arzt übernimmt wichtige Gesundheitsposition

Der umstrittene TV-Arzt Mehmet Oz soll in der neuen Trump-Regierung Chef von Medicare und Medicaid werden, den Programmen, die Dutzende Millionen Amerikaner mit Gesundheitsversorgung versorgen. Medicare richtet sich an Menschen über 65 Jahre, während Medicaid teilweise die Behandlungskosten für Geringverdiener übernimmt.

Oz hatte sich in der Vergangenheit für mehr private Gesundheitsleistungen ausgesprochen. Der 64-Jährige wurde als Herzchirurg und Professor an der Columbia University bekannt und war auch Moderator der „Dr. Oz Show“. Dort wurde er unter anderem für die Verbreitung von umstrittenen Theorien zur Alternativmedizin und paranormalen Fähigkeiten kritisiert. Während der Corona-Pandemie empfahl er die Anwendung des Malaria-Medikaments Hydroxychloroquin, das er bis zum damaligen Präsidenten Trump brachte.

2022 kandidierte Oz für einen Senats-Sitz im Bundesstaat Pennsylvania, unterstützt von Trump, verlor jedoch deutlich. Oz ist bereits der dritte TV-Mann, den Trump für sein Kabinett nominiert. Neben ihm sind auch Pete Hegseth als möglicher Verteidigungsminister und Sean Duffy als Verkehrsminister Kandidaten, die zuvor als Moderatoren beim Trump-freundlichen Nachrichtensender Fox arbeiteten.

Trump bleibt bei Gaetz als Wunsch-Justizminister

Die wohl heißeste Personaldebatte dreht sich weiter um Matt Gaetz. Der langjährige Kongressabgeordnete aus Florida ist von vielen Republikanern im US-Senat als ungeeignet für das Amt des Justizministers angesehen. Gaetz wird unter anderem vorgeworfen, eine Minderjährige sexuell missbraucht und Drogen konsumiert zu haben. Beide Vorwürfe weist er zurück. Das US-Justizministerium stellte zwar eine Untersuchung ohne Anklage ein, doch der Ethik-Ausschuss des Repräsentantenhauses prüft die Vorwürfe weiterhin. Es ist unklar, ob der Bericht des Ausschusses veröffentlicht wird, da Gaetz nach seiner Nominierung sein Parlamentsmandat aufgab, was die Ermittlungen einfror.

Wegen dieser Begleitumstände halten viele Republikaner es für fraglich, ob Gaetz die Bestätigung im Senat erhalten wird. Mit 53 der 100 Sitze hat Trumps Partei nur eine knappe Mehrheit, so dass bereits wenige Abweichler genug wären, um die Nominierung zu verhindern. Am Dienstag wurde Trump am Rande eines Raketenstarts von Musks Raumfahrtfirma SpaceX gefragt, ob er Gaetz' Nominierung noch einmal überdenken würde. Trumps Antwort: „Nein“. Auch Elon Musk stellte sich hinter Gaetz und bezeichnete ihn auf der Plattform X als „unseren Justiz-Hammer“.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
X

DWN Telegramm

Verzichten Sie nicht auf unseren kostenlosen Newsletter. Registrieren Sie sich jetzt und erhalten Sie jeden Morgen die aktuellesten Nachrichten aus Wirtschaft und Politik.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Ihre Informationen sind sicher. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten verpflichten sich, Ihre Informationen sorgfältig aufzubewahren und ausschließlich zum Zweck der Übermittlung des Schreibens an den Herausgeber zu verwenden. Eine Weitergabe an Dritte erfolgt nicht. Der Link zum Abbestellen befindet sich am Ende jedes Newsletters.

DWN
Panorama
Panorama Feiertage 2026: Alle Termine, Brückentage und Regeln – wie Sie am besten profitieren
13.12.2025

Die Feiertage 2026 liegen günstig und ermöglichen viele lange Wochenenden. Wer früh plant, kann deshalb Brückentage optimal nutzen....

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienrendite: Es lohnt sich wieder zu vermieten
13.12.2025

Eine Mietimmobilie als Kapitalanlage kann wieder eine interessante Investition sein. Doch nicht überall macht das Sinn. Wo sich das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Prominenter China-Experte zeichnet düsteres Bild für Europa: „Es wird ziemlich schlimm“
13.12.2025

Europa wähnt sich sicher, doch die nächste ökonomische Erschütterung rollt bereits heran. Der prominente China-Analyst Dan Wang...

DWN
Finanzen
Finanzen Falsche Gehaltsgruppe: Was kann ich tun, wenn meine Gehaltseinstufung nicht zum Tarifvertrag passt?
13.12.2025

Viele Beschäftigte merken erst spät, dass ihre Gehaltsgruppe im Tarifvertrag nicht zur Arbeit passt. Das kann monatlich bares Geld...

DWN
Technologie
Technologie Lidl krempelt den Einkauf um: Warum die Scan-and-Go-Technologie den Handel umdreht
13.12.2025

Litauens Handelsketten treiben den digitalen Umbruch voran. Das Selbstscansystem Scan & Go kommt nun in die Lidl Filialen. Bisher wurde...

DWN
Politik
Politik Billigfluglinien bereiten sich bereits auf Flüge in die Ukraine vor
13.12.2025

Wizz Air, Ryanair und EasyJet bringen sich in Stellung. Europas Billigfluglinien planen bereits ihre Rückkehr in die Ukraine und rechnen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa-Krise vertieft sich: JPMorgan warnt vor dramatischen Folgen für Amerika
13.12.2025

Die Warnungen von JPMorgan Chef Jamie Dimon treffen Europa in einer Phase wachsender politischer Unsicherheit. Seine Kritik an der...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Textilrecycling: Wie eine schwedische Gründerin die Branche unter Druck setzt
12.12.2025

Ein junges schwedisches Unternehmen behauptet, die nachhaltigste Lösung für das Textilrecycling gefunden zu haben. Die Methode nutzt CO2,...