Immobilien

Energieeffizienz im Immobilienmarkt: Was wünschen sich Mieter?

Das Thema Energieeffizienz und energetische Sanierung ist ein wichtiges auf dem deutschen Immobilienmarkt: Nach dem Europaparlament müssen viele Gebäude in der EU umweltfreundlicher werden und der Energieverbrauch soll mittelfristig deutlich sinken. Deutsche Immobilieneigentümer haben bisher unterschiedlich reagiert. Viele zögern mit den Sanierungen. Doch was denken Mieter über eine energetische Sanierung ihrer Mietwohnung – was sind ihre Wünsche und was sind die größten Ängste?
28.12.2024 16:02
Aktualisiert: 01.01.2030 00:00
Lesezeit: 3 min
Energieeffizienz im Immobilienmarkt: Was wünschen sich Mieter?
Welche Sanierungswünsche haben Mieter? (Foto: dpa) Foto: Jochen Tack

Energiekosten haben sich in den vergangenen Jahren zu einer riesigen finanziellen Belastung für Mieter in Deutschland entwickelt. Eine aktuelle Umfrage zeigt jetzt, dass sich die Mehrheit von Mietern eine energetische Sanierung wünscht, um dadurch Geld zu sparen und weniger für Heizung und Warmwasser auszugeben. Diejenigen, die eine Sanierung strikt ablehnen, haben Angst vor Mieterhöhungen nach Sanierungsmaßnahmen und befürchten Einschränkungen wegen den geplanten Renovierungsarbeiten.

Rund 59,3 Prozent der Mieter, bei denen im letzten Jahr nicht saniert wurde, wünschen sich eine energetische Modernisierung durchführt, so eine aktuelle immowelt-Analyse. Anders als von vielen befürchtet, führt eine energetische Sanierung und daher eine bessere Energieeffizienz nicht zwangsläufig zu einer Mieterhöhung: Rund jeder zweite Mieter, bei dem in den vergangenen 12 Monaten Sanierungsarbeiten durchgeführt wurden, war im Anschluss von einem Mietanstieg betroffen. In ungefähr 46 Prozent der Fälle gab es keine Mieterhöhung.

Hohe Energiekosten treiben Mieter-Sanierungswunsch voran

Immowelt Geschäftsführer Piet Derriks zufolge hat der starke Anstieg der Energiekosten seit dem Jahr 2022 Mietnebenkosten in die Höhe getrieben. „Viele Mieter hoffen daher auf eine energetische Sanierung durch den Vermieter“, so Derriks. „Zwar kann es in Folge von Modernisierungsmaßnahmen zu Mieterhöhungen kommen, auf der anderen Seite profitieren Mieter jedoch von niedrigeren Energiekosten und erhöhtem Wohnkomfort.“

Mietwohnungen in deutschen Großstädten immer teurer

Die Angst vor zusätzlichen Mieterhöhungen und damit die Furcht, die Miete überhaupt noch bezahlen zu können, ist real - insbesondere angesichts der Tatsache, dass in den deutschen Großstädten die Mietpreise seit zehn Jahren steil nach oben steigen. Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine aktuelle Anfrage der Linken-Bundestagsabgeordneten Caren Lay, stiegen die Mieten im Schnitt in den letzten neun Jahren am meisten in Berlin: Dort haben sie sich von 8,10 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2014 auf 16,35 Euro im Jahr 2023 verdoppelt. Die höchsten Mietpreise hat allerdings nach wie vor München: Hier lag der Quadratmeterpreis im vergangenen Jahr im Schnitt bei 20,59 Euro - ein Plus von fast 50 Prozent im Vergleich zu 2014.

Pro-Sanierung: Niedrigere Energiekosten und besserer Wohnkomfort

Unter denjenigen, die sich eine energetische Sanierung wünschten, gaben 88 Prozent die Senkung der Energiekosten als Hauptgrund an. Auch die Steigerung des Wohnkomforts spielte für viele Mieter eine Rolle (66 Prozent). Eine bessere Dämmung der Wohnung sorgt in der Winterzeit oder an Sommertagen generell für ein gutes Raumklima, während neue Fenster einen besseren Lärmschutz bieten. In der Umfrage hatte Klimaschutz keine hohe Priorität unter den Mietern, die für eine energetische Sanierung waren: Die Senkung des CO₂-Ausstoßes war nur für 31,8 Prozent der Befragten entscheidend.

Anti-Sanierungsmaßnahmen: Furcht vor Mieterhöhung

Laut immowelt lehnten 40,7 Prozent der Mieter, bei denen im vergangenen Jahr nicht saniert wurde, Maßnahmen wie Wärmedämmung, Heizungsmodernisierung oder Fenstertausch ab. Der Hauptgrund? Die Angst vor Mieterhöhungen.

Jeder Zweite (51,6 Prozent) begründete seine Ablehnung mit der Furcht vor einem Mietanstieg nach den Sanierungsmaßnahmen. Rund 29 Prozent von Mietern machten sich auch Sorgen über mögliche Einschränkungen durch Bauvorhaben, wie zum Beispiel Lärm, Staub oder die vorübergehende Unbenutzbarkeit von Teilen der Immobilie während der Bauarbeiten. Etwas mehr als ein Drittel (35,9 Prozent) gab an, dass ihre Mietwohnung bereits ausreichend energieeffizient sei.

Nach Sanierung: Jeder zweite Mieter von Mieterhöhung betroffen

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten dürfen Vermieter einen Teil der Kosten auf die Miete umlegen. Dennoch führt eine energetische Sanierung nicht zwangsläufig zu einer Mieterhöhung, so immowelt. Rund jeder zweite Mieter (53,4 Prozent), bei dem in den vergangenen 12 Monaten energetisch saniert wurde, war im Anschluss von einer Mieterhöhung betroffen - im Durchschnitt um 10 Prozent. Auf der anderen Seite hatte die Durchführung einer energetischen Sanierung für 46,6 Prozent der Mieter keine Mieterhöhung zur Folge.

Viele Eigentümer würden Immobilie nur unter Zwang sanieren

Wie sieht es bei Eigentümern aus? Einer separaten Umfrage zufolge wären viele Immobilieneigentümer in Deutschland nur mit Zwang zu energetischen Sanierungen bereit. Gut 30 Prozent der Befragten gaben in einer neuen Studie der Direktbank ING an, sie würden ihre Immobilie zur Steigerung der Energieeffizienz nur sanieren, wenn sie gesetzlich dazu verpflichtet wären. Bei einer Befragung im Vorjahr hatten sich nur rund 12 Prozent so geäußert.

Weitere rund 18 Prozent erklärten, sie wären für energetische Sanierungen, wenn es finanzielle Unterstützung - etwa Zuschüsse oder Steuererleichterungen - gebe, die komplett die Kosten deckten. Knapp neun Prozent machen Sanierungen von Hilfen abhängig, die zumindest teilweise die Kosten ausgleichen.

Auch Aussichten auf sinkende Kosten überzeugen viele nicht. „Die grüne Wende am Wohnimmobilienmarkt ist unter deutschen Verbrauchern kein Herzensprojekt und wird vermutlich auch keines werden“, so die Direktbank ING Autoren. Aufklärungsarbeit allein werde für einen umweltfreundlichen Umbau des Gebäudesektors nicht reichen, der für 30 Prozent aller Treibhausgasemissionen verantwortlich sei.

Für die von immowelt beauftragte repräsentative Studie wurden 2.027 Personen (Online-Nutzer) ab 18 Jahren mit Wohnsitz in Deutschland befragt.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie BradyPrinter i7500: Revolution im Hochpräzisionsdruck

Sie haben genug vom altmodischen Druck großer Etikettenmengen? Keine Kalibrierung, keine Formatierung, kein umständliches Hantieren mit...

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Politik
Politik „Machen Sie sich auf die Auswirkungen gefasst“: EU kündigt weitere Gegenmaßnahmen zu US-Zöllen an
03.04.2025

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat die Bürger der EU auf die bevorstehenden wirtschaftlichen Folgen...

DWN
Politik
Politik US-Finanzminister warnt vor Vergeltungszöllen: Eskalation könnte die Lage verschärfen
03.04.2025

US-Finanzminister Scott Bessent hat betroffene Länder vor einer schnellen Reaktion auf die jüngste Ankündigung von Präsident Donald...

DWN
Politik
Politik AfD-Kandidat erstmals ins Verfassungsgericht gewählt: Zweidrittelmehrheit im Thüringer Landtag
03.04.2025

Die AfD hat einen Kandidaten für den Thüringer Verfassungsgerichtshof durchgesetzt: Rechtsanwalt Bernd Falk Wittig wurde mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbercheck: Dürfen Arbeitgeber frühere Chefs kontaktieren?
03.04.2025

Referenzen von ehemaligen Arbeitgebern können wertvolle Einblicke bieten – aber ist es rechtlich erlaubt, ohne Zustimmung des Bewerbers...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Sichere KI statt Datenleck: Das müssen Firmen beim Chatbot-Einsatz beachten
03.04.2025

KI-Chatbots sind im Mittelstand längst Alltag – doch oft fehlt es an Sicherheitsstandards. Der Hamburger KI- und Digitalisierungsexperte...

DWN
Panorama
Panorama Orban trifft Netanjahu in Budapest trotz Haftbefehl -und erklärt Rückzug aus Internationalen Strafgerichtshof
03.04.2025

Viktor Orbán ignoriert den Haftbefehl, den der Internationale Strafgerichtshof gegen Israels Premier erlassen hat – und heißt ihn in...

DWN
Politik
Politik Russlands Verzögerung der Verhandlungen könnte auch der Ukraine nützen
03.04.2025

Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine mögliche Waffenruhe oder Friedenslösung ziehen sich weiter hin. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX aktuell: DAX-Kurs fällt nach Trumps Zollankündigung - wie sollten Anleger reagieren?
03.04.2025

Die erneute Zollankündigung von US-Präsident Donald Trump hat am Donnerstag die Aktienmärkte stark unter Druck gesetzt. Der DAX-Kurs...