Finanzen

Goldpreis-Entwicklung: Rekordhoch im Blick - sollten Anleger nun Gold kaufen?

Der Goldpreis hat sich in den vergangenen Tagen volatil gezeigt, kommt aber langsam zurück. Nach einer Korrekturphase Mitte November hat sich der Preis des Edelmetalls stabilisiert, die Goldpreis-Entwicklung aktuell zeigt nach oben. Die Lage an den Finanzmärkten und geopolitische Spannungen sorgen für ein Kursplus zum Ausklang der Handelswoche. Doch was steckt dahinter, ist jetzt der Goldkauf sinnvoll? Und wie geht es bei der Goldpreis-Entwicklung weiter?
29.11.2024 18:33
Lesezeit: 4 min
Goldpreis-Entwicklung: Rekordhoch im Blick - sollten Anleger nun Gold kaufen?
Gold- und Silberbarren liegen in einer Auslage: Wie geht es bei der Goldpreisentwicklung weiter? Foto: Carsten Rehder

Goldpreis-Entwicklung aktuell

Am Freitagmorgen (29. November 2024) stieg der Preis für die Feinunze Gold auf 2.688,30 US-Dollar. Dieser Anstieg im Vergleich zu Mittwoch markiert ein weiteres Zeichen für die derzeitige Stärke des Edelmetalls. Seit Jahresbeginn hat der Goldpreis bereits um annähernd 30 Prozent zugelegt und nähert sich damit wieder seinem Rekordhoch. Experten erwarten, dass der Goldwert in den kommenden Monaten weiter zulegen könnte. Das Goldpreis-Rekordhoch liegt bei 2.787,29 US-Dollar und stammt vom 30. Oktober - die Unsicherheiten im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen hatten den Goldkurs nach oben getrieben.

Inzwischen ist der schwächere US-Dollar ein entscheidender Treiber der Gold-Preisentwicklung. Die Abwertung des Greenbacks, verstärkt durch Zinssenkungserwartungen in den USA, macht Gold für Käufer außerhalb der USA attraktiver. Laut Prognosen der Swap-Märkte wird die Fed die Zinsen im Dezember voraussichtlich senken, was den Aufwärtstrend beim Kurs von Gold weiter unterstützen könnte. Auch geopolitische Risiken spielen eine zentrale Rolle: Der anhaltende Krieg in der Ukraine und wachsende Spannungen im Nahen Osten steigern die Attraktivität von Gold als sicherer Hafen. Zusätzlich zeigt die Inflation in Deutschland und der Eurozone wieder Aufwärtstendenzen. Mit einer Inflationsrate von 2,2 Prozent in Deutschland und erwarteten 2,3 Prozent in der Eurozone wird das Ziel der Europäischen Zentralbank erneut überschritten, was das Vertrauen in Fiat-Währungen weiter belastet.

Warum steigt der Goldpreis?

Goldpreis-Entwicklung und Inflation

Seit jeher gilt Gold als stabiler Wertspeicher in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheiten und Inflation. Historisch zeigt sich eine inverse Beziehung zwischen dem Goldpreis und den Realzinsen – also den Nominalzinsen abzüglich der Inflation. In der aktuellen Situation, in der Realzinsen negativ sind oder weiter sinken könnten, verliert der US-Dollar an Attraktivität, während Gold an Wert gewinnt.

Steigende Haushaltsdefizite

Ein weiterer Faktor, der den Goldpreis antreibt, ist die expansive Fiskalpolitik in vielen Ländern. Vor allem die USA verzeichnen wachsende Haushaltsdefizite, die den Dollar schwächen und Gold stärken. Diese Entwicklungen sind nicht auf die USA beschränkt. Weltweit steigt die Geldmenge schneller als die Wirtschaftsleistung, was das Vertrauen in Fiat-Währungen generell belastet.

Käufe durch Zentralbanken

Zentralbanken spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in der aktuellen Gold-Kursentwicklung. Im Jahr 2022 erreichten ihre Käufe ein Rekordniveau, da viele Länder ihre Abhängigkeit vom US-Dollar reduzieren möchten. Vor allem Staaten wie China und Russland haben ihre Goldreserven ausgebaut, um sich gegen geopolitische Risiken abzusichern. Diese Tendenz setzt sich 2024 fort und trägt zur Nachfrage nach dem gelben Edelmetall bei.

Gold kaufen: Wie geht das und ist jetzt der richtige Zeitpunkt?

Wer von der Goldpreis-Entwicklung profitieren möchte, hat mehrere Möglichkeiten. Es gibt physisches Gold in Form von Barren und Münzen sowie Wertpapiere, die den Goldpreis abbilden. Wofür Sie sich auch entscheiden, Sie sollten nur bei vertrauenswürdigen Anbietern kaufen. Dazu zählen namhafte Online-Broker, Banken und seriöse Edelmetallhändler. Überprüfen Sie die Seriosität des Anbieters, insbesondere wenn Sie online kaufen, da Sie oft in Vorkasse gehen müssen. Ein gutes Indiz für einen seriösen Händler ist die Mitgliedschaft im Berufsverband des deutschen Münzhandels.

Physisches Gold kaufen

Physisches Gold bietet den Vorteil, dass es einen echten Sachwert darstellt. Es bleibt auch in Krisenzeiten wertvoll und ist steuerfrei, wenn es mindestens ein Jahr gehalten wird. Anleger können zwischen unterschiedlichen Größen und Stückelungen wählen – von kleinen Münzen bis hin zu großen Goldbarren. Besonders kleine Stückelungen eignen sich für den Krisenfall, da sie leichter handelbar sind. Gold kann bei Banken, spezialisierten Händlern oder online gekauft werden. Auch sogenannte Goldautomaten sind in manchen Städten verfügbar. Wichtig ist, die Kosten für Produktion und Lagerung zu berücksichtigen. Ein Tresor oder Schließfach ist für die sichere Verwahrung unerlässlich.

Beim Investieren sollten Sie sich für Anlagegold entscheiden. Goldbarren mit einem Feingehalt von mindestens 99,5 Prozent (995er Aufprägung) und Goldmünzen ab einem Feingehalt von 90 Prozent gelten als Anlagegold. Empfehlenswert sind international anerkannte Münzen wie der Krügerrand, die Maple Leaf oder die Wiener Philharmoniker, da diese bei Bedarf leicht wiederverkauft werden können. Für größere Summen sind Barren ab 1.000 Euro sinnvoll, idealerweise mit einem Feingehalt von 999,9 und einem LBMA-Zertifikat.

Planen Sie, das Gold sicher zu lagern, entweder in einem Bankschließfach oder in einem hochwertigen Tresor zu Hause. Vorab sollten Sie prüfen, ob Ihre Hausratversicherung auch Edelmetalle abdeckt. Aus steuerlichen Gründen lohnt es sich, das Gold mindestens ein Jahr zu halten, da der Verkauf danach steuerfrei ist. Zu guter Letzt: Investieren Sie nur Geld, das Sie langfristig nicht benötigen, und setzen Sie maximal 10 Prozent Ihres Vermögens auf Gold, um ein ausgewogenes Portfolio zu bewahren.

Wertpapiere wie Gold-ETFs und Gold-Aktien

Auch wenn Sie in Gold-Wertpapiere investieren wollen, sollten Sie einen Anteil von 10 Prozent Gold im Portfolio nicht überschreiten. Gold-Wertpapiere wie Exchange Traded Commodities (ETCs) oder Gold-ETFs sind eine kostengünstige Alternative zum physischen Gold. Sie ermöglichen es Anlegern, an der Goldpreisentwicklung teilzuhaben, ohne selbst Gold lagern zu müssen. Allerdings bergen sie ein Emittentenrisiko, da sie nicht als Sondervermögen gelten. Muss der Gold-Emittent, also der Herausgeber Ihres Gold-Wertpapiers Insolvenz anmelden, dann ist Ihr Investment sehr wahrscheinlich verloren.

Eine weitere Option sind Aktien von Goldminen-Unternehmen. Diese bieten indirekten Zugang zur Goldpreis-Entwicklung, sind jedoch deutlich volatiler, da sie von den Betriebskosten und der Unternehmensführung abhängen.

Wie sollten Anleger sich bei der aktuellen Goldpreis-Entwicklung verhalten?

Gold als Diversifikation

Experten empfehlen, Gold als Diversifikationsinstrument in jedes Portfolio aufzunehmen. Ein Anteil von fünf bis zehn Prozent wird als optimal angesehen, um von der Preisentwicklung des Edelmetalls zu profitieren und gleichzeitig das Risiko zu reduzieren. Wer langfristig in Gold investieren möchte, ist von der Goldpreis-Entwicklung weniger abhängig als ein Anleger mit kurzfristigem Zeithorizont.

Timing ist entscheidend

Da die Goldpreis-Entwicklung nicht linear läuft und auch teilweise starken Schwankungen unterliegt, ist der richtige Einstiegszeitpunkt entscheidend. Anleger sollten daher nicht ihr gesamtes Kapital auf einmal investieren, sondern in regelmäßigen Abständen kleine Beträge anlegen - vergleichbar mit einem Sparplan. Dies reduziert das Risiko, zu einem ungünstigen Zeitpunkt zu kaufen.

Langfristige Perspektive

Gold eignet sich vor allem für langfristig orientierte Anleger, die einen Schutz gegen Inflation und wirtschaftliche Unsicherheiten suchen. Kurzfristig kann es jedoch zu Korrekturen kommen, wie die Entwicklung Mitte November gezeigt hat.

Blick in die Zukunft: Goldpreis-Entwicklung 2025

Für das Jahr 2025 rechnen Analysten mit weiteren Höchstständen. Goldman Sachs prognostiziert einen Goldpreis von 3.000 US-Dollar, UBS sieht ihn bei 2.900 US-Dollar. Sollte die US-Notenbank die Zinsen weiter senken und die geopolitischen Spannungen anhalten, könnten diese Marken schneller erreicht werden, als viele erwarten. Allerdings warnen Experten vor möglichen Rücksetzern, solange wichtige technische Widerstandsmarken wie 2.721 US-Dollar nicht überwunden sind. Anleger sollten daher wachsam bleiben, die Entwicklungen an den Finanzmärkten genau verfolgen und die Goldpreis-Prognosen von Experten für 2025 anschauen.

Die aktuelle Goldpreis-Entwicklung zeigt, dass das Edelmetall in unsicheren Zeiten weiterhin eine zentrale Rolle als Wertspeicher spielt. Mit einem durchdachten Investment, sei es in physisches Gold oder Wertpapiere, können Anleger von den positiven Aussichten profitieren. Angesichts der anhaltenden Inflation, geopolitischen Risiken und expansiven Geldpolitik dürfte Gold auch in den kommenden Jahren ein unverzichtbarer Baustein in jedem Portfolio bleiben.

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Markus Gentner

Markus Gentner ist seit 1. Januar 2024 Chefredakteur bei den Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Zuvor war er zwölf Jahre lang für Deutschlands größtes Börsenportal finanzen.net tätig, unter anderem als Redaktionsleiter des Ratgeber-Bereichs sowie als Online-Redakteur in der News-Redaktion. Er arbeitete außerdem für das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF), für die Tageszeitung Rheinpfalz und für die Burda-Tochter Stegenwaller, bei der er auch volontierte. Markus Gentner ist studierter Journalist und besitzt einen Master-Abschluss in Germanistik.

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